Taipan ist ein grosser Abenteuerroman, der die Geschichte und Entstehung Hongkongs thematisisert. Hongkong, strategisch günstig gelegen, fällt den Briten nach dem Opiumkrieg zu und wird zu einer Handelsstation ausgebaut. Von Hongkong aus ist das Reich der Mitte hervorragend zu erschliessen (und auszubeuten). Die Handelshäuser Struan und Gront machen sich daran, Hongkong auf- und auszubauen und als Tor nach China zu manifestieren. Eine besondere Rolle spielt dabei der Schotte Struan, der die Bedeutung Hongkongs für sich und das britische Empire frühzeitig erkennt. Er ist der Typ Machtmensch, der für seine Ziele über Leichen geht und dessen Wirken wie im richtigen Leben trotz aller egoistischen und unmoralischen Züge auch positive Effekte aufweist. Sein unsympathischer Gegenpart ist Tyler Brock, Überseekaufmann wie Struan selbst, der nur eigenen Regeln und eigener Logik folgt und sich keiner Macht unterordnet oder integriert. Garniert wird die Geschichte mit allerlei Nebenpersonen und Nebenschauplätzen, die Dichte vermitteln und das Werk zu einem wahren Epos machen.
Clavell schafft es, uns die Geschichte Hongkongs nahezubringen und die Expansionsansprüche Grossbritanniens spannend und in romanform aufzuzeigen. Gleichzeitig zeichnet er uns ein Bild von Asiaten auf, die uns in ihrem Verhalten und Handeln fremd sind und auch bleiben werden, ohne dabei eine (geringschätzige) Wertung wie in anderen Werken dieser Art vorzunehmen. Die von ihm beschriebenen Persönlichkeitsstrukturen eines Machtmenschen lassen vergleiche zu den heutigen grossen Managern erkennen. Ein hervorragender Abenteuerroman mit komplexer Handlung, hervorragend gezeichneten Akteuren und einer logischen Handlung, die an einigen Stellen sicherlich auch geschichtlichen Überprüfungen standhalten würde. Lesenswert.