Das Buch ist "artig gemacht". Weniger ein Fachbuch, mehr ein Kunstbuch.
Wer ein Fachbuch möchte, sollte es lieber vergessen, vor allem wegen der Fehler und Ungenauigkeiten im chemischen Teil. Kalk wird nicht bei 200°C gebrannt - auch in Marokko nicht. Und Gallseife wird auch anders hergestellt; eine Strukturformel ist falsch, der Bezug darauf im Text paßt nicht usw.
Dennoch ist es möglicherweise momentan das informativste Buch zu der Thematik auf dem Markt (sic!). Alternaiv kann ich noch "Der dekorative Wandverputz" von Philippe Chastel empfehlen, da wird Tadelakt wesentlich kürzer, aber kaum weniger umfassend abgehandelt, außerdem hat man in dem Buch noch etwa 30 andere Wandverputze erklärt - für weniger Geld.
Die Beschreibung der handwerklichen Ausführung "geht so", man kommt bei der Thematik halt nicht daran vorbei, das auch zu beschreiben. Das wichtigste bei der Ausführung ist schließlich das Gefühl in der Hand, und das kann man eben nicht mit einem Buch vermitteln.
Aber insgesamt empfindet man das Buch als sehr "dünn". Mit Bildern und Design (immer diese waagerechten Linien auf den Textseiten!) aufgeblasen.
Es ist halt ein Kunstbuch/ Bildband.
Dann will ich es auch mal so betrachten:
Der hohe Preis ist für diesen Markt vielleicht angemessen - weiß ich nicht.
Es ist schön geschrieben. Die Reiseeindrücke von Marokko, ein Bißchen Kulturbeschreibung, die vielen scharfen Bilder mit tollen Farben und toller Ausleuchtung, die Aufmachung der Seiten mit wenig Text und viel Farbfoto... sehr artig. Es macht wirklich Lust auf den Werkstoff Tadelakt, man kann sich gleich begeistern. Böse Zungen könnten das ganze Buch als Werbung bezeichnen, aber das will ich gar nicht. Tadelakt ist toll, und wer ihn mal unter der Hand hatte, weiß das.
Meine Mutter hat es durchgeblättert und toll gefunden; (ich selbst bin Handwerker und hätte mir bessere Fachinformationen gewünscht).
Für ein Kunstbuch hätten es dann aber doch noch ein paar mehr Araber, Kamele und Sanddünen sein können.
Ich als Zimmermann muß schließen: Ein Werk, das den Maler- und Lackierermeister (Autor) so erkennen läßt, wie ich die Werke der Maler bisher kennenlernen durfte: Wunderbar anzuschauen, bis man aufs Detail blickt.
Ein Hingucker bleibt es aber.