Frohen Mutes und voller Euphorie habe ich den Reisebericht von Martin Paech erworben, da ich selbst großer Asienfan bin und gespannt war auf die Erlebnisse des "Aussteigers".
Das bei Books-On-Demand erschienene Kleinod der Reiseliteratur besticht zuerst einmal durch ein sehr apartes Äußeres und eine insgesamt sehr gelungene Aufmachung. Das Titelbild wäre um ein Haar gestochen scharf abgelichtet gewesen und Satz wie auch Heftung lassen jede Schülerzeitung erblassen.
Zu Beginn erfahren wir vom Autor, daß er seinen wichtigen Posten als Leiter der kaufmännischen Abteilung einer Aktiengesellschaft (?) für ein Jahr an den Nagel gehängt hat, um auszubrechen aus der bürgerlichen Idylle und neue Kulturen kennenzulernen. Nach anfänglichen Bedenken angesichts drohender Gefahren während und bedingt durch die Reise hat sich Herr Paech dann - dem Herrn sei Dank - doch zu seiner Expedition nach Asien entschlossen. Bei den Reiseländern handelt es sich um Singapur, Indonesien, Japan, Hongkong, Macau, China, Myanmar, Laos, Malaysia, Brunei, Philippinen und Thailand. Der Autor mit Vorliebe für Meeresgetier (sic!) aller Art berichtet in seiner kindlich naiven Erzählweise über seine Erlebnisse und fesselt den Leser durch einen gekonnten Spannungsaufbau. Eine Lektüre, die man sich nur in einem seelisch gefestigtem Zustand zu Gemüte führen sollte. In meine anfänglichen Bedenken über den Schreibstil von Martin (dieser kumpelhafte Typ erlaubt bestimmt das Du) mischte sich sehr bald Begeisterung und Faszination. Die 34826 DM teure Reise des Tausendsassas M.P. (jeder muß ihn einfach gernhaben) findet ihre Höhepunkte eindeutig im kulinarischen Bereich und bei den Liebesabenteuern. Ich zitiere: "Eine hünsche junge Chinesin, die ich an diesem Tag kennengelernt hatte, fragte mich: "Warum fährst du nicht mit dem Boot auf den See hinaus? Das ist toll!" Ich sagte: "Leider habe ich nicht so viel Geld dabei." Darauf Sie: "Kein Problem. Ich schenke dir das Geld und lade dich hiermit ein!" Das hat mich sehr gefreut. Anschließend hat Sie mich auch zum Essen eingeladen. Und dann?" Zitat Ende. Auch eine Wahl zur Schönheitskönigin und ein Besuch im Bordell waren eine gelungene Abwechslung im Reisealltag. Messerscharfe Fazits zum Ende jedes Kapitels und Reisetipps des Globetrotters Martin verleihen dem Buch eher den Status eines Reiseführers, denn eines Tatsachenromans, den jeder Armchair-Traveller sein Eigen nennen sollte. Sehr nett sind auch die Fotos eines leicht promiskuitiv angehauchten Martin Paech.
Helfen auch Sie, Martin Paech seinen größten Träum zu erfüllen. Er will die gleiche Reise exakt noch einmal unternehmen und zwar im Alter von 65 Jahren. Bitte kaufen Sie dieses Buch, damit wir auf eine Neuauflage des Tagebuch eines Aussteigers hoffen können.