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VINE-PRODUKTTESTERam 17. November 2011
Mitten am hellichten Tag wird der Mitinhaber einer Baugenossenschaft auf offener Straße erschossen. Für den ermittelnden Carabinieri ist klar, daß hier die Mafia ihre Finger im Spiel hat. Und tatsächlich gelingt es ihm mit Hilfe eines Informanten, der natürlich kurz später ebenfalls auf gewaltsame Weise das Zeitliche segnet, den Mörder und seine zwei Hintermännder zu entlaven. Doch das heißt noch lange nicht, daß es zu einer Verurteilung kommen muß, denn auf Sizilien wirken merkwürdige Kräfte im Hintergrund.
Ein ungewöhnlicher Erzählstil prägt diesen Roman, der den Leser zwingt genau und konzentriert den Text zu verfolgen. So wird hier fast schon literarisch die Macht der sizilianischen Mafia niedergelegt, und genau darum geht es in diesem Roman auch. Nicht der Mord oder die Fallauflösung oder das Recht oder die Gerechtigkeit stehen im Fordergrund der Betrachtungen, sondern die Fädenzieherei der Organisatoren im Hintergrund wird be- und ausgeleuchtet. So entsteht ein interessantes fiktives, literarisches Konstruckt über das organisierte Verbrechen und die Ermittler. Auch das Romanende, das weder fulminant noch gerecht daherkommt, paßt sich nahtlos in das Gesamtkonzept dieser Geschichte ein.
Fazit: Empfehlenswertes und interessantes Werk, aber nicht unbedingt für jeden eingefleischten Krimifan geeignet.
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am 25. Januar 2015
Ein Dorfplatz in Sizilien: Der Autobus Richtung Palermo wartet vollbesetzt auf einen letzten Fahrgast. Der kommt angelaufen und wird kurz vor Betreten des Busses von zwei Schüssen niedergestreckt. Ein Mafiamord. Obwohl genug Personen anwesend sind, will niemand etwas gesehen haben. Doch der Carabinieri-Hauptmann Bellodi setzt alle seine Fähigkeiten daran, diesen Fall gegen alle Widrigkeiten aufzuklären.

Der Autor Leonardo Sciascia war Sizilianer und hat in vielen seiner Werke die italienischen Machtverhältnisse, insbesondere die Verstrickungen mit der Mafia, beschrieben. Dieser Roman erschien erstmalig im Jahr 1961. Wer hier ein Mafia-Epos erwartet, liegt allerdings völlig verkehrt. Der Autor beschreibt beispielhaft anhand eines einzigen Kriminalfalls, dem Mord an dem Bauunternehmer Colasberna, auf knapp einhundert Seiten die sizilianischen Verhältnisse. Dabei schreibt Sciascia flüssig und auf den Punkt gebracht, mit besonderem Augenmerk auf den Dialogen. Seine Perspektivwechsel geraten manchmal vielleicht etwas zu abrupt. Die Beschreibung der Charaktere bleiben aufgrund dieser Kürze zwangsläufig etwas oberflächlich, dies stört in diesem Fall aber nicht.

Hauptfigur ist der Hauptmann Bellodi, der aus Parma nach Sizilien versetzt wurde und sich von der Lethargie und der Resignation der einheimischen Polizisten absetzt. Zunächst scheint der Fall wie üblich an der Omertà zu scheitern: Niemand hat etwas gesehen, selbst die Angehörigen des Toten haben kein Interesse an der Aufklärung. Doch dann wird ein weiterer Mann vermisst und Bellodi vermutet richtigerweise einen Zusammenhang zwischen den Fällen. Er zieht alle polizeilichen Register, setzt Zeugen unter Druck, versucht Verdächtige gegeneinander auszuspielen, ist aber immer darauf bedacht, die Legalität zu wahren. Bellodi stößt mit seinen Ermittlungen in ein Wespennest und bringt selbst hochrangige politische Persönlichkeiten in Bedrängnis.

