"Fast ganz unten"ist ein lebendiger Sozialreport,den Stefan Selke 2008 herausgegeben hat.Darin schildert er Erfahrungen mit seiner Arbeit in einer Lebensmitteltafel.Das nun vorliegende Buch ist eine Weiterführung,die fundierte Hintergrundinformation zu den Lebensmitteltafeln in Deutschland verspricht.Leider gelingt das nur teilweise."Der lobende Blick auf die Lebensmitteltafeln hat aus soziologischer Perspektive nicht lange Bestand."Das ist der einführende Satz von Stefan Selke in diesem Buch und könnte auch sein Schlusssatz sein,mögen einige der übrigen dreizehn Autoren auch anderer Meinung sein.Enttäuschend finde ich,dass Ausführungen über Tafeln,Nutzer und ehrenamtliche Mitarbeiter nicht durch Befragungen belegt sind.Die Zahlenangaben in einigen Beiträgen sind übernommen, nicht hinterfragt und widersprechen sich.Gibt es nun siebenhunderttausend oder eine Million Nutzer der Tafeln?Wer sind die Nutzer,wie hoch ist ihr Einkommen und wie lange nutzen sie das Angebot der Läden?Wichtige Fragen,wenn behauptet wird,dass die Tafeln die Armut verfestigen.Sehr positiv dagegen heben sich die Beiträge zur sozialen Ungleichheit,zu den Kosten einer gesunden Ernährung und Kapitel aus und über die Berliner Tafel ab.Sie sind gut belegt und höchst lesenswert.
Für 2010 hat Stefan Selke ein weiteres Buch zur Arbeit der Tafeln angekündigt.Es ist zu hoffen,dass die fehlenden Analysen dann nachgeliefert werden.