Jesse Liberty scheint sich selbst die Aufgabe vorgenommen zu haben, die eierlegende Wollmilchsau zu erschaffen, und ist auf hohem Niveau gescheitert.
C++ in 21 Tagen soll ein Buch darstellen, das Anfänger in abgeschlossenen Schritten an das Thema C++ heranführt. DAS schafft er mit diesem Buch sicherlich NICHT.
Nachdem ich von Java in 21 Tagen sehr begeistert war, muß ich C++ in 21 Tagen mit umso größerer Enttäuschung betrachten.
Bereits zu Beginn des Buches stellte ich fest, daß ich ohne Java in 21 Tagen hier kein einziges Wort verstanden hätte. Der Autor, der sich augenscheinlich viel vorgenommen hat, forciert bereits zu Anfang das Tempo, und hält es das ganze Buch. Ausführliche Vorerklärungen sucht man hier vergebens, meist ersetzt im Buch ein Codefragment eine solide Erklärung. Dazu müßte man bloß leider schon in einem Maße mit dem Thema vertraut sein, das hier nicht vorrausgesetzt werden darf. Auffallend ist die schlechte Strukturierung des Buches in der 2ten Woche. Anstatt Arrays, Objekte und ähnliche grundlegende Sachverhalte zu Beginn einzuführen, und weiterführende Themen später zu behandeln, scheint sich der Autor daran zu erfreuen ein Thema immer in fast all seiner Komplexität einzuführen, und die Grundlagen kommen zu kurz. Arrays z.B. sind so weit hinten im Buch gelandet - weit hinter Zeigern - damit der Autor gleich alle möglichen Speicherkunststückchen mit ihnen vorführen kann. Während ein Umsteiger mit Erfahrung in anderen Programmiersprachen solche Basiselemente selbst simpelster Programme zu Anfang erwartet, darf er sich hier zuerst mit den - doch ziemlich komplexen - Zeigern herumschlagen. Eine gute Begründung fehlt hier, denn zu diesem Zeitpunkt kann selbst der Autor nicht besonders griffige Verwendungsbeispiele finden. An den Beispielen scheint es ja auch öfter zu kranken: Früh wird als Beispiel das Auslesen eines Buffers angegeben. Der Begriff Buffer wird nicht angegeben usw. Später weicht der Autor völlig vom Thema ab, als er in einem Einsteigerbuch zur Erlernung einer Programmiersprache plötzlich beginnt, selbstdefinierte Datenstrukturen (z.B. verkettete Listen) einzuführen, die ja gar nicht zum Lieferumfang gängiger C++-Versionen gehören, und normalerweise in ein separates Buch wie Sedgewick's Algorithmen in C++ gehören. Auch penetrant ist die schnell fortschreitende Code-Optimierung im Buch. Dem Leser werden gleich nach der ersten Version eines Listings fortgeschrittene Lösungen, manchmal auch auf Expertenniveau gezeigt, nur um dann wieder verworfen zu werden. Setzen sie dies ein, probieren sie das, dann sind wieder ein paar Seiten mit Themaverfehlung vergeudet, weil die vorgestellten Verfahren gemieden werden sollten!!
Jesse Liberty beschreitet hier grundsätzlich den falschen Weg. Die Bemühungen eines professionellen Programmierers sind hier klar erkennbar, gleichzeitig ist der didaktische Wert vergleichsweise gering. Für Anfänger und Umsteiger ist dieses Buch ungeeignet, es bietet einen steilen Einstieg und eine steile Lernkurve, nur um panisch das Ziel zu erreichen, einen gewaltigen Batzen C++-Funktionalität in 21 Tagen bereitzustellen. Die Kapitel sind langatmig, ja für kompakte Lerneinheiten einfach zu lang, und trotzdem von Miniabschnitten geprägt, die alle einer längeren Betrachtung bedürften. Das Buch ist ehrgeizig, aber nicht das, was der Titel verspricht.. es mag möglich sein, C++ in 21 Tagen damit zu lernen, aber in der zweiten Woche hängt man 20 Tage davon .. Gerade die unglückliche Strukturierung des Mittelteils macht jeglichen Fahrplan zunichte, die ersten Tagen überspringt man und dann bleibt man stecken. Dieses Buch hat sicherlich Anerkennung verdient. Den Titel aber nicht. Solche hochtrabenden Versprechungen nicht einzulösen ist schon eine heikle Blamage.