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Moviemans Kommentar zur DVD: Das Bildmaterial kann vor allem durch Farben und Schärfe gewinnen. Starkes Rauschen in dunklen Szenen bleibt aber leider nicht aus. Der Soundpart fällt überraschend gut aus. Die Kulisse ist vital und die Effekte sitzen satt und deftig. Die Extras sind annehmbar, Interviews wären schön gewesen.
Bild: Die DVD bietet eine naturgetreue Farbabbildung. Zu milden oder gar übersättigten Tönen kommt es nicht. Die Auflösung ist im Detail relativ hoch (Autofront, 00:26:01), auf Entfernung versagt sie etwas. Von Rauschen, das sehr deftig ausfällt, bleibt das Bild leider stark beeinträchtigt (Wohnzimmer, 00:04:24) und auch Grieseln (Himmel hinter Moped, 00:12:55) kommt immer wieder vor. Prinzipiell ergeben sich die Kontraste mit wenigen Ausnahmen in einem annehmbaren Spektrum. Stellenweise verschwimmen einzelne, dunkle Töne in Szenen mit weniger Licht (Peters Haar, 00:10:59). Artefakte bleiben zwar nicht aus, gestalten sich aber recht mild und fallen nur innerhalb feiner Strukturen auf. Für eine unaufwendige Produktion passable, wenn auch nicht gerade überzeugende Werte. Das kräftige Rauschen verhindert einfach allzu oft klaren Durchblick.
Ton: Die Auslastung der vorhandenen Kanäle ist durchgängig gewährleistet. Ein Auto startet im Center hörbar durch den Raum und verlässt das Bild akustisch über links vorne nach hinten (Bürgermeister fährt ab, 00:29:06). Dadurch kann Räumlichkeit entstehen, die zudem satt klingt und gut mit den Dialogen abgestimmt ist, die dem jeweiligen Drehort gemäß plastisch anpassen. Auch die kräftig ausgebauten Musikstücke (z.B. 00:34:52), die den Raum vital einfärben, sind so ausgepegelt, dass noch Details, wie Schafsblöken, lebhaft aus dem Hintergrund durchdringen. Die Sprengung eines Strommasten haut heftig, auch über den Subwoofer, in alle Boxen hinein. Die gegebene Räumlichkeit ist weit angelegt und wird durch die detailreiche Kulisse (Tiergeräusche, 00:45:40) noch erweitert.
Extras: Die DVD enthält einen Audiokommentar mit Regisseur Lars Jessen, Elke Mueller-Stahl und George Pauly. Letztere beiden haben als Vorbilder für die Rollen "Hanne" und "Peter" gedient. Neben fünf "Deleted Scenes" (5:51 min.) enthält die Disc außerdem drei witzige Szenen mit der Figur "Rakete" (2:35 min.). den Kinotrailer (1:44 min.) sowie zwei Trailer aus dem Programm. Leider sind keine Interviews mit den Darstellern enthalten, was durchaus machbar gewesen wäre. --movieman.de
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Blickpunkt: Film
Für den jungen Regisseur musste der Film 'jetzt gemacht werden'. Er will 'keine Abrechnung im klassischen Stil' und laviert deshalb zwischen leiser Kritik, latenter Bewunderung und leichter Nostalgie. Anfangs wirkt das chaotische Miteinander auf dem Bauernhof in Norddeutschland wie eine krude Ansammlung von Altbekanntem. Da soll die Urschrei-Therapie für Befreiung sorgen, laufen Männlein und Weiblein nackt und fröhlich in der Natur herum, stellt man Windräder auf, um 'autark' zu sein und statt 'imperialistischen Bohnenkaffee' schlürfen die in einfaches Strickzeug Gewandeten ein braunes Gesöff aus Getreide. In diese Idylle platzt die Sozialpädagogin Hanne mit Sohnemann Niels. Die Städterin gewöhnt sich schnell an Gemüsepuffer, Gewaltverzicht und die wöchentliche Dallas-Dosis, der Teenager hält dagegen wenig von den bekifften Landkommunarden des alternativen Wohnkollektivs Regenbogen. Statt mit der neuen Großfamilie sanft gegen das AKW zu protestieren, fraternisiert er mit dem Dorf-Rocker Rakete, der sich die Bierchen reihenweise reinkippt. Während sich die Mama mit dem WG-Chef lustvoll im Laken vergnügt, genießt der Teenie ersten Sex mit der Bürgermeisterstochter, findet Molotow-Cocktails und das Ansäbeln von Strommasten spannender als Pazifismus.
'Am Tag als Bobby Ewing starb' kommt es zur Zäsur, nicht nur weil der Erdöldynastie-Spross entschlummert, sondern im weit entfernten Tschernobyl der Super-GAU eintritt, die tödliche Atomwolke in den nächsten Tagen gen Westen driftet. Nicht ist mehr, wie es einmal war. Die Gratwanderung von Lars Jessen gelingt nicht immer. Manchmal glaubt man sich in einem schlechten Kostümfilm, wenn Peter Lohmeyer als Ober-Kommunarde eine ziemlich schreckliche Langhaar-Perücke trägt und Schafe schert oder die Welt sich aufteilt in versponnene Idealisten und reaktionären Dörfler. Die persönliche und autobiografische Zeitreise schrappt hart am Klischee entlang, auch wenn ganz authentisch der Flokati den Boden bedeckt, 'bumsen' mit weichem S gesprochen wird und der Joint kreist. Es fehlt die Entscheidung zwischen einer konsequenten Coming-of-Age Geschichte aus dem Blickwinkel des Jungen und dem Porträt einer Generation, die den Aufbruch mit unkonventionellen Mitteln wagte. Gut gezeichnet Niels' Grundkonflikt mit der Mutter und ihrem Liebhaber und seine 'Emanzipation', wenn er am Ende nicht den Wehrdienst verweigert, sondern an der Waffe ausgebildet werden will. Da ist der Generationenbruch handfest spürbar. Für Jessen wurden so viele Schranken eingerissen, dass sich seine Generation 'ganz auf unsinnige Frisurenexperimente, schlechte Musik und bunte Mixgetränke konzentrieren' konnte. Ausgezeichnet mit dem Max Ophüls-Preis 2005 sollte diese liebevolle Komödie ihre Nische im Kino finden. mk.