Kurzbeschreibung
In dem Buch werden alle Bewegungen der Taijiform in ihre Grundelemente Schritt setzen, Gewicht verlagern, und Drehung zerlegt. So hat etwa die Peitsche zehn und der Kranich drei solcher Grundelemente. Zu jedem dieser Grundelemente gibt es ein farbiges Bewegungsphoto, auf dem durch Doppelbelichtung der Ablauf dieser Veränderung gut zu erkennen ist. Dazu findest Du ein Photo aus der Perspektive des Lernenden auf seinen Lehrer, das Dir das Nachmachen der Bewegung erleichtert. In einer abgesetzten Farbe kann der interessierte Leser dann eine detaillierte Beschreibung der Arm- und Bein Bewegungen finden. Nochmals farblich getrennt sind auch die häufig gemachten Fehler nachzulesen und wiederum in eigenen Textblöcken Kommentare zu Gesundheit, Kampfkunst, oder Philosophie sowie Übungen, die den Inhalt dieser Choreographiestelle verständlich machen. Dem Buch beigelegt ist eine CD auf der der Ablauf der Form drei Mal aufgesprochen ist. Ein Mal sehr langsam, mit Stops und viel Erklärungen für den Lernenden und zwei Mal in unterschiedlichem Tempo und unterschiedlich viel Begleittext für den Übenden. Zusammengenommen bietet das Buch einen Schatz an Wissen zu der Cheng Man Qing Form der sowohl dem Anfänger einen ästhetischen und leicht verständlichen Einstieg ermöglicht, wie dem Fortgeschrittenen oder Lehrer eine Wissenstiefe wie sie sonst in Buchform nicht zu haben war.
300 Seiten, 1500 Graphiken und Photos, durchgehend 4 Farbig mit Audio CD. Ein Schatz an Anregungen und Lernwegen zur Zheng Man Qing Form. Ästhetisch und angenehm zugänglich für den Anfänger lässt sich das Buch gut als Lernbegleitung zur Taijiform verwenden. Tiefgründig und in sich schlüssig dient es als Übungs- Anregungs- oder Nachschlagebuch für den Fortgeschrittenen oder Lehrer. Auch Spieler anderer Taijiformen haben sich schon von diesem Buch anregen lassen. Sowohl die Photos, wie die Graphiken, wie der klar strukturierte Text sind ein Novum in der Darstellung von Taiji in Buchform. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Der Verlag über das Buch
Klappentext
Über den Autor
Auszug aus Tai Chi verstehen, m. Audio-CD von Daniel Grolle-Moscovici, Daniel Grolle- Moscovici. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Seit meinen Kindertagen habe
ich meine Großtante Christel Proksch, ihren Mann und die ganze Familie sehr bewundert. Eine Familie voller Geschichten und Abenteuer. Als Christel schließlich unter dramatischen Umständen nach Asien verschwand und ebenso dramatisch wieder auftauchte, besuchte sie uns und brachte den Zauber einer Taij-Form zu uns ins Wohnzimmer. Als sie dann sogar begann dieses Taiji in Hamburg zu unterrichten, schloss ich mich dieser Taiji-Gruppe an. Ich war restlos begeistert für Christel und nahm das Taiji anfangs eher so hin. Weder hatte ich eine besondere Begeisterung für die seltsamen Bewegungen noch ein wirkliches Talent dazu. Christels Einfühlungsvermögen und ihre Geduld schufen die Bedingungen, die ich brauchte, um dabei zu bleiben. Jahre später bat mich eine unterrichtende Schülerin von Christel, ihre Schule für eine Weile zu übernehmen. Ich versuchte abzulehnen, wurde aber doch zum Taijilehrer wider Willen.
Zu dieser Zeit war ich Schriftsteller mit Hingabe und Erfolg und spielte das Taiji nur so nebenbei. Tatsächlich aber zog sich das Schreiben aus meinem Leben zurück, während mir die Taijischüler zuliefen. Je mehr ich Taiji spielte und unterrichtete, umso mehr wuchs mir das Taiji ans Herz.
Damals war das Taiji in Deutschland noch jung, und über Christel hatte ich die Faszination für Laotse geerbt. Außderdem gab es die ersten Übersetzungen der klassischen Taijitexte. Mit diesen Schriften in Händen versuchten mein Freund Wilhelm Mertens und ich über Jahre in den Parks der Stadt ein tieferes Verständnis des Taiji zu erforschen. Wie entdeckt man den Energiefluss einer Mechanik, wie die Feinheit ihres Ablaufes und ihre innere Schönheit? Für mich ist das Push hand oder die Partnerübungen der Schlüssel zu einem eigenständigen Verständniss des Taiji, der Ernergiearbeit und der Meditation. Jeder ist an sich selbst so gewöhnt, dass er sich selbst nicht mehr klar wahrnehmen kann. Er verwechselt das Normale, Gewohnte mit dem Natürlichen. Bei einem Partner kann ich eine Verspannung, eine Disbalance oder Unstimmigkeit klar erkennen und der bei mir. So wird mir der andere zum Spiegel. Ich lerne im Außen mein Innen zu erkennen. In dem ich Dich Kennenlerne kenne ich mich. Die Begegnung zwischen dir und mir schult mich für die Begegnung der verschiedenen Ebenen meines Selbst in mir.
