Das Buch "Tagebücher 1920 - 1921" von Anais Nin besitze ich schon länger. Es ist im "Knaur-Verlag" erschienen und umfasst knapp 360 Seiten. Das Vorwort schrieb Joaquin Nin-Culmell, der Bruder der Autorin. Die beiden Geschwister waren sich zeit ihres Lebens sehr zugetan und hatten eine enge emotionale Bindung.
Anais Nin wurde im Jahr 1903 in der Nähe von Paris als Tochter eines bekannten spanischen Musikers und Komponisten geboren. Sie verehrte ihren Vater - einen Frauenhelden - über alle Maßen, konnte ihm jedoch nie verzeihen, dass er seine Familie verlassen hatte. In Frankreich aufgewachsen, kam sie als Elfjährige in die USA, wo sie aus einem Gefühl von Einsamkeit heraus begann, ein Tagebuch zu schreiben. In späteren Jahren lebte sie wieder in der Nähe von Paris, wo sie ein Haus besaß.
Das Schreiben war für Anais Nin eine echte Berufung. Sie schrieb ständig, im Café, beim Friseur, im Zug und nachts, wenn sie nicht schlafen konnte. Es war eine Art Lebenselixier für sie. Nin verkehrte vorwiegend in intellektuellen und künstlerischen Kreisen, was ihrer kreativen Ader sehr zugute kam. Sie war eine enge Weggefährtin des amerikanischen Schriftstellers Henry Miller, mit dem sie viele Jahre eine leidenschaftliche Liebesbeziehung verband. Nin starb 1977 in Los Angeles.
Die vorliegenden "Tagebücher" befassen sich mit dem Leben von Anais Nin in sehr jungen Jahren. Sie war damals 17 bzw. 18 Jahre alt. Bekannter sind ihre Tagebücher aus den turbulenten dreißiger Jahren. Der Sprachstil von Nin lässt trotz ihrer Jugendlichkeit bereits ihre große schriftstellerische Begabung erkennen, die sich vor einem Vergleich mit dem wesentlich bekannteren Henry Miller nicht zu scheuen braucht. Auch wenn die Tagebücher ihrer Jugend insgesamt noch ein wenig unausgereift wirken, habe ich sie mit großem Interesse und Freude gelesen.