Mit diesem kleinen Büchlein präsentiert Ingrid Haslinger eine kleine Kulturgeschichte der k.u.k.-Küche. Mit hübschen Fotografien aus dem Wiener Mobiliendepot und einigen historischen Bildern aus der Kaiserzeit ist der Band schön ausgestattet, auch die Texte sind lesbar und interessant zu lesen, wenn sie auch vielleicht nicht immer neues bringen, was man nicht schon in anderen Werken über die Kaiserin gelesen hat.
Den Hauptteil des Buches machen jedoch Rezepte aus der Kaiserzeit aus. Diese sind im original Wortlaut mit ebensolchen originalen Mengenangaben versehen, einzelne Fotos zu diesem Rezepten fehlen aber leider. Auch mit den Mengenangaben aus dem 19.Jahrhundert tut man sich als Amateurkoch sicherlich nicht leicht, vielleicht wäre es besser gewesen, die Autorin hätte eine Art "Umrechnungstabelle" hinzugefügt. Wer lieber ein richtig prächtig ausgestattetes Kochbuch mit Rezepten der Kaiserin sucht, der sollte lieber zu "Zu Gast bei Kaiserin Elisabeth und König Ludwig II." von Martha Schad zulegen.
Auch die Auflistung von Speisezetteln und Menüfolgen ist zwar ganz interessant, wirkt in diesem Büchlein aber eher ein wenig deplaziert, vielleicht sollten die Museen des Mobiliendepots eher ein ganzes Buch mit diesen Menüfolgen quasi als Quellensammlung veröffentlichen.
Die neue Auflage von 2007 beinhaltet auch einige Schönheitsrezepte und ein Kapitel über die Kammer der Kaiserin. Das ist zwar alles gut recherchiert, gleichzeitig ist es aber auch irgendwie zu viel für dieses kleine Format, zumindest über die Schönheitsrezepte gibt es ja auch eigene Bücher, die sich detailliert mit diesem Thema beschäftigen.
So bleibt irgendwie der fade Nachgeschmack, das Ingrid Haslinger sich einfach zu viel für dieses kleine Büchlein vorgenommen hat, eine strengere Strukturierung des Inhalts wäre auf jeden Fall für folgende Auflagen wünschenswert. Vieles bleibt leider zu oberflächlich, gleichzeitig wird beim Lesen aber auch deutlich, daß Frau Haslinger zwar viel recherchiert hat, diese Vielfalt für die insgesamt 86 Seiten aber einfach zu groß ist. Hätte sie sich wirklich nur auf die Essgewohnheiten beschränkt, es wäre ein informatives Buch geworden. So bleibt aber leider nur eins zu sagen: weniger ist manchmal einfach mehr und zu viele Köche (Ideen) verderben den Brei.