Nachts, an einer US-amerikanischen Highway-Raststätte. Im Hintergrund ein Motel im Stile der 50er Jahre, im fahlen Scheinwerferlicht sitzen drei lederbejackte, sonnenbebrillte Männer auf den Motorhauben ihres rostigen 73er Chevy. Black Rebel Motorcycle Club könnten diese drei Männer sein, so suggerieren ihr Video zur neuen Single "Stop" und ihre typischen Posen auf den Covern ihrer Alben. Auch die Musik der drei Kalifornier scheint zu diesem selbstauferlegten Klischee zu passen. Tatsächlich?! Nein, nicht wirklich. Nicht, dass sie diesen Lederjacken-Biker-Rock parodieren oder karikieren würde, nein, sie erweitern ihn um viele Aspekte. So erinnern die ersten Takte von "Stop", das packende Riff, das gradlinige Schlagzeug und die Synkopen im ersten Moment wohl nicht zufällig an Road-Klassiker wie ACDCs "Highway to hell". Doch schon im Refrain wird dieses Klischee aufgebrochen, der Sound verdichtet sich ungeheuer und unter Hinzunahme von elektronischen Effekten taucht der Hörer in eine große Klangcollage ein, jedoch ohne im Klangmeer zu versinken und unter Beibehalt des straighten Anfangsrhythmusses. Auch in "Six barrel shotgun" bleiben sich B.R.M.C. treu: Ein schnelles Riff wird minimalistisch verarbeitet, auch hier ungeheuer dichter Klang, dazu haben es sich B.R.M.C. jedoch nicht nehmen lassen, Harmoniefolgen, die sonst eher im Rockabilly und Country zu finden sind, im Klangteppich zu verstecken. "We're all in love" und "In like the rose" sind dagegen typischer LoFi-Rock mit packenden Wendungen. "Hahahigh babe" wirkt fast wie ein kleines Interlude, ist trotzdem mit einem packenden Riff ausgestattet. "Generation" dagegen hat, vor allem von den Harmonien, fast Nu-Metal-Charakter, jedoch mit einem typischen Indie-Anspruch. "Shade of blue" gehört zu den schönsten Liedern der CD: Keine Hektik wie in "Generation" oder "Six barrel shotgun", sondern eine relaxt-psychedelische Atmosphäre bildet sich aus einem simplen Anfangsriff auf, um dann bei "US Government" kompromisslos und wieder fast Metal-artig loszurocken. Das akustische "And I'm aching" ist meines Erachtens der einzige Schwachpunkt des Albums: Im Grunde genommen ein schönes, ruhiges Lied, so wird es doch sehr schnell vor allem vom harmonischen Aspekt monoton. "Suddenly" dagegen greift die wunderschön relaxte Atmosphäre von "Shade of blue" wieder auf, während "Rise or fall" und "Going under" minimalistisch ein Riff durchziehen und wieder ein bisschen an die anfangs angesprochene Road-Movie-Atmosphäre erinnern, vor allem letzteres. "Heart + soul" ist schließlich eine tolle, psychedelische Soundcollage am Ende, die stark an die Dandy Warhols erinnert.
Insgesamt ein tolles Album, wo besonders der atmosphärisch dichte Sound auffällt, der sich durch das gesamte Album durchzieht. Anspieltipps und Highlighs sind "Stop", "Six barrel shotgun", "Shade of blue" und "Suddenly", doch auch der Rest des Albums ist sehr gut gelungen. Alle Fans von den Dandy Warhols und Monster Magnet dürfen bedenkenlos zugreifen, doch auch alle anderen, die Rock im entferntesten mögen, sollten die Platte schnellstens probehören.