Inhalt
Erwin Mikolajczyk ist bereits als Kind ein Außenseiter. Als Erwachsener entwickelt er gefährliche Obsessionen: Er hat eine sexuelle Vorliebe für Gummistiefel und eine Leidenschaft, Frauen in solchen zu fotografieren und - er trägt ständig eine Schusswaffe bei sich. Deshalb verliert er schließlich seinen Job als Busfahrer. Der Arzt diagnostiziert eine schwere psychische Störung, doch Erwin lehnt jede Hilfe ab. Die Beziehung zu der älteren Lena scheint ihn zu stabilisieren, doch dann verprügelt er sie und wird wegen schwerer Körperverletzung angeklagt.
Bildbewertung:
Mit einem Film, der emotional tief bewegt und einen einfach nicht mehr loslässt, selbst wenn der Fernseher längst schon wieder ausgeschaltet ist, präsentiert sich mit der vorliegenden DVD-Veröffentlichung das innovative Label "Fernsehjuwelen".
Dem Firmennamen entsprechend zeigt sich auch die Idee, welcher sich dieses Label verschrieben hat und so ist es für die Zukunft angedacht, jede Menge "außergewöhnlich guter Filme und Mehrteiler der Fernsehgeschichte", eben wahrhafte "Fernsehjuwelen", unter diesem Label zur Veröffentlichung zu bringen. Hierbei sollen sowohl deutsche wie auch internationale Filme und Serien auf DVD erscheinen, die alle der Anspruch eint, bei den Zuschauern seit ihrer Ausstrahlung im TV nachhaltig in Erinnerung geblieben zu sein oder die sich als wahre Glanzstücke diesen Genres bezeichnen dürfen.
Gleich mit einem der ersten verlegten Filmtitel kommt hier unter dem Vertrieb von "AL!VE" mit "Tag der Abrechnung - Der Amokläufer von Euskirchen" ein ebenso spannendes wie auch erschütterndes Drama, welches sich in seiner erzählten Geschichte an ein tatsächliches Ereignis aus dem Jahr 1994 hält, zur Veröffentlichung auf DVD.
Am 9. März 1994 kam es im Euskirchner Amtsgericht zu einem der bis dahin folgenschwersten Amokläufe in der Geschichte der deutschen Justiz. Ein wegen verschiedener Körperverletzungsdelikte Angeklagter erschießt kurz nach seiner Verurteilung insgesamt sechs Menschen im Gerichtsgebäude, bevor er sich selbst durch die Explosion einer Rucksackbombe das Leben nimmt und große Teile des Gerichtsgebäudes zerstört. Bei dieser Explosion werden noch zahlreiche weitere Personen zum Teil schwer verletzt.
Nur sieben Monate nach dem Amoklauf stellte der Regisseur Peter Keglevic einen Film über diese Tragödie fertig, welcher dann bereits am 26.Oktober 1994 erstmals beim Fernsehsender RTL zu sehen war. Peter Keglevic machte u.a. mit Filmen wie "Tanz mit dem Teufel - Die Entführung des Richard Oetker" oder "Du bist nicht allein - Die Roy Black Story", mit Szenarien voller dramatischer und tragischer Inhalte aus dem wahren Leben, die stets für großes Interesse bei den Medien und einem Großteil der Bevölkerung sorgten, von sich reden.
Der Film unternimmt den Versuch den Weg hin zum Amoklauf und das "Warum" es soweit kommen musste zu vermitteln, sofern dies überhaupt machbar ist. Dabei erhielt der Regisseur für den Film und dessen inhaltliche Umsetzung der Thematik, Unterstützung und Mithilfe durch die Familie des Täters. So versucht der Film, in einer einfühlsam und differenziert aufgezeigten Geschichte, die Entwicklung des späteren Amokläufers von seinen Kindertagen bis zur Tat selbst darzustellen. Einer Kindheit mit Schlägen und fehlender Liebe, bis hin zu einer Welt als Jugendlicher und Erwachsener voller Faszination für Waffen und Frauen in Gummistiefeln. Eines Lebens als ständiger Außenseiter und Verlierer, der nach seinem Amoklauf mit Lackmantel, Gummistiefeln und einer Knoblauch-Kette um den Hals bekleidet, in den Medien nur noch als der "Gummistiefelmörder" betitelt wurde.
