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Tadellöser & Wolff: Roman [Taschenbuch]

Walter Kempowski
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
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Taschenbuch EUR 10,00  

Kurzbeschreibung

1. August 1996
"Tadellöser & Wolff" nannte Walter Kempowskis Vater, Reeder in Rostock und guter Kunde der Tabakwarenhandlung Loeser & Wolff, so ziemlich alles, was nicht gerade "Miesnitzdörfer & Jansen" war. Und als "Miesnitzdörfer" ließ sich in der Zeit von 1938 bis 1945, im sogenannten Tausendjährigen Reich, von der dieser Roman erzählt, wahrhaftig vieles bezeichnen. Immerhin, trotz Verdunklungspflicht, SA-Eintritt und Schießdienst ging es des Kempowskis "ganz gold", wenigstens eine Zeitlang ...



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Produktinformation

  • Taschenbuch: 480 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (1. August 1996)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442720338
  • ISBN-13: 978-3442720330
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 56.736 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Walter Kempowski wurde am 29. April 1929 als Sohn eines Reeders in Rostock geboren. Er besuchte dort die Oberschule und wurde gegen Ende des Krieges noch eingezogen. 1948 wurde er aus politischen Gründen von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Nach acht Jahren im Zuchthaus Bautzen wurde Walter Kempowski entlassen. Er studierte in Göttingen Pädagogik und ging als Lehrer aufs Land. Seit Mitte der sechziger Jahre arbeitete Walter Kempowski planmäßig an der auf neun Bände angelegten "Deutschen Chronik", deren Erscheinen er 1971 mit dem Roman "Tadellöser & Wolff" eröffnete und 1984 mit "Herzlich Willkommen" beschloss. Kempowskis "Deutsche Chronik" ist ein in der deutschen Literatur beispielloses Unternehmen, dem der Autor das mit der "Chronik" korrespondierende zehnbändige "Echolot", für das er höchste internationale Anerkennung erntete, folgen ließ.

Walter Kempowski verstarb am 5. Oktober 2007 im Kreise seiner Familie. Er gehört zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit. Seit 30 Jahren erscheint sein umfangreiches Werk im Knaus Verlag.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Alles frei erfunden!

1
Morgens hatten wir noch in der alten Wohnung auf grauen Packerkisten gehockt und Kaffee getrunken (gehört das uns, was da drin ist?). Helle Felder auf den nachgedunkelten Tapeten. Und der große Ofen, wie der damals explodierte.
Zu Mittag sollte schon in der neuen Wohnung gegessen werden.
Die Zimmerpalme wurde dem Gärtner geschenkt, die würde man nicht mehr stellen können. Wunderbar, wie die sich in all den Jahren entwickelt hatte. Den gelben Onkel nahm man mit, mit dem gab es ab und zu »hau-hau«! Schön würde es werden in der neuen Wohnung, herrlich. Wir sollten sehn: zauberhaft. Vom Balkon eine Aussicht — wonnig. Und keine Öfen zu heizen, das war auch was wert.
Als ich aus der Schule kam, sah ich schon von weitem den ausgepolsterten Möbelwagen, die Pferde mit rostroten Planen über dem Rücken und Messingschildern am Zaum.
Wir waren selbstverständlich bei Bohrmann. Der Flügel stand noch drinnen, ich hatte also nichts verpaßt. Die Träger mit Gurten um den Leib, Haken unten dran. Sie schraubten die Beine ab; in einem Schlitten hievten sie ihn die Treppen hinauf. Sieben Zentner schwer. Die Adern quollen ihnen raus.
»Kinder«, sagte meine Mutter, »wie isses nun bloß möglich. ..«
Ob in der Nachbarschaft nicht'n paar kräftige Männer aufzutreiben wären, wurde gefragt.
Ein dicker Herr schob sich an den Trägern vorbei, er sah versonnen das Treppenhaus hinauf. Da oben kam Licht aus einem Rubbelglasfenster. Dieser Mann hieß Quade, der hatte das Haus gebaut.

Es war eine geräumige Wohnung, allerdings: 2. Stock, wie Tante Silbi von Anfang an bemerkte. Die Garderobe ganz in Rot. Über der Eichentruhe schon die Schießscheiben und der Säbel meines Vaters. (»Der wird dann angeschliffen, Junge.«)

Rechts der offne Schrank mit den Wolffschen Telegraphenberichten und — »Giftfische und Fischgifte« — zahllosen Kosmosbändchen.

