Ich muss vorausschicken: Diese Rezension schreibe ich als "Befangener", denn ich habe die Interviews mit Martin Semmelrogge und Walter Kempowski für die Bonus-DVD geführt. Als Mitwirkender sollte man fairerweise eigentlich keine Bewertung abgeben. Deshalb beschränke ich mich auf den Inhalt der Filme, die ja nicht von mir, sondern von Eberhard Fechner stammen. Ich bin froh und stolz, dass ich dabei mitwirken durfte, diesen "Sternstunden des Fernsehens" zu neuem Glanz zu verhelfen.
Das war mehr als ein Job, das war Herzenssache. Für mich wird damit ein Jugendtraum wahr. Denn kaum ein Fernsehfilm hat mich mehr beeindruckt als "Tadellöser & Wolff". Die Leistungen der Schauspieler und des Regisseurs sind einfach nicht zu toppen.
Dass sich ein Rezensent über die "schlechte Bildqualität" beschwert, kann ich zwar nachvollziehen. Allerdings war es sehr schwierig, überhaupt brauchbares Material zu finden. Eberhard Fechner hat damals in 16 mm Schwarzweiß gedreht, um mit der kleinen 16mm-Kamera in engen Wohnungen filmen zu können. Daher rührt die leichte Körnigkeit der Bilder. Anschließend wurden die Aufnahmen von Fechner aus dramaturgischen Gründen in Sepia eingefärbt. Die Nachfolgeserie "Ein Kapitel für sich" wurde auch in Schwarzweiß gedreht, aber nicht eingefärbt. "Tadellöser & Wolff" sollte mit dem Hauch von "Vergilben" auch optisch die Zeit vor und während des Krieges widerspiegeln. Insbesondere bei den Überblendungen vom Fotoalbum in den laufenden Film wirkt dieser Effekt authentisch. "Ein Kapitel für sich" hingegen sollte mit dem klaren Schwarzweiß an die Wochenschauen und Filme der unmittelbaren Nachkriegszeit erinnern.
Von den Filmrollen wurden beim ZDF 1-Zoll-Sendebänder gefertigt. Das ZDF hat im Zuge der Archiv-Sicherung von diesen alten Sendebändern Kopien auf Digi-Beta gezogen. Diese Bänder dienten schließlich als Master für die DVD. Das Material hat in 30 Jahren leider etwas gelitten, aber dem filmischen Erlebnis tut das keinerlei Abbruch. Im Gegenteil, anders als bei einer "Hochglanzproduktion" kann man sich so viel leichter in die damalige Zeit versetzen.