Warren G sorgte mit diesem Album für Kontroverse. Die einen hatten noch den Sound seines überragenden "Regulate... G Funk Era" im Ohr und waren deshalb enttäuscht, da "Take A Look Over Your Shoulder (Reality)" nicht ganz mithalten kann, was jedoch ein häufig vorkommendes Phänomen ist (siehe Snoop Doggy Dogg), die anderen finden diese Platte hingegen genial, G-Funk at its Finest. Ich sehe das nicht ganz so überschwänglich, bin mit dieser Platte aber sehr zufrieden und halte sie für Warren's zweitbeste. Wie beim Vorgänger übernahm Warren G hier die Produktionen komplett selbst und auch von großen Guest-Features kann nicht die Rede sein. Zwar sind hier mit Nate Dogg, Ron Isley, Jayo Felony und The Twinz ein paar mehr bekannte Namen als 1994 mit im Spiel, ein Vergleich zu den Alben von z.B. Death Row mit massig Stars ist das jedoch nicht. Geblieben sind Warren's lässiger Flow und seine chilligen Funk-Beats, die sich jedoch nicht nach seinem ersten Album anhören, sondern weiterentwickelt, eben dem damaligen Standard entsprechend, was ich sehr gut finde.
Wie auch beim Vorgänger, ist hier beim ersten Song, "Annie Mae", Nate Dogg als Feature mit dabei. Anders als damals "Regulate" ist dieser Track eher etwas fröhlich, dennoch verdammt chillig und besonders durch Nate's coolen Refrain ein perfekter Sommertag-Song. "Smokin' Me Out" ist ein Lied, das man öfters anhören muss, um an ihm Gefallen zu finden. Dies liegt daran, dass der Beat nicht gleich zu begeistern weiß, da er anfangs doch etwas plumb und unter Warren's Verhältnissen daher kommt. Wenn jedoch der Hook von Soul-Legende Ron Isley einsetzt, beginnt wirklich jeder den Groove dieses Stückes zu fühlen. Eines meiner Lieblingsstücke dieser Platte wäre "Young Fun". Eher langsam, dennoch sehr rhythmisch, etwas dunkel, aber auch wieder sehr eingängig und melodisch weiß das Instrumental zu begeistern, genau wie die Rhymes von Warren G und seine Gäste Knee-Hi und Jayo Felony. Dass es auch etwas härter geht wird uns mit "What We Go Through" (feat. Mr. Malik, Perfec & Bad Ass) oder "We Brings The Heat" (feat. The Twinz & Da Five Footaz) gezeigt, da hier mit hart pumpenden Beats hantiert wird, jedoch wird auf eine Brise an entspanntem Funk natürlich nicht verzichtet. Eine weitere echte Bombe ist "Can You Feel It". Auch hier schlagen die Bässe etwas härter aus dem Subwoofer, allerdings hat dieser Song im Gegensatz zu seinen Vorgängern etwas mehr Tempo und Power, weshalb er einen sofort mitreißt, da Warren G perfekt rappt und besoners der Refrain von Nanci Fletcher zum wahren Ohrwurm wird. Gut, aber nicht überragend zeigt sich die zweite Hälfte der Mitte des Albums. Hier sind die wieder sehr relaxten "Transformers" und "Relax Ya Mind" (feat. Reel Tight) hervorzuheben, da diese zu den besseren Liedern zählen. Zum Schluss von "Take A Look Over Your Shoulder (Reality)" liefert der Halbbruder von Producer-Legende Dr. Dre noch mal zwei echte Hammer, die wohl besten Songs dieses Albums, vielleicht sogar in Warren G's gesamter Karriere. Zunächst hätten wir "What's Love Got To Do With It", einer Coverversion von Tina Turner's Klassiker. Das Original ist ja schon echt toll, doch die Samples dieses Hits gepaart mit G-Funk Sounds ist dann doch noch mal eine echte Steigerung und geht einem gar nicht mehr aus dem Kopf, da auch lyrisch wieder alles passt, besonders Feature Adina Howard, die Tina Turner perfekt ersetzt. Der Remix dazu, ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern, auch wenn er sich komplett davon unterscheidet. Auch der zweite Smash ist eine Coverversion, diesmal von Bob Marley's "I Shot The Sheriff". Warren's Version ist minimal dynamischer als das geniale Original, dennoch verfälscht es den Klang überhaupt nicht und groovt ohne Ende. Seine Raps passen auch hier wieder wie die Faust aufs Auge und rundet somit dieses wirklich gelungene Album sehr gut ab.
Im Großen und gibt es keinen einzigen schlechten Song, nur etwas weniger gelungene, die von mir nicht weiter angesprochen werden. "Take A Look Over Your Shoulder (Reality)" ist besonders für sonnige Sommertage geeignet. Einfach raussetzen und genießen! An sein Debüt kommt Warren G mit diesem Album zwar nicht ganz ran, dennoch ist es für mich das zweitbeste in seiner Discographie, weshalb es jedem West Coast und G-Funk Fan absolut zu empfehlen ist.