Mein Bruder reckte sich vor dem Spiegel.
Die Wohnung sei Gutmannsdörfer. Ob ich das nicht auch fände?
»Ja.«
»Na, denn sei froh.«

Für sämtliche Zimmer waren neue Lampen gekauft worden.
Im Wohnzimmer hielten Adlerkrallen die Leuchtschalen. In den Schlafzimmern floß das Licht durch Alabaster. Im Eßzimmer hing eine Klingel vom ausufernden Papierschirm herab, damit sollte das Mädchen dann gerufen werden.
Für die Küche wurde keine Lampe gekauft, da war schon eine drin.

Kröhl, ein pensionierter Finanzbeamter, brachte die Lampen an. Er spielte im Quartett die Bratsche (Geiger gab's wie Sand am Meer), der machte sich gern nützlich. »Würdest du bitte mal knipsen? Den unteren Schalter?
»Danke.« Als er noch im Amt war, hatte er mal zu meinem Vater gesagt: »Das ist natürlich wieder alles falsch.«
»Wieso >natürlichwieder< und >alles
Daß die Küche nicht gefliest war, komme ihr grade recht, sagte meine Mutter. Fliesen seien so kalt von unten.

In den Waschbecken sprang das Wasser wie ein Quell aus einem Loch. Der Schließer war durch Druckknopf zu betätigen. »Fabelhaft.«

Die Fenster der Wohnung gingen leider alle nach innen auf.
»Das werden wir schon kriegen«, sagte meine Mutter. Aber die Blumentöpfe, die mußte sie doch jedesmal rücken.
Genau gegenüber der Schlachter mit einem aus Talg geformten Adler im Fenster und Rosen aus Speck. Daneben der Drogist. Alles in der Nähe, fein. Um die Ecke »Wiener Moden«.

Auf der Kreuzung brachten sie grade ein neues Verkehrszeichen an, »STOP« stand da drauf.

Ein geräumiger Balkon mit Glasdach und Mauervorsprüngen zum Aufstellen von Judenbart und Schlangenkaktus.
Noch waren die Bäume unbelaubt, aber es würde ein schöner Blick sein, über die blühenden Gärten hin zum grünen Turm von St. Jakobi.
»Kinder, wie isses schön«, sagte meine Mutter, »nein, wie isses schön«, und drückte die Geranien fest.

Linker Hand, neben einem gelb gestrichenen Etagenhaus, an dessen zerklüfteter Rückseite eine Anzahl Eisenbalkons mit Margarinekisten voll Schnittlauch hingen, konnte man sogar den kleinen Turm der katholischen Kirche ausmachen, mit dem so kräftigen Geläut.

Am Abend kam mein Vater aus dem Geschäft. Er trug Knickerbocker in Pfeffer und Salz. Seinen Teichhut hängte er singend auf einen der roten Garderobenhaken.
Wie so sanft ruhn, alle die Toten...
Das war das Logenlied, wie meine Mutter es nannte. »Ich werd's Ihnen lohnen im späteren Leben«, sagte er zu Kröhl und gab ihm die Hand, »einstweilen besten Dank.« Er betrachtete die Lampen: »Das ist natürlich wieder alles falsch...«
Dann setzte er sich an den Flügel, lehnte sich zurück und spielte:
Singt dem großen Bassa Lieder...
Pink-pink! — ja, es ging.

Über dem Instrument hing das Hafenbild mit dem dicken Goldrahmen, ein Hochzeitsgeschenk von Konsul Discher. Es sei nicht billig gewesen, hieß es.

Meine Schwester Ulla (»Was hast du nur für schöne Zöpfe, mein Kind«), sieben Jahre älter als ich, bekam die Dachkammer.
»Wahrschau!« rief sie und brachte Vasen nach oben. Sie trug ein rostfarbenes Wollkleid mit quer eingestickten Blumengirlanden.

Ich teilte mit meinem Bruder Robert das Zimmer. Sechs Jahre älter als ich. Das blonde Haar stark gewellt, wie die Wogen des Sees Genezareth, in der Bilderbibel, auf denen Jesus wandelt. Er behauptete, von mir gehe ein »pestilenzialischer Gestank« aus.
Er schnurkste ständig, so als zöge er von Zeit zu Zeit sein Uhrwerk auf. Meine Mutter sagte dann: »Prost! Wisstu'n Stück Brot?« Gern trug er Querbinder. Die band er mit Geduld. Hinterher reckte er sich noch ein Weilchen, als wollte er sagen: »Ich bin doch eigentlich recht staatsch.« »Na, du Schleef?« sagte er, wenn wir uns auf dem Korridor begegneten.

