Irgendwie ist das von Take 2 und im Jahr 2001 bei uns erschienene Rune: Viking Warlord für die Sony Playstation 2 völlig untergegangen und kurz nach seinem Erscheinen fast unbemerkt in der Versenkung verschwunden. Zu Unrecht, wie ich meine, denn auch wenn dieses Actiongame nicht zu den Mega-Hits seiner Zeit zu zählen ist, gehört es meiner bescheidenen Ansicht nach doch ganz eindeutig zu den weit überdurchschnittlichen Titeln für Sonys 128-Bit-Konsole. Ein etwas zäher Beginn und ab und an auftretende unübersehbare Mängel im Hinblick auf die Präsentation sollten Euch den Spielspaß grundsätzlich nicht vermiesen. Wer zu Beginn dieses nicht ganz unbrutalen um es noch vorsichtig auszudrücken Metzelabenteuers tapfer durchhält, wird im weiteren Verlauf des Spiels für seine Ausdauer belohnt, denn spätestens zur Halbzeit kommt diese Metzelorgie rund um unseren Wikingerhelden ordentlich in Fahrt.
Im Blickpunkt des Geschehens steht der muskelbepackte Wikinger Ragnar, welcher furchtlos sämtliches Gesocks aus dem Weg räumt und nicht selten fein säuberlich in seine Einzelteile zerlegt, was sich ihm in den Weg stellt. In einer Third-Person-Perspektive schauen wir unserem mutigen Helden praktisch über die Schulter, so dass wir meistens den Überblick behalten, aber dennoch schön nahe dran am (sehr) blutigen Gemetzel sind. Ab und an trennt Ragnar erbarmungslos die Gliedmaßen seiner Feinde ab und schlägt mit diesen sogar weiter auf diese ein, für zartbesaitete Spielernaturen mag dies weniger etwas ein, schätze ich. In diesem Action-Adventure vor einer interessanten mystischen Kulisse im Fantasy-Stil durchforsten wir tiefe Gewölbe und treffen dabei auf die unterschiedlichsten Kreaturen: ob Goblins, Zombies, Skelette, Höllenhunde und sonstige mutierte Monster, alle werden der Reihe nach zerhackstückt, so wie es sich eben gehört.
Doch es wird nicht nur unentwegt durch die Gegend gekloppt, nicht selten gibt es anstrengende Kletterpartien und auch Balanceakte zu vollbringen, über tiefe Abgründe hinweg und an schmalen Felsvorsprüngen entlang. Angenehm ist hierbei, dass nicht alle paar Meter sich gegnerisches Gesocks auf uns stürzt, sondern ab und an uns auch kleine Ruhepausen gegönnt sind, doch nichtsdestotrotz steht der Actionanteil hier eindeutig im Vordergrund. Unser guter Ragnar ist im Übrigen vom nordischen Gott der Götter Odin höchstpersönlich auserkoren worden, um für Ordnung im hohen Norden Europas zu sorgen. Eigentlich hatte Ragnar unlängst das Zeitliche gesegnet, doch netterweise holte Odin in wieder ins Reich der Lebenden zurück, zuvor muss er sich allerdings durch das Reich der Höllengöttin Hel durchackern, was wenig überraschend nicht gerade ein Kinderspiel darstellt. Habt Ihr als Ragnar diese Aufgabe erfolgreich bewältigt, geht es schnurstracks weiter in Richtung tiefer Schluchten, hoher Gebirgspässe, dunkler Höhlen und feuchten Grotten, letztlich steht noch eine gewaltige Festung auf dem Programm, in welche es einzudringen und von Monstern zu säubern gilt.
Natürlich benutzt Ragnar nicht seine blanken Fäuste für die Verrichtungen seiner blutigen Arbeit, vielmehr steht ihm im Laufe der Zeit eine angenehm große Auswahl an Mordinstrumenten zur Verfügung. Zahlreiche Arten an Keulen, Schwertern, Hämmern, Streitkolben und Äxten gilt es möglichst effektiv einzusetzen, ziemlich oft greifen die von Euch frisch verstümmelten Feinde weiterhin an oder laufen davon, ihnen den endgültigen Todesstoß zu versetzen ist quasi Ehrensache. Zu beachten ist hierbei zudem die Art des attackierenden Feindes, denn je nach Gattung erweist sich diese als äußerst empfindlich gegen Hieb- oder Stichwaffen. Dies herauszufinden sollte in der Regel allerdings kein großes Problem sein, schätze ich, überrascht war ich hingegen von der hohen Brutalität, welche diesem Game zweifelsohne innewohnt. Positiv ist zu erwähnen, dass nicht nur planlos drauflosgedroschen bzw. zerstückelt wird, sondern auch magische Runenzauber (daher auch der Name dieses Spiels) sehr oft zum Einsatz kommen und nicht selten eine entscheidende Bedeutung innehaben. Diese Zauber variieren je nach Art der Waffe, welche Ihr gerade führt, sowohl Offensiv- als auch Defensivzauber kommen hier zur Anwendung. Stets im Blick behalten müsst Ihr dabei die vorhandene Runenenergie, denn diese ist nicht unbegrenzt vorhanden, allerdings liegen in den ausgedehnten Leveln viele magische Artefakte zwecks Auffrischung verstreut, sollte Eure sich Eure Lebensenergie einmal bedrohlich dem Ende entgegen neigen, hilft ein leckerer Snack frisch erledigter Echsenwesen: dies ist offensichtlich nur etwas für hartgesottene Wikinger-Mägen, versteht sich.
