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Tagebuch aus dem Warschauer Ghetto 1942
 
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Tagebuch aus dem Warschauer Ghetto 1942 [Taschenbuch]

Janusz Korczak , Henryk Goldszmith
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der Leser ist konfrontiert mit Korczaks Versuch, in seinem Todesjahr (1942) eine letzte Aussage über sich zu hinterlassen; mit seinen eigenen Worten: "Nicht so sehr den Versuch einer Synthese als vielmehr einen Grabstein aus Versuchen, Erfahrungen, Fehlern. Vielleicht ist das einmal, 'nach 50 Jahren' irgendjemandem von Nutzen ..." Als Bestätigung dieser Hoffnung Korczaks wird sein Tagebuch jetzt, 50 Jahre nach seiner Abfassung, erneut vorgelegt.

Autorenporträt

Janusz Korczak, 1878-1942, studierte Medizin und war als Kinderarzt und pädagogischer Schriftsteller tätig. 1942 kam er zusammen mit den Kindern aus dem Warschauer Waisenhaus, dessen Leiter er gewesen war, im Konzentrationslager Treblinka um. Posthum erhielt er 1972 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Auszug

Erster Teil

Düster, niederdrückend ist die Lektüre von Erinnerungen. Ein Künstler oder ein Gelehrter, ein Politiker oder ein Feldherr treten ins tätige Leben, erfüllt mit ehrgeizigen Plänen; das sind kräftige, angriffslustige, überlegte Regungen - eine lebendige Mobilität des Handelns. Sie bahnen sich den Weg nach oben, überwinden Hindernisse, erweitern ihren Einflußbereich und gehen, wohlerfahren und von zahlreichen Freunden umgeben, oder - was fruchtbringender und leichter ist - etappenweise ihrem Ziel entgegen. Das dauert ein Jahrzehnt, manchmal auch zwei oder drei. Und dann ... Dann kommt die Müdigkeit, dann geht es nur noch schrittweise, hartnäckig in der einmal eingeschlagenen Richtung weiter, nun auf einem bequemeren Weg, nicht mehr so eifrig und in dem schmerzlichen Bewußtsein, daß es nicht mehr ganz so leicht geht, daß alles zu wenig ist, daß es allein weit schwerer ist, daß nur noch graue Haare hinzukommen und Falten auf der früher so glatten, verwegenen Stirn, daß das Auge schwächer wird, das Blut langsamer kreist und das Gehen mühsam wird. Das - ja, das ist es, das Alter.

Der eine wehrt sich dagegen und möchte weitermachen wie bisher, sogar noch schneller und intensiver, um sein Ziel zu erreichen. Er gibt sich Täuschungen hin, widersetzt sich, lehnt sich auf und schlägt um sich. Der andere beginnt in schmerzlicher Resignation, nicht nur zu verzichten, sondern sogar sich zurückzuziehen.

"Ich kann nicht mehr. - Ich will es gar nicht erst versuchen. - Es lohnt sich nicht. - Das begreife ich nicht mehr. Wenn man mir die Urne mit den verkohlten Überresten meiner Jahre, meine in Irrtümern vergeudeten Energien, den unnütz verschleuderten Schwung früherer Kraft zurückgäbe ... l"

Neue Menschen, neue Generationen, Neues wird gebraucht. Schon regt ihn manches auf, und auch er reizt andere - die ersten Unstimmigkeiten, und dann wachsen die Mißverständnisse ständig an. Ihre Gesten, ihre Schritte, ihre Augen, ihre weißen Zähne und glatten Stirnen, wenn auch der Mund schweigt ...

Alles und alle ringsum, auch die Erde, auch du selbst und deine Sterne sagen: "Genug... Dein Abgang... Jetzt kommen wir ... Hier ist deine Grenze... "

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