Meine Mutter stammte, wie sie behauptete, aus einem alten Hugenottengeschlecht, de Bonsac. Im 16. Jahrhundert geadelt. Der Vorfahr habe als Mundschenk guten von schlechtem Wein rasch unterscheiden können. Es war noch ein Wappen auf die Familie überkommen, das hing jetzt in Wandsbek, in das war eingeschnitzt
Bonum bono, dem Guten das Gute
Und auf dem Wappen Kelch und Traube.

Beim Gutenachtsagen legte sie mir die Hand auf die Stirn. (»Sieht sie nicht aus wie eine Gräfin?«) Dann sprach sie lange Gebete, bei denen sich ihre Augen allmählich mit Tränen füllten.
»Oh, lieber Gott, sieh an, wie wir ohnmächtig sind vor Dir, sei barmherzig, hilf uns in allen Nöten des Leibes und Lebens, daß das Gute in uns aufkomme, und mach uns zu Deinen Kindern. Hilf allen Menschen durch Deine allmächtige, alles ver-, ver-, ver- veranlassende, verordnende Güte...« und so weiter.
Das dauerte oft recht lange, und ich suchte durch Strecken und Dehnen anzudeuten, daß es nun genug sei. Dann sang sie
Müde bin ich, geh' zur Ruh'...
Alle vier Strophen. Sie hatte eine schöne Stimme. Zum Schluß beugte sie sich auf mich herab, und ich durfte sie küssen. »Aber nicht auf den Mund.«
Wenn mein Vater die Abendpost durchgesehen hatte -»Tadellöser & Wolff!« — spielte er meist noch lange Klavier. Das konnte ich bei offner Tür gut hören. Das »Frühlingsrauschen« von Sinding oder die Davidsbündler Tänze. »Mit Humor und etwas hanbüchen.«

In die Tür unseres Zimmers waren geriefelte Glasscheiben eingesetzt. Wenn man von vorn in den Korridor einbog, sah man sofort, ob ich verbotenerweise noch las. (»Kai aus der Kiste.«) Den Finger hatte ich, in angespanntester Aufmerksamkeit, ständig auf dem Knipser. Die Mutter konnte mich nie erwischen. »Auf Ehre?«
Mein Bruder Robert aber, der sich zeitweilig am Anschleichen beteiligte, war gewiefter, der faßte die Glühbirne an. »Sag mal, schämst du dich nicht?«
Er selbst las bis zum frühen Morgen. Lok Myler: »Der Mann, der vom Himmel fiel.«

Morgens kam er schwer hoch. (»Uppstahneque!«)
Und er hatte doch...

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Die Erstveröffentlichung liegt mehr als eine Generation zurück. Damals hielt ich den Roman für einen Versuch der Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich, den bösen Deutschen, den Nazis und was es sonst noch an Aufarbeitungen geben sollte, konnte.
Als Geschenk lag der Roman in diesem Jahr auf meinem Tisch. Ich müsste Kempowski Abbitte leisten, denn was da zu lesen ist, könnte vom Großvater des durch Suizid verstorbenen David Foster Wallace stammen, dessen Erzählweise in "Unendlicher Spaß" schreibtechnische und sturkturelle Gemeinsamkeiten mit dem deutschen Roman aufweist.
Ja, ich sage es sofort: Kempowskis "Tadellöser & Wolff" ist ein literarisches Meisterwerk, wenn hier Beobachtungen, wörtliche Reden, Plattitüden, Weisheiten, Kalendersprüche, Vorurteile und die geradezu banale Politikhaltung einschl. "Führerglaube" nebeneinander gestellt und aufeinandergepackt werden. Und wie das alles auf den pubertierenden Walter hereinprasselt und schlicht und einfach nur gespiegelt wird.
Was der 1929 geborene Autor da zusammengetragen hat, ist ein getreues Abbild einer tragischen Epoche, dessen Lektüre vor allem jenen Deutschen zu empfehlen ist, die sich den kleinkarierten deutschen Mief, "voll krass" und jenseits vom aktuellen Lifestyle nicht vorstellen.
Kempowski schreibt raffiniert sachlich und gewollt oder ungewollt sind seine Figuren komisch. So aber wollen Deutsche niemals sein...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tadellos ist der Tadellöser & Wolf 13. August 2008
Von Arabella
Format:Taschenbuch
Kempowski sagte einmal in einem Interview, man könne Tadellöser&Wolf mehrmals lesen und man liest immer ein anderes Buch. Dem kann ich mich nur voll anschließen.

