Nach seinem Freitod hinterlässt Filmregisseur Goro Kogito, einem befreundeten Schriftsteller und Ehemann seiner Schwester, eine Sammlung von ihm besprochener Kassetten und den dazu passenden Rekorder (hier als Schildkäfer bzw. Tagame bezeichnet). Dieser fängt an sich für lange Zeitspannen einzuschließen und "Gespräche" mit Goro zu führen, verliert sich mehr und mehr in der Vergangenheit. Um diesem Dilemma, das auch seine Frau und seinen Sohn sehr mitnimmt, zu entrinnen nimmt er eine Gastprofessur an der Berliner Universität an. Doch auch dort lassen ihn die Erinnerungen an Goro (auf Grund des Filmfestivals und anderer Ereignisse) nicht los. Besonders ein Ereignis, das die beiden seit ihrer Jugend verbindet, kann er nicht ausblenden. Für beide scheint dieses Ereignis und vor allem seine Verarbeitung das ultimative Ziel, vielleicht sogar der Grund, ihres kreativen Schaffens zu sein. Gleichzeitig erinnert sich auch Kogitos Frau an ihren Bruder, der nach dem besagten Ereignis ein anderer zu sein schien. Sie wünscht sich sehnlich den jugendlichen, bewundernswerten Goro zurück. So behandelt das Buch vor allem die Beschäftigung mit Verlust und die Verarbeitung der Vergangenheit. Es werden viele entscheidende Ereignisse aus Goros und Kogitos Leben wiedergegeben, wobei sprachlich ab und zu der letzte Schliff fehlt. Dafür ist die Geschichte, da Kogito eindeutig ein Alter Ego von Oe ist, sehr persönlich und lebensnah und liefert tiefe Einblicke in das Seelen- und Familienleben des Nobelpreisträgers. Atmosphärisch gesehen ist das Buch eher melancholisch und träge, wobei sich grade gegen Ende immer wieder optimistische, positive Ansätze zeigen. Meiner Meinung nach eine empfehlenswerte Lektüre.