Dieses Buch, so bescheiden es daherkommt, beschäftigt sich mit einem der wichtigsten Themen unseres Lebens, dem Tod!
Wie gehen wir in unserer Gesellschaft damit um? Was heißt es, in menschlicher Würde zu sterben?
Ohne Tod gäbe es wohl wenig Streben in unserem Leben. Der Tod ein Motivator, aktiv zu sein - zu leben!
Auf der anderen Seite möchte wir aber nicht mit ihm konfrontiert werden, wir haben Angst vor Sterbenden und vor dem Sterben.
Zu unrecht, wie uns dieses Buch lehrt. Wir dürfen uns diesem Thema behutsam nähern, in dem wir dem Koch Ruprecht Schmidt bei seiner Arbeit im Hospiz Leuchtfeuer und bei seinen Menü- und Gedankengängen folgen. Er wird uns keine abschließenden Antworten geben oder uns die Angst vollends nehmen, aber wir werden berührt. Wir dürfen erleben, was die Zuwendung eines Hospizkoch bei den todgeweihten Bewohnern entfachen kann. Wie die Sinne, selbst am Lebensabend, betört werden können, teils durch kulinarische Genüsse oder, wenn gewünscht, auch durch einfache Hausmannskost. Eine Art von Liebe und Zuwendung die nahezu alle Sinne anspricht und genussvoll auf dem Gaumen zergehen darf. Bekocht zu werden, heißt, Zuwendung zu bekommen! "Essen heißt, ich lebe noch!" Essen heißt auch, sich zu erinnern, an ein schönes Mahl oder Gericht aus der Kindheit, Jugend oder dem Erwachsenenalter! Glückliche Momente werden noch einmal durchlebt. Ich hätte nie gedacht, dass Essen, neben der empathischen Zuwendung durch Angehörige, Pflege und Physiotherapeuten, am Lebensende eine so große Bedeutung einnehmen kann. Da ist jedem Hospiz und Sterbendem ein Ruprecht Schmidt gewünscht!
Dörte Schipper gelingt in ihrem Buch aber noch mehr, als uns dem Thema Tod und Sterben behutsam näher zu bringen. Ihr gelingt es, über das Einflechten der Lebensgeschichten, Anektoden und Gedanken der Hospizbewohner, dass wir innehalten und über unser eigenes Leben beginnen, neu nachzudenken. Wie wir es gestalten, einfachen Dingen wieder mehr Bedeutung beimessen, "den Tag mehr Leben geben" können, indem wir z.B. ein Gericht von der Speisekarte von Ruprecht Schmidt einmal nachkochen und es wirklich genießen. Wie wir mit unseren Mitmenschen und Angehörigen umgehen sollten, damit wir am Ende ohne Ballast in Ruhe und mit Würde sterben dürfen.
Dörte Schipper, alle Achtung, ein Meisterstück, ein echtes Leuchtfeuer!
Ich empfehle das Buch deshalb uneingeschränkt allen Lesern und nicht nur denen aus Gesundheits- und Heilberufen! Ganz besonders möchte ich es aber auch den bald sterbenden Menschen unter uns und ihren Angehörigen ans Herz legen, um einen der wichtigsten Abschnitte des Lebens bewusster begegnen zu können. Vielleicht gibt das Buch dem einen oder anderen auch die Erkenntnis, auf eine professionelle Hilfe im Hospiz an seinem Lebensende nicht verzichten zu wollen, um Zeit für sich und für einander zu gewinnen!
Den Tagen mehr Leben geben: Über Ruprecht Schmidt, den Koch, und seine Gäste