Ein kurzer, zeitlos guter Krimi über einen ganz normalen Mord im Lande der Mafia. Für zwischendurch durchaus empfehlenswert.
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am 29. Dezember 2015
Sciascia zeichnet ein Gesamtbild von Menschen und Gesellschaft im ländlichen Sizilien, sowie die Machtverbindungen bis nach Rom. Das Geben und Nehmen von Gefälligkeiten an den Strukturen des Staates vorbei, das als ehrenwert gilt. Mit interessanten Rückblicken auf den Faschismus, der die Mafia bekämpfte, aber dafür Freiheiten nahm -- was die sizilianischen Dörfler in ihrer Art aber kaum bemerkten.

Man kann diese Darstellung als sehr gelungen und lesenswert bezeichnen. Zudem war offenbar Sciascia einer der ersten, der dies in Romanform tat. Das war mutig, und es prägte das Genre. Auch deshalb lesenswert.

Doch später diskreditierte Sciascia Antimafia-Bemühungen als unglaubwürdig, was zu deren Einstellung führte. Was sollte das? An diesem Punkt fragt man sich: Ist Sciascia vielleicht selbst Teil des Systems? Ist dieses Buch vielleicht gar kein so guter Einblick, sondern auch nur ein verzerrter Blick auf die wahren Verhältnisse? Möglicherweise. Allerdings wäre es auch dann noch ein Fortschritt, es geschrieben zu haben, denn die Debatte an sich nützt.

Sciascia war offenbar kommunistisch eingestellt, später linksliberal. Offenbar konnten sich Mafia-Gegner damals nur als Kommunisten organisieren -- einerseits verständlich, andererseits vielleicht doch nicht. Vielleicht auch das eine Schönfärberei der Geschichte? Haben Kommunisten die Mafia nicht auch dadurch gestützt, dass sie ihr nur ein radikales Gegenkonzept entgegenstellten? Der Mafia hätte nichts besseres passieren können, als eine Opposition, die radikal und unglaubwürdig ist. Wieviel Mafia steckt in den sizilianischen Kommunisten?

Es fehlt in diesem Mafia-Gemälde auch völlig die Rolle der Familie, die in dem Film "Der Pate" so zentral ist. Bei Sciascia besteht die Mafia eher aus Honoratioren, die sich gegenseitig unterstützen. Das erinnert fast schon an deutsche Verhältnisse von "Seilschaften", mit dem Unterschied, dass in Deutschland meist nicht gemordet wird.

Wer sich mit der Mafia befasst, sollte dieses Buch lesen, aber nicht unkritisch, und auch andere Bücher konsultieren. Am Ende ist die Mafia eine Frage von Weltanschauungen und Werthaltungen, die eine Gesellschaft ausmachen. Hier gäbe es vieles umzuprägen in Sizilien. Darauf läuft alles hinaus, egal wie verzerrt und verfälscht die Darstellungen sind.
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am 4. November 2009
Der Roman "Der Tag der Eule" von Leonardo Sciascia ist von höchster literarischer Qualität und ein absolutes Muss für Jeden, der wissen will, was "Mafia" ist.
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am 17. September 2009
Ein sizilianischer Kriminalroman. WT # 619.
Mit "Der Tag der Eule" schrieb der Sizilianer Leonardo Sciascia seinen ersten und wohl berühmtesten Roman, dem später noch einige Mafia-Romane folgten.
Am frühen Morgen wird an der Bushaltestelle auf der Piazza ein Bauunternehmer des kleinen Ortes niedergestreckt als er gerade den bereitstehenden Bus besteigen will.
Zwei Schüsse, doch keiner hat etwas gesehen: Weder der Fahrer oder der Schaffner des Buses, schon garnicht einer der fast fünfzig bereits eingestiegenen Fahrgäste.
Capitano Belodi soll den Fall aufklären. Und dabei lässt der "höfliche Herr aus dem Norden" auch keine Ruhe. Ärgerlicherweise für die Bewohner des kleinen Dörfchens lässt der nicht locker um den Fall aufzuklären, auf den Grund zu gehen. Während vieler Nachforschungen und Verhören geht es schliesslich um die Mafia, die zu diesem Zeitpunkt von den Sizilianern und von den Einwohnern als nicht existent abgestritten wird.
Ein früher, spannender und typisch italienischer Roman um die Mafia und ihre Wege.
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