In der Rolle des Amokläufers ist Oscar-Preisträger Christoph Waltz zu sehen. Weitere Rollen in dieser Produktion, die nach dem Buch von Douglas Graham und Douglas Scott-Hessler entstand, sind u.a. Christian Redl, Cornelia Froboess, Helga Jeske, Tamara Kafka und Oliver Stritzel. Für ihre verkörperte Rolle der Mutter des Amokläufers erhielt die Schauspielerin Cornelia Froboess im Jahr 1995 den Bayerischen Filmpreis. Der Regisseur schafft es, den Film ohne reißerische Effekthascherei zu inszenieren. Einem gewissen voyeuristischen Reiz und ein Schaudern wird sich wohl beinahe ein jeder beim Ansehen dieser Produktion nicht entziehen können und sich selber wohl auch eingestehen müssen. Genug Diskussionsstoff bietet der Film und die in ihm erzählte Geschichte allemal. Die Möglichkeit der Bildung eines eigenen Urteils zur Thematik und die einer Wertung der filmischen Umsetzung selbst, bietet die vorliegende DVD nun einem jeden der es möchte.
Mit einer vom veröffentlichenden Label "Fernsehjuwelen" angegebenen Gesamtlaufzeit von153 Minuten (inkl. Bonusmaterial) und im Bildformat 4:3 Vollbild kommt ein im Gesamteindruck recht gelungenes Bild, in etwa auf dem Niveau der TV-Ausstrahlung, zur Ansicht. Die Farben zeigen sich hierbei in natürlichen und von der Intensität her guten Werten und Nuancen in sich. Schärfe und Kontrast finden sich in den von einer zur Mitte der Neunziger entstandenen TV-Produktion zu erwartenden mittleren gut gesetzten Einstellungen mit ab und an zu bemerkenden leichten Schwächen in sich. Nur hin und wieder machen sich einige kleinere Unruhen oder ein minimales Rauschen im Bild bemerkbar. Die Umsetzung für das Medium DVD ist gut gelungen, sodass mir keine erwähnenswerten größeren Mängel, weder digitaler noch analoger Art beim Ansehen der DVD auffielen.
Aus dem recht schlicht und ohne große Animationen gehaltenen DVD-Menü heraus besteht aus dem direkt nach Einlegen der DVD in den Player zur Ansicht kommenden Hauptmenü die Möglichkeit, die Wiedergabe des Films direkt zu starten. Ein Kapitelmenü mit in Textform dargestellten Filmabschnitten ermöglicht die Anwahl bestimmter Szenen und Filmstellen in einem sich separat zu öffnenden und zur Ansicht kommenden weiteren Menü. Über die Anwahl des Menüpunkts "Interview" kommt ein ca. einstündiges, durch Arild Rafalzik produziertes und mit dem Regisseur Peter Keglevic, geführtes interessantes Gespräch zur Ansicht und zu Gehör. In diesem berichtet der Regisseur über die Entstehung dieses Films und einiger seiner weiteren Projekte in seinem beruflichen Werdegang.
Tonbewertung:
Ein in seinen Dialogen meist gut zu verstehender Ton im Format Dolby Digital 2.0, kommt in recht nett abgemischtem Stereo zu Gehör. Stimmungsvoll und die gezeigte Filmhandlung unterstützend, kommt die als gelungen zu bezeichnende Musik von Jürgen Ecke und Michael Landau im Film zum Einsatz. Vom klanglichen Volumen, wie auch in den zu hörenden Höhen und Tiefen, wirkt der Ton im Gesamteindruck gut ausgewogen. Erwähnenswerte größere Mängel fielen mir nicht im Ton während der Wiedergabe der DVDs auf. Leider fehlen bei dieser sonst gelungenen Veröffentlichung die Untertitel für Hörgeschädigte und Gehörlose.
Gesamturteil:
Der Film greift in seiner erzählten Handlung und Geschichte die realen Ereignisse eines der bis dahin folgenschwersten Amokläufe in der Geschichte der deutschen Justiz auf. In einer einfühlsamen und bewusst differenziert gewählten Inszenierung und dem Stil seiner Erzählung, unternimmt Regisseur Peter Keglevic den Versuch, die Entwicklung in der Persönlichkeit des späteren Attentäters von dessen Kindheit bis zum Tag der Tragödie zu zeichnen. Dabei überlässt er es dem Zuschauer in der Art seiner Umsetzung und Darstellung des Themas selbst, eine eigene Stellung zum gesehenen zu beziehen, ohne ihn dabei in eine bestimmte Richtung drängen zu wollen. Gleich mit einem der ersten verlegten Filmtitel bringt das innovative Label "Fernsehjuwelen", unter dem Vertrieb von "AL!VE", mit dem 1994 entstandenen Film "Tag der Abrechnung - Der Amokläufer von Euskirchen" ein ebenso spannendes wie auch erschütterndes Drama zur Veröffentlichung auf DVD.
Autor: Torsten
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