Dieses Werk ist einfach unglaublich vielschichtig, läßt es doch, trotz detailliertester Beschreibungen des Geschehens, Platz die eigenen Lebenserfahrungen miteinzubringen.

Familiengeschichte, Geschichtsbuch, Satire, Jugendbuch, ja selbst Heimat- und Abenteueroman das alles ist Tadellöser&Wolf.

So zum Beispiel Walters Weigerung sich die Haare zu schneiden ("bald habe ich die dritte Welle") - ist das nun wirklich politischer Widerstand gegen die Hitlerjugend oder nicht auch einfach nur pubertärer Trotz? Dem Leser bleibt es überlassen den Schwerpunkt zu setzen.

Oder die widersprüchliche Figur des Dänen Sörensen, den man mit seinem spießigen Habitus, seiner Eitelkeit und seiner Verachtung für Deutschland und alles was Deutsch ist nicht wirklich sympathisch finden kann, ihn aber anderseits für seine Courage und seine unbeugsame Haltung auch irgendwie bewundert.

Ich könnte noch so vieles zu diesem Buch und seinen vielen Ebenen schreiben, aber das würde den Rahmen meiner Rezension doch mächtig sprengen.

Von daher möchte ich dieses Buch einfach nur empfehlen und kann jedem Leser versprechen, er wird es bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand legen wollen. Denn und -das ist ist vielleicht sogar das wichtigste- es ist bei aller literarischen Stilistik einfach unglaublich unterhaltsam.

Und diesen allerhöchsten Anspruch an ein gutes Buch hat Kempowski in Tadellöser&Wolf in jeder Hinsicht erfüllt.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zitatenballade aus einer versunkenen Welt 5. September 2011
Von Gerhard Mersmann TOP 500 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch|Verifizierter Kauf
Wenn es sich um gelungene Literatur handelt, ist es immer ein Zugewinn, sie nach einigen Jahren oder gar Jahrzehnten noch einmal zur Hand zu nehmen und zu sehen, ob die vergangene Begutachtung immer noch so gut ausfällt wie damals oder ob durch den eigenen Reifungsprozess gar Aspekte hinzugekommen sind, die vor Jahren noch keine Rolle spielten. Als im Jahr 1978 Walter Kempowskis Roman Tadellöser & Wolff erschien, gelang ihm damit der Durchbruch. Er hatte bereits in eiserner Chronologie die Geschichte seiner Familie in aufeinander folgenden Geschichten beschrieben. Bei Tadellöser & Wolff, übrigens eine schräge Ausdrucksart seines Vaters, eines Rostocker Reeders, um alles Gute zu beschreiben, im Gegensatz zu Miesnitzdörfer & Jansen für alles Schlechte, handelt es sich um ein Werk, das bei seinem Erscheinen eine sehr große, positive Resonanz von allen bekam, die den Krieg miterlebt hatten, die Nachkriegsgeneration, die sich unter der Chiffre der Aufarbeitung in einen neuen ideologischen Stellungskrieg begab, blieb reserviert und skeptisch, weil die neuen, lieb gewonnenen Klischees nicht bedient wurden.

