Gut, die Hörbücher von Radioropa sind konkurrenzlos billig, im vorliegenden Fall 9,95 Euro für 7 CDs. Aber müssen die Sprecher soo schlecht sein? Leider ist das vorliegende Hörbuch bei Weitem nicht das einzige aus dieser Reihe, dessen Sprecher derart enttäuscht.
Obwohl der Sprecher 8 Stunden lang einen finnischen Roman vorliest, hat er sich nicht die Mühe gemacht, sich nach den finnischen Ausspracheregeln zu erkundigen - und die sind wirklich nicht schwierig: Jedes Wort wird auf der erste Silbe betont. Der Sprecher betont ausnahmslos jeden Namen falsch, der in dem Buch vorkommt, ob es nun geographische Bezeichnungen oder Personennamen sind. Jemandem, der sich für finnische Literatur interessiert, bereitet es Zahnschmerzen, hier zuzuhören.
Richtiggehend peinlich für einen angeblichen Schauspieler ist jedoch der Mangel an Allgemeinbildung, der sich in seinen Lesefehlern offenbart: Auch den (Nicht-Finnen!) Daedalus betont er falsch, nämlich auf der zweiten Silbe ("Daedálus"). Das Gleiche gilt für Dalí, der seinen Akzent sogar im Namen trägt und vom Sprecher doch auf der ersten Silbe betont wird ("Dáhli"). Aus "Albinonis Adagio" wird bei ihm "Albinos (!) Adiadscho"; heureka betont er auf der zweiten Silbe ("heuréka"). Aus "Anzeichen für Gewaltanwendung" werden "Anzeigen für Gewaltanwendung". Gibt es bei diesem Verlag eigentlich niemanden, der sich das Ganze vor der Veröffentlichung nochmal anhört und den Sprecher auf solche Peinlichkeiten hinweist?
Für den präsumtiven Mörder, einen Buchhalter (hiermit wird rein gar nichts verraten!), aus dessen Perspektive Teile des Romans geschildert werden, wählt der Sprecher einen völlig unpassenden gelangweilten Ton. Das präsumtive Mordopfer, eine Sekretärin, gibt er mit einer dümmlichen Piepsstimme, die klingt wie die eines Mannes, der in einer 50er-Jahre-Klamotte die Tunte spielen soll.
Gegen den Roman selbst gibt es überhaupt nichts einzuwenden, er bleibt spannend bis zum Schluss. Aber wenn er so vorgelesen wird, hilft nur eines - selber lesen!