Nun ist Taiji eine alte Kampfkunst, die dafür entwickelt wurde, im schlimmstenfalls tödlichen Kampf zu überleben. Vieles von dieser Atmosphäre haftet auch dem heutigen Taiji noch an. Der Taijispieler lernt den anderen von innen zu kennen und sich selbst zu verbergen. Er lernt die Energie des anderen kennen, um sie zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen. Ginge es immer noch um einen tödlichen Kampf, würden diese Dinge auch heute noch wichtig sein. Da aber weder ich noch hoffentlich irgendeiner von meinen Lesern einem solchen Kampf ausgesetzt ist, wäre es ein Irrtum, sich mit so viel Hingabe auf etwas vorzubereiten, das es zum Glück nicht mehr gibt. Heute geht es viel mehr darum, mich und dich in unserem Wesen zu erkennen, damit ein friedliches und fruchtbares Miteinander möglich ist. Dafür sind die alten Taiji-Tugenden der Verstellung und des genutzten Vorteils Gift. Was es braucht, ist Offenheit und Begegnung statt Täuschen und Verbergen. Die Techniken des Taiji allerdings sind!
dieselben. Die unglaublich wirkungsvollen Qualitäten des Taij lassen sich ebenso zur Enttarnung und Offenheit nutzen. Das Besondere am Taiji ist seine mechanische Überprüfbarkeit. Ich kann Qualitäten wie Erdung und Verbindung, wie Aufrichtung und Klarheit in der Richtung, das Entstehen und Wirken von Vorstellung und Wirken ganz klar mechanisch erkennen und üben, um sie von dort ins Mentale, Psychische und Energetische zu übertragen. Die Begegnung der verschiedenen Ebenen des Selbst in der Meditation werden zu einer Begegnung von zwei Partnern, die einander erkennen und ihr gemeinsames Bestes anstreben. Die lebendige Begegnung von Yin und Yang wird dir zu einem lebbaren Teil deines
Alltags.
Dieses Taiji-Verständnis wiederspricht vielem, was sonst über das Taiji zu finden ist.
Aber auch große Taiji-Meister haben verschiedene Auffassungen über ganz fundamentale Dinge im Taiji. Einmal habe ich an zwei Wochenenden hintereinander bei zwei verschiedenen Taiji-Meistern gelernt. Inhalt des ersten Wochenendes war es, dass die Energie für den Push beim Taijiquan aus dem hinteren und nur aus dem hinteren Bein kommt. Das Wochenende darauf lernte ich, dass ausschließlich das vordere Bein die Energie für den Push beim Taijiquan erzeugt und dass alles andere falsch, ja geradezu ketzerisch sei.
Inzwischen ist mein Taijiquan gewachsen. Ich habe ein besseres Verständnis anderer Taiji-Systeme, damit aber schließlich auch eine Wertschätzung für meinen eigenen Taiji-Weg gewonnen.
Das eine ist, die verborgenen Schätze des Taiji zu entdecken, etwas anderes, diese Schätze im Alltag und im Leben heimisch zu machen. Das Werkzeug dafür ist die Taij-Form.
Wenn ich heute einer Gruppe die Taiji-Form beibringe, dann dauert das um die vier Jahre. Das erste halbe Jahr geht es hauptsächlich um Grundqualitäten wie Stehen, Ge-hen, Berühren, Spüren, Entspannen und Aufrichten. Erst wenn eine gewisse Vertrautheit mit diesen Dingen besteht, führe ich meine Schüler vorsichtig an die Taiji-Form heranund stelle immer wieder aufs Neue fest, dass es wesentlich schwieriger ist, in der Taiji-Form Taiji-Prinzipien zu verwirklichen, als wenn ich auf die Form verzichte. Zugleich ist die Taiji-Form aber ein Rahmen, in dem dieser schwierige Prozess der Verinnerlichung stattfinden kann. Hätte ich keine Form, würde das Taijiquan formlos werden und verflachen. Reiner Inhalt ohne Form lässt sich nicht bewahren, er zerfließt und verliert sich.
Also muss es darum gehen, die Taiji-Form in einer Weise zu unterrichten, dass die Form gewahrt, der Inhalt aber nicht gefährdet wird. Es geht um eine Balance von Strenge und Lebendigkeit, von Verlässlichkeit und Entdeckerfreuden.