Der später auch erfolgreich verfilmte Roman wird getragen durch eine ungewöhnliche Erzählweise und Erzähltechnik. Zum Einen berichtet Kempowski als Walter und Jüngster der Familie aus seiner Perspektive, obwohl er selbst objektiviert wird. Zum Anderen ordnet kein über allem stehendes erzählerisches Ich die Handlung, das erklärt, kommentiert oder inszeniert. Wie ein reißender Strom drängen sich hingegen die Zitate durch die Zeit, die im Jahr 1938 beginnt und auf den finalen Punkt des Kriegsendes 1945 zustrebt.
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen T&W - ...wie isses nun zu fassen... 25. Februar 2002
Format:Taschenbuch
Ziemlich unfair ein Buch zu rezensieren, das verfilmt wurde (übrigens selbst nach Meinung von W.K. hervorragend!) und das sicher schon unter die Rubrik klassische Bestseller einzuordnen ist und für mein Gefühl schon fast als fester Bestandteil in den Deutschunterricht und in den Geschichtsunterricht gehört.
Den Tadellöser habe ich schon als Schüler gelesen und ich finde es prima, dass sich immer noch Leute finden, die das Buch gerne empfehlen werden. Wer also leichtverdaulichen Geschichtsunterricht, eine dicke Prise ursprünglichen Familienhumor und einen tragikomischen Helden haben will, ist bei diesem Buch bestens aufgehoben.
Vielleicht im Zusammenklang mit den Befragungsbänden "Haben Sie Hitler gesehen?" und "Immer so durchgemogelt" das beste, was es über Deutschland zu den Themen Nazi-Zeit, Schule, Hitlerjugend und Swing-Ära sowie Kriegserfahrungen zu sagen gibt. Niemals kitschig, immer atmosphärisch dicht und besser als der erhobene Zeigefinger zeigt das Buch Verführer und Verführte, Kritiker und Opportunisten nebeneinander. Und alle sind so typisch wie es geht. Typisch in ihrer Spiessigkeit, in ihrem blinden Kadavergehorsam und auch typisch in dem versteckten und offenen Widerstand.
Und sie sind alle sooooo komisch...
Wenn es überhaupt was negatives zu sagen gäbe so ist es die Tatsache, die mich von Anfang an beschäftigte: was ist WAHR? Im Einband steht jedenfalls: Alles erfunden!
Das zu entschlüsseln läge am "Sirius". Aber den rezensiere ich nicht.
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5.0 von 5 Sternen Immer noch gut
Wenn einem nach fast 40 Jahren Pause ein Buch beim erneuten Lesen immer noch gefällt, dann muss an der Qualität etwas dran sein. Lesen Sie weiter...
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4.0 von 5 Sternen NS-Jugend in Rostock
Anhand seiner eigenen Familiengeschichte berichtet Walter Kempowski hier über das Aufwachsen der Jugend zwischen 1938 und 1945. Lesen Sie weiter...
Vor 11 Monaten von Jens Neumann veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Sprach- Impressionismus
Der weitgehend autobiographisch gefärbte Roman beschreibt eine Kindheit und Jugend in Rostock zur Zeit des Nationalsozialismus bis zum Ende des Krieges. Lesen Sie weiter...
Vor 15 Monaten von Gugelhupfner veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Literatur
Eine Rezension von diesem Buch hier verfassen zu sollen, ist absolut überflüssig: Die kann man auf jeder Literaturkritikseite lesen ...
Vor 16 Monaten von Schwedenfan veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen literarisch wertvoll
Mit diesem Buch gelang Walter Kempowski sein Durchbruch und dies völlig zu Recht. Das Werk ist eine faszinierende Erzählung und ein beeindruckendes Geschichtsdokument... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 5. Dezember 2011 von Käptn Brass
5.0 von 5 Sternen Ein lachendes und ein weinendes Auge
Die Jugend im deutschen Faschismus, genauer in Rostock, beschreibt der Autor anhand bruchstückhafter Geschichten, wovon die einen so witzig wie die anderen entsetzlich sind. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 2. April 2011 von Aenne Tetzner
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Zur Inhaltsbeschreibung des Buches:

Tadellöser & Wolff" nannte Walter Kempowskis Vater, Reeder in Rostock und guter Kunde der Tabakwarenhandlung Loeser & Wolff, so... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 23. November 2009 von Oehler
5.0 von 5 Sternen immer wieder Kempowski
Wer den Film schon gesehen hat , wird, wenn er dies Buch ließt, die Stimmen im Ohr haben.Das Buch läßt einen immer wieder schmunzeln trotz seiner zeitlichen... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 2. Oktober 2009 von Palanga
3.0 von 5 Sternen Eines von vielen?
Wenn etwas gut ist, dann nennt der Vater des Erzählers es "Tadellöser & Wolff" und so auch der Titel des Buches. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 29. Februar 2008 von deathdealer92618
5.0 von 5 Sternen Unterhaltsamer Geschichtsunterricht
Durch das Lesen der Bücher "Aus großer Zeit", "Schöne Aussicht", "Tadellöser und Wolff" von Walter Kempowski erhält man auf unterhaltsame Weise Einblick... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 13. Februar 2008 von Bienenstich
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