Nach seinem überaus gelungenen Einstieg in die Mainstream-Welt des Hip-Hop "Thank Me Later" letztes Jahr folgt nun endlich das zweite Album des prominentesten der zahlreichen Newcomer im Hip-Hop Game. "Take Care" ist dabei wohl eines der am sehnsüchtigsten erwarteten Alben dieses Jahres. Der Hype, den Aubrey Graham erneut kreierte, übertrifft wahrscheinlich noch die massive Promotion für sein Debüt.
Und wieder einmal kann man sagen, dass Drake den enormen Erwartungen gerecht wird. Auf "Take Care" erfindet er sich aber nicht komplett neu, sondern hat seinen typischen Style, die wabernden Synthesizer, die gedämpften Drums und seine leicht säuselige Sing-Stimme konsequent weiterentwickelt und an manchen Stellen fast zur Perfektion getrieben. Dabei blieben aber auch seine Rap-Skills nicht unberührt. Flowtechnisch präsentiert sich Drake, wenn er erstmal richtig loslegt, absolut auf Höchstform.
Dieses Album ist hierbei keines für Hip-Hop-Puristen. Auch diejenigen, die Drake eher wegen seines Styles zu rappen gefeiert haben, werden sich nicht völlig mit "Take Care" anfreunden können. Dafür wird hier viel zu viel gesungen. Die einzigen lupenreinen Rap-Songs beschränken sich auf den Zwischenraum zwischen den Interludes (Ausnahme: "HYFR"). Der Rest ist sehr stark von R&B und manchmal auch vom Pop geprägt. Drake kommt dabei voll auf seine Kosten. Auf den Beats, die nicht selten eine melancholische Stimmung versprühen, erzählt er Geschichten aus seinem Superstar-Leben, die sich aber nie mit Oberflächlichkeiten begnügen (zumindest nur ganz selten). Vielmehr gewährt er uns einen sehr emotional ehrlichen Blick in sein Privatleben. Der Song "Look What You've Done", in dem Drake die Beziehung zu seiner Mutter ohne zu kitschig zu werden sehr gut reflektiert, stellt hier das Highlight dieser Geschichten dar.
Das macht die anderen Titel aber nicht weniger hörenswert. Im Gegenteil. Die meisten Perlen erkennt man erst nach mehrmaligem Hören. Auch wenn mir das Album nach dem ersten Durchlauf nicht ganz zugesagt hat, überzeugt es mittlerweile doch durch seine wahnsinnige Integrität und Konsequenz im Sound. Meistens geht mit solchen Attributen aber einher, dass ein Album total monoton und austauschbar wird. Drake weiß das geschickt aufzulockern durch Tracks wie "Take Care", das mit einem lockeren Sound aufwartet, aber auch die Mittelfraktion überzeugt auf raptechnischer Basis. Besonders "Lord Knows" bildet in der Hinsicht einen kleinen Höhepunkt, der im weiteren Verlauf an Bombast nicht mehr angerührt wird. Der sehr ruhige Schluss bekommt genügend Energie durch "HYFR", aber auch den eingängigen, instrumental intensiven Chorus von "Practice". So kann das Album dann mit "The Ride" ganz ruhig und locker ausklingen, ohne dass es beim Hören langatmig wurde.
Die Produktion ist dabei immer auf einem sehr guten, hin und wieder überragenden Niveau. Auch Drake's Hausproduzent "40" hat sich genauso weiterentwickelt, wie der Vocalist selbst. Die Beats klingen dynamischer, durchdachter, nicht mehr so mechanisch - einfach besser als auf "Thank Me Later". T-Minus sorgt dafür, dass die Hip-Hop-Tracks mit genügend Energie versorgt sind und Boi-1da macht auf "Headlines" das, wofür man ihn liebt - einen eingängigen, nicht zu verschachtelten, nach vorne gehenden Banger.
Auch wenn "Take Care" nicht mehr so zugänglich ist wie sein Vorgänger, ist es deutlich gelungener. Drake wirkt authentischer, Beats und sein Flow gehen besser ineinander über und die Themen passen auch. Für die Leute, die Drake's ruhige Seite schon immer gemocht haben also eine unbedingte Kaufempfehlung, für alle Anderen gilt, dass sie mal wenigstens reinhören können.
Nun noch meine 5 Favouriten:
1. Take Care - Drake und Featuregast Rihanna harmonieren hier herrlich und erzählen mit einer gehörigen Portion Zuversicht die Übergangszeit von einer Beziehung in die andere.
2. Practice - Wenn der Beat einsetzt, ist es schwierig, seinen Kopf ruhig zu halten. Eine großartige R&B-Paraphrase von Juvenile's "Back That Azz Up" von 1999.
3. Crew Love - Dass OVOXO funktioniert, war ja schon auf Weeknd's Mixtape "Thursday" zu beobachten. Diese Kollabo manifestiert die Aussage noch zusätzlich.
4. The Real Her - Den wohl beeindruckendsten Gast-Beitrag auf "Take Care" liefert hier Andre 3000 ab. Drake und sein Mentor Lil' Wayne tun ihr Übriges.
5. Over My Dead Body - Das Intro trifft den Ton des Albums zielgenau.