Der Entdeckerfreude und Lebendigkeit gehört meine Liebe, da zieht es mich hin, da fühle ich mich wohl. Um den anderen Teil muss ich mich eher bemühen, und ich weiß von mir selbst, dass, wenn ich diesem Teil nicht genügend Aufmerksamkeit widme, mein Taijiquan zu einem Strohfeuer wird. Heute begeistert, morgen vergessen.
Zu der Strenge der Form gehört ganz zu Beginn schlicht und ergreifend der Ablauf der Form: die Choreographie. Die Choreographie besteht zunächst aus dem, was man sehen kann: Der Körper steht nach vorne gewandt, die Arme sind vor der Brust gekreuzt....
Dann geht es um die Koordination der verschiedenen Bewegungsebenen zueinander, die schon unendlich viel komplexer sind als die reine äußere Bewegung, und schließlich geht es um die unsichtbar verborgenen Bewegungs- oder Seinsqualitäten, die im Rahmen dieser Bewegungen geübt werden. Die äußere Bewegung aller möglichen verschieden Taiji-Formen ist mehr oder weniger genau in vielen Taiji-Büchern beschrieben.
Nun ist in meinem Unterricht mit den Jahren ein ganz bestimmtes Vermittlungsverfahren für die Choreographie entstanden. Wenn ich ein neues Bild der Form vorstelle, z.B. den Schulterstoß, dann üben wir zuerst den verborgenen Inhalt der Bewegung. Das ist in diesem Fall das Wahrnehmen und Achten vom Schwerpunkt des anderen. Damit habe ich einen Schlüssel für ein Distanz- und Nähegefühl zwischen dir und mir und kann schließlich bewusster, sicherer und gesünder mit meinem eigenen Raum umgehen. Wenn dann diese Qualität für meine Schüler erkennbar ist, würde ich ihnen als Nächstes den Schulterstoß zeigen und wie geeignet diese Bewegung ist, um damit den eben erfahrenen Inhalt zu üben, zu wiederholen und schließlich ganz in sich aufzunehmen.
Anschließend zeige ich meinen Schülern die Choreographie des Schulterstoßes und zwar so, dass sie sich, nach kurzem gemeinsamen Üben mit mir, die Bewegung in Zweiergruppen gegenseitig beibringen können. Dazu brauchen meine Schüler ein logisch aufgebautes, leicht überprüfbares System, anhand dessen selbst jemand, der mit der Materie nicht allzu vertraut ist, trotzdem die Form sicher und richtig üben kann. Die mechanisch korrekte Ausführung der Bewegung ist die Voraussetzung dafür, dass ein Inhalt transportiert und geübt werden kann. Stell dir vor, du willst deinen Garten bewässern und verlegst Wasserschläuche durch den Garten, damit das Wasser später darinnen zu den Blumen fließen kann. Da reicht es leider nicht aus, die Schläuche gut in die Reihe zu legen sie müssen in der richtigen Weise verbunden werden und erst, wenn vom Hahn bis zur Spritze alle Verbindungen geschlossen sind und alle Blockaden gelöst sind, kann das Wasser dann allerdings mühelos seinen Weg zur Pflanze finden.
In den letzten Jahren ist in meinem Unterricht eine Art Bedienungsanleitung für die Choreographie der Taiji-Form entstanden. Mit ihrer Hilfe kannst du den mechanischen Anteil des Taijiquan richtig montieren, um den energetischen damit überhaupt erst zu ermöglichen. Diese Bedienungsanleitung ist, angesichts dessen, was sie leisten soll, vergleichsweise einfach und übersichtlich allerdings recht trocken und detailreich, wenn man diese Anleitung nun aus dem Unterricht löst und in ein Buch packt. Die Soße zu dieser hochwertigen, aber trockenen Speise sollen die Übungen und Kommentare sein, die teilweise so reichlich untergemengt sind, dass man von einem Soßen-Gericht sprechen könnte.
Für die Schüler, die beständig bei mir lernen, kann das Buch eine Art Nachschlagewerk sein, eine Erinnerungsstütze oder eine Trophäe, die den Umfang des Gelernten belegt.
Für Schüler, die ernsthaft an der Form arbeiten wollen und nicht jede Woche bei mir nachfragen können, wird der Text eine gute Lernhilfe sein. Für Taiji-Lehrer der Zheng-Man-Qing-Form wird es eine Unterrichtshilfe und eine Möglichkeit zur Selbstüberprüfung bieten. Für Taiji-Lehrer aus anderen Schulen oder auch nur anderen Interpretations-Linien der Zheng-Man-Qing Schule wird es vielleicht eine Reibefläche bieten, die Unterschiede verdeutlicht und Eigenheiten erkennbar macht.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.