Cobains Witwe Courtney Love brauchte wohl wieder Geld. Mit ihrer Band Hole will es nicht recht klappen, also wird eben der Nachlaß der genialen Gatten weiter ausgeschlachtet. Love hat die Auswahl getroffen. Die interessantesten Tagebucheinträge blieben dabei wahrscheinlich unveröffentlicht. Die vorliegenden Aufzeichnungen lassen vermuten, daß Cobain, in dem was die Öffentlichkeit nicht zu lesen bekommt, noch mehr von sich (und seiner Frau?) preisgibt.
Die größte Erkenntnis aus Cobains Tagebüchern ist, daß „Nevermind" kein zufälliger Erfolg eines verwirrten Slackers war. Cobain hat lange und hart auf seinen Erfolg hingearbeitet. Stundenlang wurde täglich geübt. So gleichgültig wie er in den Interviews herüber kam, war er nicht. Viel mehr war er genervt von der verlogenen Seite des Musikbusiness: Videoclips, Interviews, Fotos, Werbung, Kommerz... Cobain war ein großer Künstler, mit einem großen Gerechtigkeitssinn. Er wollte die Welt verbessern und schaffte es doch nicht mal, sein eigenes Leben zu meistern.
Aus heutiger Sicht wären Cobain seine Tagebücher sicherlich eher peinlich. Gedanken wiederholen sich, manches ist kindisch, vieles ist langweilig und ohne jeden Informationsgehalt. Auch wenn die Veröffentlichung dieser Intimitäten schon sehr an Leichenfledderei erinnert und mal wieder den schäbigen, geldgierigen Charakter von Courtney Love offenbart, so haben die Tagebücher doch zumindest den einen Vorteil: Nirvana und der Mythos Kurt Cobain werden entzaubert. Hätte er sich nicht umgebracht, wäre er ein Vorbild gewesen. Er hatte Ideale und hat dafür gekämpft. Hätte er doch bloß einen guten Psychologen, echte Freunde oder eine Frau gefunden, die sich gut um ihn gekümmert hätte.
Deprimierend!