Yann Tiersens Musik zu beschreiben ist nie leicht. Möglicherweise kann man sich ja unter "Klassik mit einem kräftigen Schuss bretonischer Folklore" etwas vorstellen. Die Emotionalität, die Tiersen mit dieser Mischung jedoch erzeugen kann, und die Abwechslung, welche allein die Arrangements ansonsten oft über mehrere Alben wiederholter Themen mit sich bringen, spottet jedoch jeder Beschreibung und markieren Tiersen eindeutig als einen Komponisten und Musiker, dessen Bekanntheitsgrad noch nicht annähernd an seine Bedeutung und Klasse heranreicht.
Mit dem Soundtrack zu Tabarly hat sich Tiersen, so empfinde ich es, ein weiteres Mal selbst übertroffen. Allein die Titelmelodie ist so eingängig und unglaublich schön, dass sich das Album damit sofort einen festen Platz unter meinen 10 Lieblingsalben erobert hatte. Nicht zuletzt deswegen haben wir dieses Lied auch als Musik für unsere Hochzeit gewählt. Romantik und große Gefühle zu erzeugen, ohne in den Kitsch abzugleiten, moderne klassische Musik zu komponieren, ohne elitäre, schwer verdauliche Kost zu produzieren, die Musik sowohl im tanzbaren Rythmus und Tempo zu gestalten aber zugleich auch, ganz ohne Gesang, soviel Inhalt zu transportieren, dass man ihr stundenlang einfach nur zuhören kann - das ist die ganz große Kunst von Yann Tiersen.
Man muss den Film nicht gesehen haben, um bei diesem Soundtrack Bilder vor dem inneren Auge betrachten zu können. Eine ganz große Empfehlung nicht nur für eingefleischte Fans klassischer Musik, sondern für jeden mit einem in viele Richtungen offenen Musikgeschmack.