Da ich in der Vergangenheit einige Bücher von Peter Scholl-Latour gelesen hatte, war ich nach einigen gelesenen Seiten froh, einen Autor gefunden zu haben, der sich mit der arabische Welt ebenso realistisch und kenntnisreich auseinandersetzt.
Das Buch liefert Einblicke in die politischen Gegebenheiten im Norden Afrikas, dem Nahen und Mittleren Osten. Es beschreibt die zum Teil völlig verschiedenartigen Voraussetzungen unter denen die Revolutionen in Tunesion, Ägypten, Libyen und Syrien stattgefunden haben und noch stattfinden, sowie den historischen Hintergrund. Neben den selbstverständlichen Elementen, wie etwa der Beschreibung einzelner Glaubensrichtungen und -ausprägungen (Sunniten, Schiiten, Muslimbrüder, ...) liefert das Buch auch viele Details wie etwa
- Aspekte der Siedlungspolitik Israels, der Wasserverteilung und, was erstaunlich ist Zahlen, die sonst nicht zu finden sind (auf jeden von Palästinensern getöteten Israeli seit dem 6-Tage-Krieg kommen 1000 von Israelis getötete Palästinenser)
- die Beziehung zwischen Religion und Herrschaft
- die Rolle Riads und Teherans in der gesamten Region
- die Entstehung von Al-Jazeera
- den Einfluß der Stammeskultur auf die Innenpolitik der Staaten.
- ...
Das Buch zeigt, dass die arabischen Staaten, der Islam, der Islamismus, usw. keinen monolithischen Block darstellen, sondern von ganz verschiedenen Strömungen durchzogen und ganz verschiedenen Motivationen gelenkt werden. Nicht vergessen werden in dem Buch auch geologische Gegebenheiten, wie etwa die Verfügbarkeit von Wasser und Erdöl, sowie diplomatische Aspekte, wie etwa die Vermittlerrolle Katars in der Region.