Negative Dinge gibt es hier allerdings auch zu vermerken, ansonsten hätte es sich auch wirklich um einen echten PS2-Hit gehandelt. Dass es in den doch sehr umfangreichen Leveln zwischendurch überhaupt keine Speichermöglichkeit gibt, ist sicherlich wenig angenehm und treibt den Schwierigkeitsgrad künstlich in die Höhe. Ebenso dauert es ziemlich lange, bis man mit dem Protagonisten so richtig warm wird, was der Spielatmosphäre anfangs auch nicht unbedingt förderlich ist. Der schnelle Ausweichschritt und das Blocken mit dem Schild erfordert zudem eine längere Eingewöhnungsphase, meiner Erfahrung nach müsst Ihr zunächst ordentlich Prügel einstecken um es noch milde auszudrücken bevor Ihr so langsam aber sicher in die Gänge kommt. Dann aber machen die interessanten Auseinandersetzungen richtig Laune, einige sehr spektakuläre (und brutale) Szenen sorgen oft für Aufsehen. Selbst an einen Mehrspielermodus wurde gedacht, was grundsätzlich sehr lobenswert ist, leider hapert es jedoch an der Umsetzung. Insgesamt könnt Ihr Euch zu viert das Leben ordentlich schwer machen, doch durch die heftigen Ruckeleinlagen ist der Multiplayerspaß eher ein richtiger Reinfall, Spielfreude kommt hier schon nach kurzer Zeit nicht mehr auf. Schade, hier wurde eine große Chance vertan.
Die Präsentation zeigt einige Höhen aber auch deutliche Tiefen auf: gut gefallen haben mir die teils spektakulären Kampfszenen, die guten Animationen, schönen Lichteffekte und der unerwartet hohe Brutalitätsgrad. Das gesamte mittelalterliche Fantasy-Design wirkt allerdings (leider) eher grob gezeichnet und nicht selten sehr eckig und kantig, dazu gesellen sich eher matschige oder zumindest wenig detaillierte Texturen, speziell die Hintergründe wirken leblos und gewinnen auf jeden Fall definitiv keinen Schönheitspreis. Die Action im Kampf zu betrachten ist hingegen oft ein richtiger Hingucker, gar keine Frage, zudem die 3D-Optik (im Hauptabenteuer) schön flüssig bleibt und nur selten ins Stocken kommt. Die Soundkulisse ist größtenteils gut gelungen, zumindest einige Hintergrundmelodien sorgen für eine stimmungsvolle Fantasy-Atmosphäre, nur die Soundeffekte hätten angesichts der heftigen Action und zahlreichen unterschiedlichen Waffenarten nach meinem Geschmack noch etwas krachender ausfallen können. Bemerkenswert ist hier, dass je nach momentaner Spielsituation sich die Rhythmen anpassen, kommt es zu dramatischen Auseinandersetzungen oder gelangt Ihr an markante Stellen, hört Ihr dies sofort, in jenen Momenten ist die Spielatmosphäre sehr dicht und zieht Euch sofort in ihren Bann.
Nach Abwägung der positiven und negativen Gesichtspunkte überwiegt das Positive dann doch ziemlich deutlich. Allerdings hätte Rune: Viking Warlord gerade in optischer Hinsicht eine Frischzellenkur sehr gut vertragen können, dass die Hintergründe in diesem Fantasy-Gemetzel farblos ausgefallen sind und die gesamte Umgebung sehr kantig gezeichnet ist und regelmäßig mit nur sehr einfachen Texturen daherkommt, ist sehr bedauerlich. Nur so schafften es die Entwickler dieses Games anscheinend, die schnelle 3D-Optik konstant flüssig zu halten, schätze ich. Nachdem Ihr nach und nach mit der Steuerung der Spielfigur klargekommen seid und im Laufe der Zeit allmählich sichtbar wird, was unser Wikinger-Held alles so im Umgang mit den unterschiedlichen Waffen alles auf dem Kasten hat, gelingt die Identifikation mit ihm immer besser, trotzdem ist der zähe Anfang sicherlich nicht Sinn der Sache. Die schönen Lichteffekte und packenden, nicht gerade unbrutalen Auseinandersetzungen bringen ordentlich Schwung ins Spiel, für Abwechslung sorgen nicht nur die unterschiedlichen Arten an Mordinstrumenten sondern auch manch eine Rätseleinlage oder waghalsige Sprung- oder Kletterpartie, selbst auf Tauchstation müsst Ihr zwischendurch gehen. Insgesamt sollte sich jeder Actionadventure-Fan dieses Game unbedingt einmal genauer anschauen, trotz der nicht zu übersehenden Schwächen setzt Rune einige bemerkenswerte Akzente, meine persönliche Wertung im Hinblick auf den Spielspaß beträgt überdurchschnittlich gute 74%.
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