Es ist wirklich traurig mit den Schätzen der Weimarer Zeit: 1933 endete die Epoche, nach dem Kriege schien sich kaum jemand für die Kultur dieser Zeit zu interessieren, hatte man doch andere Probleme und neue Stars wie Marlyn Monroe oder Peter Kraus. Persönlich halte ich die Weimarer Zeit für die fruchtbarste künstlerische Periode Deutschlands in diesem Jahrhundert. Ich bin nach jetzt mehrjähriger Suche nach Filmen dieser Zeit geradezu überwältigt über die Menge an beeindruckenden Filmen. Offenbar niemand kann mehr als Zeitzeuge Erlebnisse wie "Metropolis" oder "die freudlose Gasse" schildern, da es kaum mehr Überlebende gibt und in den letzten Jahrzehnten diese kaum jemand befragt hat.
Die Geschichte ist ähnlich dramatisch wie "die Büchse der Pandora" und zeigt die Abgründe eines Mädchenschicksales mit Erziehungsheim für junge Frauen (Louise Brooks ist für diese leicht lesbisch angehauchte Sequenz wie geschaffen), die strenge Erzieherin Valeska Gert aus G.W. Pabst`Truppe.
Die s/w Qualität ist hervorragend, man glaubt fast an zeitgenössische Fotografien. Aus diesem Film kommt die Schönheit der jugendlichen wie verdorbenen Louise Brooks fast noch mehr zur Geltung wie bei dem (damals ebenfalls ignorierten) vorigen Film von Pabst.
Es ist meiner Ansicht wenig interessant, den Film in seiner Geschichte zu verstehen, etwas wirr würde der tonfilmgewöhnte Kritiker sagen. Doch alleine die Sequenzen am Fenster und Regen (mit ihrer Helmfrisur) und die Internatsszenen mit einer anderen attraktiven Haartracht brachten ein Gesicht auf die Leinwand, das zu den schönsten der Filmgeschichte gehört.
Vergessen in den Dreißigern bis 1955, Louise Brooks gab das Filmen auf und arbeitete u.a. als Verkäuferin. Da wurde sie von Frankreich neu entdeckt, der Präsident der Cinematheque hatte plötzlich ein Faible für das dekadente Berlin der Zwanziger bekommen und suchte nach überlebenden Zeitzeugen. Heute gibt es zahlreiche Fan-Clubs des "Underground" Stars, der in den Achtziger Jahren starb.
Die Autobiographie Louise Brooks empfehle ich als Fahrstuhl in die Zwanziger Jahre (allerdings aus Sicht einer Amerikanerin, die in Berlin sich scheinbar pudelwohl trotz fehlender Anerkennung fühlte). Oder die Autobiographie Leni Riefenstahls, die damals im Berlin der Zwanziger Jahre eine junge Frau war und übrigens heute noch lebt.
Seltsam, irgendwie haben die Schilderungen von Menschen, die ihre Karriere in den Zwanziger Jahren begannen für heutige Generationen etwas fast vertrautes und nachvollziehbares.