"Von Tagebüchern und Trugbildern" ist im Kadmos-Verlag in der Reihe "Kaleidogramme" erschienen. Die Autorin Nicole Seifert studierte allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaften und bringt damit beste Voraussetzung für die kompetente Behandlung der Thematik mit. In dem vorliegenden Buch hat sie sich ausführlich dem Thema "Tagebücher von Autoren" gewidmet, wie diese nachträglich verändert und entfremdet werden und welche Auswirkungen dies hat.
Die Autorin hat eine Fülle von Material zusammen getragen und das Buch enthält zahlreiche Zitate in der Originalsprache Englisch. Nicole Seifert weist darauf hin, dass es problematisch ist, keine Unterscheidung zu treffen zwischen den Autorinnen, den Protagonistinnen in ihren Werken und dem Ich, das in den Tagebüchern auftaucht, und begründet dies ausführlich. Sie kommt zu dem Schluss, dass Tagebücher nicht zwangsläufig besonders authentisch oder aufrichtig sein müssen und sie sich deshalb auch nicht unbedingt dazu eignen, Rückschlüsse auf das Leben ihrer Verfasser zu ziehen. Der Leser erfährt einiges aus dem Inhalt der Tagebücher und auch darüber, was die Autorinnen selbst über das Tagbuchschreiben äußerten.
"Von Tagebüchern und Trugbildern" ist vom Anspruch, vom Inhalt und von der Komplexität des behandelten Themas her eher ein Fachbuch der Literaturwissenschaft, aber auch für den interessierten Laien eine lohnenswerte und interessante Lektüre.