Wunderbare Reisenotizen und Zustandsschilderungen Franz Fühmanns über Budapest, die ungarische Literatur, die ungarische Sprache und über die eigene Person.
Fühmann nämlich ist jenseits der fünfzig angelangt (1973), Budapest wird für ihn auch ein Ort des Nachdenkens über sich selbst, über die Frage: wo bin ich eigentlich, wer bin ich eigentlich?
Fühmann bilanziert nicht erreichte Dinge, so zum Beispiel auch seine fehlenden Ungarischkenntnisse (derer zum Trotz er Ungarisch übersetzt) und rekapituliert auch seinen Lebensweg vom Nazi-Mitläufer zum DDR-Schriftsteller.
Auch Fragen nach dem Wert des Sozialismus, nach 1956 (Ungarn-Aufstand), nach 1968 (Prager Frühling) kommen zu Wort, ohne jedoch - einseitig - Stellung zu beziehen.
Wunderbar sind Schilderungen der ungarischen Metropole, allein derer wegen man diese Reisenotizen unbedingt lesen sollte. Nirgends wird man, von deutschsprachiger Hand, wieder solche berauschten Eindrücke finden, wenn Franz Fühmann beispielsweise eine Markthalle betritt.