Zum einen das es nun 35 Jahre her ist, dass Boney M. im Jahre 1976 von Erfolgsproduzent Frank Farian ins Leben gerufen wurde und zum anderen das plötzliche Ableben des Frontmanns der Gruppe Bobby Farrell am 30. Dezember 2010, gaben mir den Anlass dazu, alte Boney M. Platten aus dem Schrank zu holen und ihre Songs nochmals anzuhören.
Frank Farian benannte bereits 1975 die nur von ihm besungene Single "Baby Do You Wanna Bump" mit "Boney M." Erst nach dessen Erfolg in den Niederlanden und Belgien stellte er die Gruppe Boney M. mit Liz Mitchell, Marcia Barrett, Maizie Williams und Bobby Farrell zusammen. 1976 veröffentlichte Frank Farian mit "Daddy Cool" die erste Single des Quartetts und konnte mit ihr 12 Wochen lang die Spitze der Charts halten. Nach dem zweiten Singleerfolg von "Sunny" veröffentlichte Boney M. ihr erstes Album "Take The Heat Off Me".
Zu jedem Album von Boney M. gab es ein spezielles Cover. Die Cover der ersten beiden Erfolgsalben "Take The Heat Off Me" und "Love For Sale" waren für die damalige Zeit recht gewagt und sollten den Zweck dienen, den Musikliebhaber zum Kauf der Schallplatten zu animieren. Bei "Take The Heat Off Me" liegen Liz, Marcia und Maizie nur mit Spitzenunterwäsche bekleidet eng umschlungen auf der Erde, während Bobby Abseits steht und die Szene betrachtet. Produzent Frank Farian sagte mal in einem Interview: "Für das erste Plattencover brauchten wir nur Unterwäsche für 50 Mark und eine Flasche Sekt." Anscheinend war die Umsetzung gar nicht so einfach, denn die drei Frauen hatten zunächst ein Problem mit der gewollten erotischen Freizügigkeit und sträubten sich. Das dann trotz aller vordergründiger Erotik ein schön anzusehendes und stilvolles Cover zustande kam, ist vor allem dem Können des Starfotografen Didi Zill zu verdanken. Besonderheit war, das in Israel das Album mit einer leicht variierten Coverhülle erschien. Der Hintergrund war dort weiß statt des bräunlichen Tons.
Auf "Take The Heat Off Me" ist die Musik von Boney M. noch frei von dem "Popkitsch" den die Gruppe später interpretierte. Titel wie "Daddy Cool" und "Sunny" können auch heute noch überzeugen und sind zu Recht echte Discoklassiker. Die Arrangements waren für die damalige Zeit sehr abwechslungsreich und geben den Songs das gewisse Etwas. Dieses erste Album von Boney M. weist neben vier Coverversionen vier Eigenkompositionen auf: Den Anfang macht der legendäre Song "Daddy Cool". Mit diesem einfachen, aber geschickt aufgebauten Werk schafften es Boney M. über Nacht an die Spitze der deutschen Charts. Dazu genügte ein einziger TV-Auftritt, nämlich der in der damals sehr beliebten Sendung "Musikladen". Der Text von "Daddy Cool" hätte sicher keinen Pulitzer Preis gewonnen, aber darauf kommt es bekanntlich erweise in der Pop Musik nicht an. Hierbei ist es eher wichtiger die Symbiose von Text und Musik und ein gewisser Wiedererkennungswert zu erzeugen. Wenn diese Faktoren perfekt zueinander passen, kann aus einem Popsong ein Hit werden. "Daddy Cool" ist ein eindeutiges Beispiel dafür. Der typische "Call und Response" Gesang von tiefer Männerstimme und dem Chor der Frauenstimmen hat eben diesen starken Wiedererkennungswert. Frank Farian peppt den Song zudem mit einem ganz speziellen Soundeffekt auf, in dem er im Tonstudio mit einem Bleistift rhythmisch an seine Zähne klopft und den für "Daddy Cool" unverwechselbaren "Tic Toc Sound" erschafft. Musikalisch benutzte er hier Soul und Funkelemente, eine synkopische Basslinie, stark akzentuierte Bläsersätze, sowie für die 70er typischen Streicher. Bei "Daddy Cool" ist der Einsatz dieser Stilelemente stark geprägt. Deshalb ist dieser Song so stark und besitzt diese große Anziehungskraft auf den Hörer. "Take The Heat Off Me" ist im Original von "Marcella Bella" und war bereits 1974 ein Hit in Italien. Als Interpretin wählte Frank Farian die leider bei Boney M. immer unterbewertete Sängerin