Woronowocz erzählt von den furchtbaren Jahren 1958-1960 in der Prignitz, als die staatlichen Behörden systematisch versuchten, alte Strukturen zu zerstören, Bauern mit allen Mitteln in die LPG (landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften) zu zwingen, Kirchengemeinden zu zerstören, jegliche Selbständigkeit zu unterbinden. Dazu kommt noch der alltägliche Mangel an fast allem: Baumaterialien, Energie, selbst Kugelschreiberminen.
Jeden Tag wanderten die "Werber" durch das Dorf, die auf die Höfe gingen und so lange blieben, bis der Bauer sein Eigentum der LPG überschrieb. Notfalls wurde der Bauer verhaftet wegen "Nichterfüllung des Abgabesolls". Als zusätzliche Demütigung stand dann am nächsten Tag in der Zeitung, dass Bauer XY "...freiwillig den Weg vom Ich zum Wir" gefunden habe.
So mancher Landwirt hat sich das Leben genommen, noch mehr sind von ihrem angestammten Hof geflohen in den Westen.
Auf den Feldern verrotteten inzwischen Rüben, Kartoffeln, die nicht geerntet wurden, weil mal wieder Benzin für die Traktoren fehlte oder die Technik keine Ersatzteile hatte. Und in den Ställen brüllte das Vieh vor Hunger...
Der Pastor, der das anprangerte, wurde mit Steinen beworfen, der einfache Mann auf der Straße, der sich wehrte, wurde verhaftet und verschwand für Jahre im Gefängnis.
Eine dichtes Bild von dieser Zeit, von dem, was die SED den Menschen angetan hat, vom hilflosen Widerstand und später der ohnmächtigen Unterwerfung, vom faszinierenden Überlebenswillen der Menschen, die schließlich zu Improvisationskünstlern werden und immer oft eine doppelte Identität führen müssen: die öffentliche und die private.
Woronowicz beschreibt dies alles: leidenschaftlich, mitfühlend, voller Wut über das unmenschliche Regime, aber nie ohne Respekt vor dem Einzelnen.
Ein starkes Buch!