Man stelle sich vor es gäbe ein Stadt, in der man tun und lassen kann was man möchte. In der der Abschaum keinen Zutritt hat und nur privilegierte Personen wie Ärzte, Professoren, Dichter und Künstler leben dürfen. In der man durch Manipulation der Gene übermenschliche Kräfte erlangt und sich dadurch weiter entwickeln kann als jemals zuvor... willkommen in Rapture! Diese unter Wasser gebaute Stadt sollte für den Erbauer Andrew Ryan die Verwirklichung seines Traumes sein - und entwickelte sich zu einem Albtraum. Durch die Isolation von der realen Welt" und der Überheblichkeit der Einwohner siegte das blanke Chaos und Entsetzen über der Vernunft: Es entwickelten sich kriminelle Machenschaften, Menschen wurden in Experimenten gequält, kleine Kinder wurden misshandelt und getötet .. kurz gesagt: der blanke Horror. Jahre später stürzt ein Passagierflugzeug irgendwo über dem Meer ab und alle Insassen kommen dabei ums leben - außer man selbst. Geschockt rettet man sich aus der brennenden Unfallstelle und schwimmt in Richtung eines Leuchtturms. Leider findet man dort keine Menschenseele - dafür eine Tauchkapsel, die einen schnurstracks in die Tiefen des Meeres führt, direkt in die Höhle des Löwen - direkt nach Rapture...
Bioshock" wurde im Vorfeld mit vielen Lorbeeren überschüttet, als die ersten Screenshots und Videos aufgetaucht sind und pünktlich zum Release rollte man auch im Fernsehen mit richtigen coolen Spots die Werbetrommel, wie man es momentan kaum bei einem anderen Spiel (abgesehen von den vielen Nintendo Wii-Spots) zu sehen bekommt. Doch ist es das auch wert? JAAAA!!!! Das Spiel ist - um es in einem Wort auszudrücken - ein Hammer. Das Szenario und das Design sind einzigartig und waren so bisher in keinem Ego-Shooter zu sehen. Man fühlt sich beim durchqueren der Stadtteile wirklich in die Vergangenheit versetzt und dort treffen das wunderbare Dekor auf die furchtbaren Eindrücke, die man zu Gesicht bekommt, aufeinander. Menschen, darunter auch viele Kinder, liegen tot am Boden und zucken noch leicht vor sich hin, Blutspuren verlaufen auf dem Boden entlang, mit Blut geschriebene Sätze stehen an den Wänden. Nein, das Spiel ist sicherlich nichts für Kinder!! Hinzu kommt die düstere Ausleuchtung, die klasse Soundkulisse (inkl. vieler alter Songs - passend zu der Zeit - wie etwa Beyond the Sea"), die SEHR gute deutsche Sprachausgabe und die düstere Handlung, die sich zu einem atmosphärischen Ganzen verbinden, die seinesgleichen sucht. Neben den normalen Waffen wie etwa Schrotflinte und Armbrust bekommt man durch Plasmide, die man sich injiziert, besondere Fähigkeiten. So kann am etwa Blitze schleudern, um z.B. sich in Wasser befindliche Gegner zu schmoren oder Feuer werfen. Diese dienen natürlich primär zur Feindabwehr, werden aber auch für kleinere Rätsel benötigt wenn man etwa einem defekten Türschalter einen Stromschlag versetzen muss oder via Feuer eine vereiste Tür vom Eis befreit. Die erforderlichen Plasmide kann man sich an Automaten kaufen - aber nicht für Euros, sondern für Adam. Und dieses bekommt man von kleinen Mädchen, den sog. Little Sistern. Diese laufen durch Rapture und suchen sich Leichen, um das Adam aus diesen auszusaugen". Doch leider ist das Beschaffen des Adams von ihnen nicht so leicht, wie einem Kind einen Lutscher wegzunehmen. Denn die Little Sisters werden von den Big Daddys beschützt. Und diese sind alles andere als leicht zu knacken und besonders zu Anfang eine richtige Herausforderung. Hat man es jedoch geschafft, so wird man vor eine schwierige Wahl gestellt: Will man das Mädchen ausschlachten und damit umbringen, um an viel Adam zu kommen? Oder man rettet man es, muss aber dafür auf einen Teil verzichten? So oder so steht aber erst der Kampf mit dem Big Daddy an. Und um gegen diesen Bestehen zu können, (wie auch gegen die anderen Gegner) kann man sich nicht nur mit Plasmiden bestücken, sondern auch Lebensenergie, Munition und andere nützliche Utensilien an unterschiedlichen Automaten kaufen. Um Geld zu sparen, kann man diese Automaten hacken und absolviert dabei ein (wie ich finde ziemlich cooles) Minispiel, bei denen man Platten schnellstmöglich austauschen muss, um einen Stromfluss zu ermöglichen - klingt evtl. kompliziert, ist es aber (abgesehen von der Hektik) nicht. Selbstverständlich kosten die Waren immer noch Geld - und dieses findet man bei Leichen, in Kisten oder in Schubläden. Und da kommen wir gleich zum nächsten coolen Gimmick des Spiels: Man kann die Umgebung in allen Ecken in Enden absuchen und wird dafür - ganz im Gegensatz zu manch anderem Spiel - auch belohnt. Überall findet man Munition und allerlei nützliche Sachen, die einem (wenn man streng von einem Missionspunkt zum anderen rennt) sonst verwehrt geblieben wären. Vorangetrieben wird man durch eine sehr interessante Hintergrundgeschichte, die durch Audio-Tagebücher (diese findet man ebenfalls in der Umgebung) und den Funkdurchsagen vorangetrieben wird. Denn obwohl man sich alleine durch Rapture kämpft, ist man es nicht: Stets hat man einen Bewohner namens Atlas im Ohr, der einem Tipps zum Überleben gibt und sagt, was man als nächstes zu tun hat. Er bittet einen, nach seiner Familie zu schauen, die in einer Tauchkapsel eingesperrt ist und bietet als Gegenleistung seine Hilfe an. Diese richtet sich natürlich gegen den großmächtigen Andrew Ryan, weshalb dieser sich auch öfters zu Wort meldet und die Handlungen des Spielers verhindern will. Die Story weiß im Laufe des Spiels noch mit einigen überraschenden Wendungen zu begeistern, sodass die Handlung weitaus ausgefallener und tiefgründiger als bei vielen anderen Spielen ist.
Es gibt jedoch auch einige Dinge am Spiel, die mir nicht so gefallen: Bei dem Hack-Minispiel kommt es vor, dass man dieses nicht gewinnen kann, da durch defekte Platten (unabhängig vom Weg) kein Weg ans Ziel möglich ist - natürlich ärgerlich. Zum Glück muss man aber einfach das Spiel (am selben Automaten) wiederholen und die Anordnung der Platten ändert sich wieder. Des Weiteren ist die Sprachausgabe wirklich ausgezeichnet (besonders die Stimmen von Atlas und Ryan sind sehr gelungen), jedoch wiederholen sich die Stimmen und Sprüche der Gegner sehr oft, weshalb ihnen dadurch die Individualität verloren geht. Besonders hervorstechend ist etwa die Synchronarbeit von Kai Taschner, der u.a. den Moderator im Quiz You don't know Jack 2-4" oder den Killer in den Scream"- Filmen vertont hat. Nichts gegen ihn, aber so langsam höre ich diese Stimme etwas zu oft, gerade wenn viele der Gegner in diesem Spiel seine bekommen. Außerdem finde ich, dass das Spiel gegen Ende hin etwas in die Länge gezogen wirkt. Und woran ich mich wohl nie bei einem Spiel gewöhnen werde ist, dass das Inventar sehr begrenzt ist. Dass man nur eine gewisse Menge an Munition aufnehmen kann, ist noch zu verschmerzen, aber warum gilt das auch für Utensilien zum basteln von neuen Gegenständen, den Verbandskästen und dem vor allem dem Geld?! Öfters kaufte ich mir unnötigerweise" etwas am Automaten, nur weil ich nicht mehr Kleingeld aufnehmen konnte. Das ist jedoch eine Eigenart, welche leider bei Spielen normal ist.
Bioshock ist ein audiovisuelles Glanzstück - daran können auch die eben erwähnten negativen Kleinigkeiten nicht viel ändern. Die Technik ist TOP und die Atmosphäre erstklassig, die Handlung spannend und das düstere Ambiente vorbildlich. Es macht nicht den Fehler wie andere Shooter und baut immer wieder ruhige Momente ohne Gegneraufkommen ein, um an der Spannungskurve zu drehen. Zudem wartet es mit einigen der eindringlichsten Szenen der Videospielgeschichte auf, die man (im positiven Sinne) so leicht nicht vergessen wird. Und trotz der Gewalt wirkt diese nie übertrieben drastisch dargestellt, da diese die dunkle Atmosphäre unterstreicht anstatt in einer Splatterorgie zu Enden. Ein 1a Spiel, das man sich als Xbox 360-Besitzer nicht entgehen lassen sollte!
PS: Und noch ein paar Sätze zu den Versionen: Das Spiel gibt es in drei Ausführungen: in einer normalen DVD- Hülle, im Steelbook und in einer ziemlich schicken Collector's Box mit Big Daddy-Figur. Weiterhin existiert eine geschnittene (das ist diese hier) und eine ungeschnittene Fassung. Erfreulicherweise sind die Schnitte der deutschen Fassung wohl nicht so erheblich wie etwa bei The Darkness", wo die Atmosphäre doch merklich zu leiden hat. Dennoch rate ich Spielern dazu, zur ungeschnittenen Fassung zu greifen.