Marcia Barrett aus, die dem Song mit ihrer vielschichtigen Soulstimme Leben gibt. "Sunny": Dieser Song von "Bobby Hebb" war ursprünglich ein Blues. In der Bearbeitung von Frank Farian und Stefan Klinkhammer erkennt man das Original nicht wieder, so viel Schwung hat diese Version. Auch hier der typische tanzbare Rhythmus, ein dichtes, ausgereiftes Arrangement und Variationsreichtum, an dem sich so mancher moderne Produzent von schlechten Coverversionen eine Scheibe abschneiden könnte. "Sunny" ist der erste Hit in einer Reihe von Coverversionen, die als Boney M. Songs bekannter wurden, als die Originale. "Baby Do You Wanna Bump": Der Song, mit dem alles begann und ohne dessen Erfolg es Boney M. nicht geben würde. Die Melodie basiert auf Prince Buster's "Al Capone" aus dem Jahre 1967. Hier singt Frank Farian ganz alleine und beweist damit, dass er solch einfach gestrickte Discotitel auch ohne die beiden Sängerinnen Liz Mitchell und Marcia Barrett hinbekommen hat. Bei "Baby Do You Wanna Bump" geht es aber auch nicht um Gesang, denn das Stück zielt einzig darauf ab, mit seinen durchgehenden Rhythmus und den monotonen Wiederholungen vom Ohr direkt in die Beine zu gehen. Wie geschaffen um sich 6 Minuten lang die Seele aus dem Leib zu tanzen. In einigen Ländern erschien die LP "Take The Heat Off Me" mit veränderter Trackliste. Das heißt, statt dem Song "Baby Do You Wanna Bump" war der Song "Help! Help!" auf dem Album zu finden. "No Woman No Cry" ist ein Reggae von Altmeister Bob Marley und wurde für Boney M. zu einem Popsong aufpoliert. Er wirkt glatter und gefälliger als das Original, besitzt jedoch durch den ausdruckstarken Gesang von Liz Mitchell genügend Eigenständigkeit um auch in dieser Version zu überzeugen. "Fever" wurde 1956 ursprünglich von Little Willie John als Rock'n'Roll Song aufgenommen. Daraus einen tanzbaren Discotitel zu machen, war sicher keine schlechte Idee und ist in der Boney M. Version durchaus gut umgesetzt. Doch gegenüber "Daddy Cool" und "Sunny" fällt diese Umsetzung jedoch etwas schwächer aus. "Got A Man On My Mind" ist wieder ein Reggae. Der Song kommt etwas schleppend rüber und hätte ein bisschen mehr Feuer vertragen können. Trotzdem ein eingängiger Popsong im typischen Boney M. Sound. "Lovin' Or Leavin'":Dieser herausfordernde Song mit schnellem Beat und akzentuierten Bläsern und Streichern ist mal wieder geschaffen für die markante Stimme von Marcia Barrett. Leider nimmt Farian auf den späteren Alben zusehends Abstand von solch souligen Nummern. "New York City": In der 2007 erschienen Remastered Reihe der Boney M. Alben wurde diese Disconummer als Bonustrack auf "Take The Heat Of Me" hinzugefügt. Dieser Song ist konzeptionell ähnlich aufgebaut wie "Baby Do You Wanna Bump" und mehr auf das Tanzbare als auf Gesang abzielt. "Perfect": Ebenfalls als Bonustrack der Remastered Reihe findet man diese Solo-Aufnahme von Liz Mitchell. Der Song wurde von ihrem damaligen Freund Malcolm Magaron geschrieben und dann als B-Seite der Single "Got A Man Of My Mind" veröffentlicht. "Perfect" tanzt ein wenig aus der Reihe, weil er ursprünglich eigentlich nicht für Boney M. gemacht und die Aufnahme schon 1974 als Demo von Malcolm Maragon und Anthony Flavery produziert wurde. Diese Ballade ist wie geschaffen für die Stimme von Liz Mitchell, nur leider ist diese Aufnahme nicht ganz sauber gesungen, was vielleicht auch daran liegen mag, dass sie nur als Demo gedacht war.
Keiner ahnte nach Veröffentlichung von "Take The Heat Off Me", dass eine bis Mitte der 80er-Jahre anhaltende Weltkarriere hieraus entstehen würde. Millionen von verkauften Tonträgern, unzählige Nummer-Eins-Hits und dutzende Auszeichnungen aus verschiedenen Ländern prägte der Erfolg von Boney M. "Take The Heat Off Me" in der remastered Version bietet aufgrund der digitalen Überarbeitung höchster Musik- und Klanggenuss und lässt die Discoarea der 70er-Jahre aufleben.