Jürgen Kuczinsky war in der DDR ein großer Feuilletonist, hielt sich aber auch mit seiner Kritik an den bestehenden Verhältnissen nicht unbedingt zurück. In den 70er Jahren stand scheinbar vor dem Problem, seine Memoiren schreiben zu wollen. Ob ihm nun die Autobiographie von der Art her nicht zugesagt hat oder ob er andere Gründe hatte, diese Variante von Memoiren nicht zu benutzen, kann ich nicht sagen, auf jeden Fall hat er statt dessen die Form des Dialoges mit seinem Urenkel benutzt. Und so hat sich Kuczinsky überlegt, was ihn sein - zu dieser Zeit dreijähriger - Urenkel fragen könnte und die Antworten in dieses Buch gepackt. Dabei reichen die Fragen von recht politischen, wie: „Warum kritisierst Du die Verhältnisse [in der DDR, Anm.] dauernd, wenn Du den Sozialismus so großartig findest?" und heute noch sehr aktuellen, wie „Glaubst Du nicht, Urgroßvater, daß jeder Mensch auch in seiner Person einen Generationenunterschied verkörpert", bis hin zu persönlichen und familiären, wie „Urgroßvater, warum ist aus Dir nie was Rechtes geworden?", „Wie stehst Du eigentlich mit Deiner Familie?". Die Letzte Frage dieses Buches: „Warst Du eigentlich mit Deiner Beerdigung zufrieden, Urgroßvater?". Das Buch sprüht vor Witz, Charme und ernsthaften politischen und gesellschaftlichen Problemen. Wer es liest, will gleich noch mehr lesen und sollte sich deshalb auch gleich noch den „Fortgesetzten Dialog mit meinem Urenkel" kaufen, damit die zeitliche Lücke nicht zu groß wird. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)