Eine Liebeserklärung an dieses Buch: es macht großen Spaß, dieses Journal von Julius Meier-Graefe zu lesen - ob man es als "Tagebuch" bezeichnen kann, darüber rätselt die Herausgeberin, Catherine Krahmer, über 10-Seiten-lang im Vorwort dazu. Manchmal sind nur Notizen zu finden, dann wieder längere Texte (seine Buchprojekte z. B.), Geldausgaben, Briefentwürfe, Termine, besuchte Theateraufführungen, eingeklebte Besetzungszettel. Privates bleibt außen vor, alles steht zwischen den Zeilen. Man lernt sehr schnell, es zu decodieren. Meier-Graefe kann sich so herrlich ärgern, bleibt aber immer diplomatisch!
Die Jahre bis zum Beginn des 1.Weltkriegs - ein ständiges Pendeln im Nachtzug zwischen Berlin, Paris und gelegentlich noch München. Meier-Graefe wird angefeindet von den nationalen Kräften der jeweiligen Länder (Deutschland und Frankreich). Es war schwierig, in dieser Zeit ein Kosmopolit zu sein. Der 1.Weltkrieg ändert dann alles. Meier-Graefe wird ausgemustert - und will es nicht akzepieren. Er darf doch noch nach Osten und gerät in russische Gefangenschaft, hier pausiert das Tagebuch. 1917 endet es.
Bleibt zu hoffen, dass der Wallstein-Verlag auch den 2.Band noch herausbringt.