Ich kannte Taj Mahal bislang nur vom Rock'n'Roll Circus der Rolling Stones (fand ich okay) und von ihrem Duett mit Corinna, Corinna auf der "No Security" (fand ich eher so la la), dachte mir, ich führe mir zum Kennenlernen mal sein Debütalbum (erschienen 1968) zu Gemüte - und war angenehm überrascht! Nicht zuletzt darüber, wie viele meiner Lieblingsbands dieses Album offenbar bereits lange vor mir gehört haben!
Z.B. Sleepy John Estes' Statesboro Blues: ich fresse einen Besen, wenn Taj Mahals Arrangement dieses Songs nicht bei der Live-Version der Allman Brothers auf "At Fillmore East" Pate gestanden hat! Checkin' up on my Baby tauchte u.a. (in der '92er Einspielung mit den Red Devils) auf Mick Jaggers "Best of"-CD (2007) wieder auf, und Everybody's got to change sometimes kannte ich schon ewig als Everybody oughta make a Change von Eric Claptons "Money and Cigarettes" ('83) - in einem ziemlich verwandten Arrangement! Robert Johnsons Dust my Broom haben neben vielen anderen auch Canned Heat und ZZ TOP gecovert, und beim Hören von Sleepy John Estes' Duck Diving Blues wird einem sofort klar, wo Al Wilson sich ein, zwei Strophen für seinen Canned Heat-Klassiker Going up the Country "geborgt" hat! Den Abschluss bildet das neunminütige The celebrated Walkin' Blues - ich vermute, Taj hat hier versucht, durch Umbenennen und -arrangieren die Tantiemen dieses Robert Johnson-Titels (kannte ich z.B. von Eric Claptons "Unplugged"-CD) seinem Konto zuzuführen. Hier läßt Taj Mahal neben seiner Bluesharp eine klasse Slidegitarre hören, und Ry Cooders Mandolinenspiel nimmt stilistisch seine Mandolinenarbeit auf Love in vain, erschienen auf "Let it bleed" von den Rolling Stones ('69) vorweg.
Taj Mahals einzige Eigenkomposition, E Z Rider, ist auch die einzige, die das klassische Blues-Schema verlässt - und zeigt in einer Nebenzeile, dass er gesanglich Howlin' Wolf klasse imitieren kann!
Die bekanntesten Mitmusiker sind Ry Cooder, der erstaunlicherweise (neben etwas Mandoline) fast ausschließlich Rhythmusgitarre spielt, und Jesse Ed Davies, der fast sämtliche Soli (sowie etwas Piano) spielt. Die beiden Schlagzeuger Sanford (Sandy) Konikoff und Chris Blackwell kannte ich bereits von Joe Cockers "Mad Dogs & Englishmen"-Entourage.
Taj Mahal legt Wert darauf, dass für die CD-Auflage erstmals wieder das Original-Cover verwendet wurde; die Vögel, die im Laufe der Jahre ohne sein Wissen oder Zutun hinzugefügt wurden, sind nur auf der Rückseite des Booklets mit abgedruckt.
Zum Sound: das Schlagzeug ist durchgehend nach links gemischt, die Gitarren fast ausschließlich nach rechts, Gesang, Bass, Piano und Harp liegen in der Mitte. Schönes Mastering, klasse Klang, wenn man bedenkt, dass die Aufnahmen im August '67 stattfanden (der Bass ist klar definiert und druckvoll) - schade nur, dass man bei 33 Minuten Laufzeit keine Outtakes ausgegraben hat! Hier trifft zu, was Rod Stewart in leichter Selbstüberschätzung im Titel seines vierten Soloalbums behauptet hat: es kommt keinen Moment lang Langeweile auf, das Album ist spannend und abwechslungsreich, und ich finde es viel gelungener und überzeugender als z.B. Johnny Winters CBS-Debüt ein Jahr später.