Ich habe mir das Buch gekauft, um ein besseres Verständnis von TYPO3 zu bekommen. Ich habe bereits Erfahrungen mit TYPO3 und
habe meine Kenntnisse aus der grossen Anzahl von Einzeldokumenten erworben. Was dabei zu kurz kommt ist eine systematische Darstellung von TYPO3, um die Zusammenhänge, insbesondere aus Entwicklersicht zu verstehen. Leider konnte mir das vorliegende Buch in diesen Punkten auch nicht weiterhelfen. Das Buch gliedert sich in die vier Teile Grundlagen, Redakteure, Administratoren und Entwickler, wobei der Teil für Entwickler 2/3 des Buchumfanges ( ca. 600 Seiten ) ausmacht. Im folgenden kommentiere ich nur diesen Teil, weil es zu den anderen Teilen eigentlich eine Reihe von Dokumenten im Dokumentationsbereich der TYPO3 Site gibt, die diese Themen inhaltlich vergleichbar abdecken, z.B. 'quickstart', 'typoscript by example' etc.Mit großem Interesse begann ich also mit dem Teil IV für Entwickler. Bemerkte allerdings schnell, das das Buch bei weitem nicht meinen Erwartungen entsprach. So wird häufig sehr unpräzise bzw. schwammig formuliert. Zum Beispiel gleich zu Anfang des Teils auf S. 240: "..TypoScript dient als "Informationsträger. ..... Sie müssen also keine neue und vor allem keine proprietäre Sprache erlernen."
Dies ist natürlich Unsinn, denn erstens ist TypoScript eine Sprache - sie hat eine Syntax und eine Grammatik - und zweites ist sie natürlich proprietär, was sonst ? Ausserdem, nur weil sie keine Kontrollbefehle enthält, wird sie nicht zwangsläufig einfacher. Es gibt übrigens ein Fachwort für diese Art von Sprachen, man nennt sie deklarative Sprachen. Jeder Entwickler, der mit den Werkzeugen zur Generierung von Benutzeroberflächen arbeitet verwendet sie.
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Als Entwickler erwarte ich zu Beginn eines 400-seitigen Teils - speziell für Entwickler geschrieben - einen Überblick über die Architektur des Frameworks, eine Beschreibung der Komponenten und Subsysteme und welche Rollen und Aufgaben diese in dem Framework übernehmen. Wichtig dabei ist auch das Aufzeigen der Beziehungen zwischen den Komponenten bei der Durchführung bestimmter Aufgaben, z.B. was passiert beim Laden einer Extension oder bei der Anzeige einer Seite. Dazu gibt es heutzutage standardisierte Darstellungen wie Sequenz-und Klassendiagramme. So etwas wird man aber vergeblich in diesem Buch suchen.
Stattdessen findet man eine sporadische Kommentierung der Komponenten über das ganze Buch verteilt. Auf Seite 472 gibt
es ein Strukturdiagramm - eines der wenigen Diagramme auf 660 Seiten - das allerdings so allgemein ist, das man auf dieses wirklich verzichten könnte. Stattdessen werden dann Verzeichnisse und Dateien aufgelistet, ohne auf deren Bedeutung oder Funktion konkret einzugehen, anschließend werden - fast ohne Kommentierung - Bibliotheksklassen aufgelistet. Auch an vielen anderen Stellen werden Merkmale nur aufgezählt und vielleicht gerade mit ein oder zwei Sätzen kommentiert.
Ein zentraler Punkt eines Frameworks ist die Datenstruktur und insbesondere die Datenbankstruktur. In dem vorliegenden Buch gibt
es zu diesem Thema ein Diagramm, das die ca. 20 Tabellen mit den dazugehörigen Attributen darstellt. Dazu den Text
"Das Datenbankdesign von TYPO3 ist relativ einfach gehalten". Das wars dann zu diesem Thema ! Auch das Thema TCA kommt viel zu kurz, etc.
Oft wird etwas über einen ganzen Abschnitt erörtert, ohne auf den Punkt zu kommen, z.B. S.393 über "Die Funktion stdWrap".
"Die Funktion stdWrap ....... Sammlung von Eigenschaften und Funktionen ..... häufig besitzen Objekte auch eine
Eigenschaft mit den Datentyp stdWrap, die damit genau diese Funktion zur Verfügung stellt." Für den Leser ist es nicht klar ob es sich nun um eine Klasse oder Funktion oder vielleicht etwas ganz anderes ( "Schweizer Messer" ) handelt: Ich nehme an, es soll eine Klasse sein.
Die Schnittstelle zwischen PHP und TypoScript bleibt sehr vage, d.h. man kann nach der Lektüre ungefähr ahnen wie es
gehen könnte.
Ausserdem gibt es als Beispiele immer nur einzelne Codeschnipsel, es fehlt ein roter Faden in den Kapiteln, es fehlen Zusammenfassungen und Hervorhebungen, um Wichtiges von weniger Wichtigem schnell unterscheiden zu können , wie löst man bestimmte Aufgaben und Probleme, wo verwendet man welche Klassen, etc.
Die Autoren mögen zwar ausgewiesene Fachleute zum Thema typo3 sein, aber sie können dies über das Buch nicht vermitteln. Vielleicht gehöre ich auch nur nicht zur richtigen Zielgruppe des Buches !