... so auch Tabaluga. Das ist schade, aber dieses Gesetz gilt für alles und jeden.
Man kann es als schmerzlich empfinden, oder als tröstlich, ändern kann man es nicht. Es bleibt nur, sich dessen besser früher als später bewußt zu werden und seine Lebenszeit nicht sinnlos verstreichen zu lassen. Wieviele Jahre es am Ende in absoluter Zahl gewesen sind, ist nicht so wichtig, wie das, was ich in der Zeitspanne, die mir zur Verfügung stand getan habe, mit welchen Inhalten ich sie gefüllt habe, wie ich sie genutzt habe. Genutzt für mich, aber wichtiger noch, genutzt auch für andere.
Das ist im Kern die Aussage des fünften, letzten, Tabaluga-Albums. Und sie ist von so bestechender Klarheit, daß man einmal mehr Maffays gesellschaftlichen Verdienst gar nicht hoch genug einschätzen kann.
Natürlich ändert Musik die Welt nicht, rettet sie noch viel weniger, aber sie beeinflußt Menschen, berührt sie, bringt sie zum nachdenken, verschiebt Sichtweisen und Prioritäten. Musik manipuliert und das kann zum Guten wie zum Schlechten geschehen.
Maffay nutzt seit vielen Jahren, und insbesondere mit den Tabaluga-Platten, diese Möglichkeit, Menschen die ihm zuhören, etwas mitzugeben. Keine große Philosophie, kleine Gedanken, eigentlich Selbstverständlichkeiten, die im Alltag aber bei fast jedem nur allzuleicht unter die Räder geraten. Gerade deshalb scheint es mir wichtig, empfinde ich es als wohltuend, daß es Typen wie Maffay gibt, die dafür einstehen, auch wenn es dafür oft aus Unverständnis, Ignoranz oder Überheblichkeit abfällige Kommentare gibt. Sei's drum.
Die Tabaluga-Alben waren grundsätzlich alle gut, aber mit "Die Zeichen der Zeit" setzt Maffay mit seinem Team ein furioses Finale. Hier scheint einfach alles zu passen. Die musikalische Spannweite ist so breit wie auf noch keinem Album des kleinen grünen. Wie auch auf seinen regulären Alben, wo Maffay seit Mitte der Neunziger wesentlich kompromißloser, akzentuierter vorgeht als in der Zeit davor, ist die kompromißlose musikalische Umsetzung ohne Einschränkungen nun auch bei Tabaluga angekommen. Was hart klingen soll, brettert richtig los, die Balladen wirken sanfter, zarter als zuvor und wo ein Orchester bemüht wird, da grinst Beethoven aus den Wolken. Mit Streichern wurde auch bei vergangenen Tabaluga-Produktionen gearbeitet, meist als breiter Klangteppich weit im Hintergrund, 2011 wird es stellenweise symphonisch - absolut großartig!
Trotz der vielen sich abwechselnden Stilistiken, wirkt das Album nicht stückhaft, wirkt als Einheit. Die Geschichte ist rund und auch wenn mit den bisherigen vier Tabaluga Alben große, jeden betreffende Themen behandelt wurden (Vernunft, Tod, Liebe und Glück) so scheint mir "Zeit" das intensivste Kapitel. Wohl, weil es nicht nur, wie die anderen auch, jeden betrifft, sondern zugleich allgegenwärtig ist. Zeit ist immer um uns, jede Sekunde des Lebens ist Zeit. Und die verrinnt!
Wirklich schön und sinnvoll, ist die Idee der Deluxe-Ausgabe. Die zusätzliche DVD mit Video-Clip, Making-of und Interview gehört inzwischen ja zum guten Ton und ist auch hier sehr gelungen. Die wirkliche überraschung aber ist die zweite zusätzliche CD, die nur die Songs enthält! Die Möglichkeit die Lieder auch unabhängig von der ganzen Geschichte zu hören, ist eine echte Bereicherung, denn nicht immer hat man die Zeit (da haben wir es wieder) das Album mit Muße und Hingabe zu hören. Was zwangsläufig dazu führt, daß man die Tabaluga Alben seltener hört, als andere Platten von Peter Maffay.
Es wäre wirklich ein Grund zu Jubeln, wenn die ersten vier Tabalugas auch als Doppel-CD, mit Bonus CD ohne Sprecher, neu aufgelegt würden. Die Tour Ende nächsten Jahres, oder 2013 (da wird Tabaluga 30 Menschen-Jahre alt) wären doch angemessene Anlässe für eine solche Wiederveröffentlichungs-Reihe?!
Mir bleibt nur Yaris zu danken, denn der kleine Sohn von Peter Maffay kam pünktlich zum Tour-Start der letzten Tabaluga-Tour 2003/04 zur Welt. Und eigentlich sollte (wenn auch nicht öffentlich verkündet) jenes "Tabaluga und das verschenkte Glück" schon der Abschluß der Tabaluga-Alben sein. Vater Maffay wollte aber nun doch, daß Junior dein kleinen grünen nicht nur von Fotos, CDs und DVDs her kennt, sondern ermöglichen, daß auch er ihn live erleben kann...
Also danke Yaris! Nur weil es Dich gibt, gibt es nun auch dieses wunderbare fünfte Tabaluga-Album, was vielen Menschen viel bedeuten wird, denn es unterhält nicht nur, es macht nicht nur Spaß, es schüttelt auch Erwachsene (oder gerade die, denn unsere Zeit ist knapper) ordentlich durch und hilft im eigenen Leben vielleicht ein paar Dinge zurechtzurücken, Unwichtiges auszusortieren. Um Zeit zu schaffen, für Dinge die die eigene Zeit überdauern.