Die im Jahr 1949 gegründete "Gemeinschaft von Taizé" ist eine evangelische Ordensgründung, bei der die Versöhnung im Mittelpunkt des Wirkens steht und Mittel irdischer Genügsamkeit die Öffnung des Blickes auf die Wahrheit des Lebens erleichtern. Die göttliche Botschaft benötigt keine geldwerten Reichtümer. Ein Teil der Brüder des Männerordens ist in der ganzen Welt verstreut Allein in Taizé (Frankreich) treffen sich jährlich rund über 200.000 Besucher aus verschiedenen Ländern und Religionen, aber auch Konfessionslose, Suchende und Zweifelnde gehören zu den Besuchern. Vor allem handelt es sich um eine Begegnung von Jugendlichen, jedoch wird auch Erwachsenen über 30 J. und Familien mit Kindern getrennt in der Nähe Programm und Aufenthalt geboten. Die Besucher wechseln im wöchentlichen Turnus. In verschiedenen Ländern werden auch besondere Treffs veranstaltet mit jeweils über rund 100.000 Teilnehmern.
An der vorliegenden Aufnahme haben sich, wie dem Booklet entnommen werden kann, vierzig Jugendliche aus zehn Ländern beteiligt. Die Gesänge (Gebete) von Taizé zeugen von der überwältigenden Kraft und Schönheit des Glaubens jedes Einzelnen, eingedenk der Tatsache, dass die Schöpfung auf die Schaffung von Individualität ausgerichtet ist, denn jeder Mensch verfügt über eine unverwechselbares "Ich". Und doch hat die Feier in der Gemeinschaft eine verbindende Kraft, losgelöst von allen weltlichen Problemen wie überhaupt frei von jedweden Zwängen, auch ganz unabhängig von vielfältigen religiösen Reglements.
Die Gemeinschaft von Taizé ist der Beweis, dass die Überzeugung durch selbständige Erfahrung, beruhend auf der inneren Freiheit des Menschen, am tiefsten und nachhaltigsten gewonnen werden kann, ganz ohne Scheuklappen. Es scheint, als ob man aus einer göttlichen Quelle der Erkenntnis schöpft und das zurückgibt, was man von Gott empfangen hat. Den Atem von Liebe und Versöhnung durch Beten und Singen in der Gemeinschaft verspürt man ganz unmittelbar, wobei Klarheit und Reinheit der Gedanken in der Schlichtheit der Melodie überzeugend Ausdruck finden. Es sind Gedanken, die vor allem Dankbarkeit, Zufriedenheit und Vertrauen des Menschen widerspiegeln.
Der elfte Gesang (in deutscher Sprache) bewegt mich immer wieder im Besonderen aufgrund der Botschaft eines großen Menschen in der schwersten Krise seines Lebens. Es sind, wie es im Booklet heißt, die Worte des 1945 von den "Nazis" hingerichteten evangelischen Pfarrers und Theologen Dietrich Bonhoeffer, die mit leichten Kürzungen dem schriftlichen Nachlass aus der Haft "Widerstand und Ergebung" entnommen wurden: "Gott lass meine Gedanken sich sammeln zu dir. Bei dir ist das Licht. Du vergisst mich nicht. Bei dir ist die Hilfe, bei dir ist die Geduld. Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich".