TV on the Radio

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Biografie

Das neue Album von TV On The Radio, das wie gesagt „Nine Types Of Light“ (Interscope) heißt und am 15.04.2011 erscheint, klingt nicht nur opulent und massiv und großartig, nein, es klingt zugleich auch anders als die Vorgänger. Konnte man auf den vorangegangenen Alben noch häufig Anflüge von (Welt-)schmerz, Elend oder ganz allgemein gesagt „dystopische Züge“ raushören, findet man auf dem neuen Longplayer quasi ausschließlich Songs, auf denen Tunde Adebimpe und Kyp Malone über ihre Sehnsüchte und die Liebe singen. Das ist neu, und der Grund ist folgender: „Ich mag nun mal Liebeslieder“, so ... Lesen Sie mehr

Das neue Album von TV On The Radio, das wie gesagt „Nine Types Of Light“ (Interscope) heißt und am 15.04.2011 erscheint, klingt nicht nur opulent und massiv und großartig, nein, es klingt zugleich auch anders als die Vorgänger. Konnte man auf den vorangegangenen Alben noch häufig Anflüge von (Welt-)schmerz, Elend oder ganz allgemein gesagt „dystopische Züge“ raushören, findet man auf dem neuen Longplayer quasi ausschließlich Songs, auf denen Tunde Adebimpe und Kyp Malone über ihre Sehnsüchte und die Liebe singen. Das ist neu, und der Grund ist folgender: „Ich mag nun mal Liebeslieder“, so Tunde. „Es gibt also keine besonders krassen News aus meinem Privatleben, die das jetzt irgendwie ausgelöst hätten. Ich mag einfach den Aufbau von Liebesliedern, die Poesie.“ Kyp ergänzt, dass das neue Album zwar durchaus „positiver“ oder „optimistischer“ klingen mag, allerdings gab es dahingehend keinerlei Vorgaben oder im Vorfeld abgesteckte Ziele. „Wir haben das früher mal ausprobiert, so mit großen Konzepten zu arbeiten, aber weit sind wir damit nicht gekommen. Organisch wachsen kann das alles eher, weil wir einfach Zeit miteinander verbringen, zusammen sind und uns permanent austauschen.“

Auch wenn „Nine Types Of Light“ auf den ersten Blick also wie ein Album wirkt, das größtenteils aus Liebesliedern besteht, liegt die exakte Bedeutung der Songtexte oftmals doch noch etwas tiefer. Auf „You“ singt Tunde zum Beispiel folgende Worte im Refrain – „you’re the only one I have ever loved.“ Seine Stimme klingt dabei dermaßen ehrlich und aufrichtig, dass man ihm diese grenzenlose und unerreichte Liebe sofort abnimmt. Doch der Schein trügt, wie Tunde erklärt: „In dem Song geht es um dieses Gefühl, das sich manchmal einstellt, wenn man einem anderen Menschen seine Liebe zeigen will, aber dann doch nur auf diese wunderschön klingenden Floskeln zurückgreift: ‘You’re the only one I have ever loved’? Die einzige? Sicher? Eigentlich ganz schön grausam, einem anderen Menschen diese Zeile an den Kopf zu werfen – denn mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich dabei um eine Lüge.“

„Nine Types Of Light“ ist bereits das vierte Album von TV On The Radio. Allerdings sollte man es vielleicht besser als „das vierte richtige Studioalbum“ der Band bezeichnen; schon vor diesen vier Alben hatten sie eine EP veröffentlicht – „Young Liars“ – sowie eine handgemachte CD mit 18 Tracks namens „OK Calculator“ (Thom Yorke und Co. lassen natürlich grüßen), die gemeinhin eher als Demotape eingestuft wird (was in erster Linie am gewählten Vertriebsweg liegen dürfte: „Vertrieben“ wurde „OK Calculator“ nämlich nur, indem die CDs unter irgendwelchen Sofakissen in diversen New Yorker Cafés deponiert wurden – einfach so zum Mitnehmen). Nachdem ihr offizielles Debüt „Desperate Youth, Blood Thirsty Babes“ ihnen auf Anhieb den Shortlist Prize beschert hatte, war „Return To Cookie Mountain“ (2006) ein dermaßen großer Wurf, dass sich hier mal alle einig waren: Das Feedback war rund um den Globus überwältigend, TVOTR schlagartig in aller Munde. Der US-Rolling Stone nannte die LP die „vielleicht eigentümlich-schönste, psychedelischste und anspruchsvollste Scheibe des Jahres“, wobei auch die New York Times in den Lobgesang einstimmte: „Sie klingt experimenteller und doch eingängiger, introspektiver und doch zuversichtlicher, wahlweise düsterer oder lustiger, und insgesamt einfach sehr viel satter was Sound und Tiefgang betrifft. ‘Return To Cookie Mountain’ ist ganz klar eine der besten Platten des Jahres.“

„Nine Types Of Light“ ist nun also der Nachfolger des grandiosen „Dear Science“-Albums aus dem Jahr 2008, mit dem TVOTR der absolute Durchbruch gelang: Album des Jahres bei etlichen Medien (unter anderem dem Rolling Stone, Spin, Pitchfork, Entertainment Weekly und MTV), und die Tour zur Veröffentlichung dieses dritten Albums bescherte der Band ein ganzes Jahr lang ausverkaufte Shows in aller Welt. Spätestens da waren sie buchstäblich ÜBERALL – und doch wurden TV On The Radio noch immer als „Brooklyn-Band“ eingestuft. Was ja grundsätzlich nichts Schlechtes ist. Denn die Gruppe – bestehend aus Tunde Adebimpe, Kyp Malone, Dave Sitek, Jaleel Bunton und Gerard Smith – kommt in der Tat aus dem schönen Brooklyn.

Allerdings braucht man hin und wieder ja doch einen Tapetenwechsel: „Nine Types Of Light“ haben TV On The Radio in Los Angeles aufgenommen; ein absolutes Novum, nachdem sie all ihre vorherigen Aufnahmen in Brooklyn gemacht hatten. 2010 zog Dave Sitek, umtriebiger Produzent, Multiinstrumentalist und Gelegenheitsbeatboxer der Band, jedoch in die Engelsstadt an der Westküste, weil er Lust auf Veränderung hatte. So entstand „Nine Types Of Light“ schließlich in seinem eigenen Studio. Allerdings liefen die Aufnahmen außerhalb der gewohnten (Kiez-)Grenzen von Greenpoint und Williamsburg gar nicht so traumhaft ab, wie man das vielleicht erwarten würde; was jedoch keinesfalls an irgendeiner Form von „L.A.-Hass“ lag, wie ihn manch anderer New Yorker vielleicht an den Tag legen mag. „Genau genommen finde ich Los Angeles sogar richtig großartig“, sagt Jaleel. „Doch wenn es da so etwas wie ein Künstlerviertel gibt, eine Gegend, in die man sich zurückziehen und dort kreativ sein kann, dann waren wir im exakten Gegenteil davon.“

„Das war in so einem hochmodernen Einkaufszentrum ganz in der Nähe vom Rodeo Drive, und das Modern Institute of Plastic Surgery war auch nur ein paar Blöcke entfernt“, berichtet Tunde weiterhin. „Auf unserem Stockwerk waren die ganze Zeit über irgendwelche Bauarbeiter am Werk. Das war nicht einfach nur hart und erbärmlich – sagen wir eher so: Wenn ich als Hausierer arbeiten würde, wäre das der Ort, an dem ich mir spontan die Pulsadern aufschlitzen würde.“

„Nine Types Of Light“ wurde innerhalb von rund drei Monaten geschrieben und aufgenommen, womit dieses Mal alles etwas schneller lief als bei den Vorgängern.

Auch wenn das eigentlich klar sein sollte: TV On The Radio schreiben keine klassischen Popsongs. Sie bewegen sich abseits der üblichen Strukturen: Sie schlagen vielmehr zwei bis drei Haken pro Song und verbinden ganz unterschiedliche Ansätze in einem Track. Verzerrte Gitarrensounds, mäandernde oder im Hall ertränkte Bassläufe – die Songs von TVOTR zeichnen sich durch eine unterschwellige Energie aus, die jeden Moment zu explodieren droht, und dieser Druck, diese Spannung sorgt dafür, dass ihr Sound dermaßen unter die Haut geht. Inzwischen ist dieses explosive Potenzial wohl zu ihrem Markenzeichen geworden, besonders in Kombination mit Tundes gelassenem Gesang. Zugegeben, manche der neuen Songs sind einfacher gestrickt als man das von ihnen kennt. „Will Do“ beginnt mit einem Windspiel, bis das bekannte Brummen und Surren einsetzt, während Tunde über seine unbeherrschbaren Gefühle für eine Frau singt, die diese Liebe nicht erwidern will. „Ich würde schon sagen, dass die Songs auf der neuen Platte irgendwie einfacher aufgebaut sind“, sagt er selbst. „Doch könnte das auch daran liegen, dass wir einfach besser geworden sind als Musiker.“

Zu den weiteren Tracks von „Nine Types Of Light“ zählen das eher in Richtung Postrock und dabei vor allem nach vorne gehende „No Future“ (hier steuert Kyp den Gesang bei) oder auch das von Achtziger-Rap beeinflusste „Caffeinated Consciousness“, das fast schon ein wenig an die Gruppe Big Audio Dynamite erinnert. Und dann gibt es noch zwei Stücke, „All Falls Down“ und „The Troubles“, die zusätzlich auf der Deluxe-Edition des Albums enthalten sind.

„Nine Types Of Light“ mag auf den ersten Blick nach einer seltsamen Wahl für einen Albumtitel klingen. Vielleicht eine Anspielung auf irgendein obskures Naturgesetz, irgendwas mit Lichtbrechung oder so. Oder eine umfassende Theorie über Film- und Fototechniken. Jedoch bezieht sich der Albumtitel auf nichts Konkretes, wie die Band berichtet. Keine versteckten Anspielungen, keine kryptischen Bedeutungen: „Es ist einfach nur so eine Sache, die mir irgendwie nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte“, berichtet Tunde. „Ich fand das halt interessant, dass dieser Satz, in dem es nur um neun Arten von Licht geht, zwangsläufig Milliarden von anderen Arten ausschließt. Ich mag diese Beliebigkeit, diese gewisse Unschärfe daran.“ In anderen Worten: Man sollte Tunde besser nicht dazu auffordern, die neun Lichtarten aufzuzählen, auf die er sich mit dem Titel bezieht...

Es gibt da so einen klassischen Zyklus, eine Vorgehensweise, nach der so gut wie alle Bands operieren. Im Zentrum stehen dabei die Albumveröffentlichungen: Erst wird die Platte aufgenommen, dann veröffentlicht, und dann kommt die Tour zum Album, schließlich will man das Ganze ja auch live präsentieren. Für eine Band mit einer loyalen und zugleich stetig wachsenden Fangemeinde wie TVOTR kann dieser Zyklus schon mal zwei Jahre dauern, was ziemlich lang ist, wenn man bedenkt, wie viel (kreative) Energie das alles kostet. Man kann dabei ganz schön ausbrennen – und genau so kam es dann auch nach „Dear Science“. „Als wir das letzte Konzert zum letzten Album gespielt hatten, wollte ich alles machen – nur nichts, was mit Musik zu hat“, so Tunde. „Das ganze war eine dermaßen heftige und intensive Zeit gewesen, womit ich jetzt gar nicht sagen will, dass es unglaublich gut oder schlecht war – es war einfach nur heftig. Intensiv. Ich hab danach sehr viel geschrieben und gezeichnet.“ Gerard Smith über seine Erfahrungen: „Indem wir nach so einem Zyklus eine Pause einlegen, können wir uns auf all die anderen Dinge konzentrieren, die wir auch noch machen wollen. Wir konnten so ein wenig Druck ablassen und dann konzentriert wieder an die Arbeit gehen. Schließlich wollen wir nie an den Punkt kommen, an dem sich diese Band wie Arbeit, wie ein Job anfühlt.“

So groß- und einzigartig TV On The Radio auch sind – und so sehr sie dafür in aller Welt gefeiert werden –, reicht diese Band dann doch noch nicht aus, um den kreativen Durst der fünf Mitglieder zu stillen. Folglich haben sie die Zeit zwischen den Albumveröffentlichungen immer wieder genutzt, um andere Projekte zu verfolgen: Tunde und Gerard haben den Soundtrack für den Film „The Lottery“ geschrieben, einen Dokumentarfilm über das öffentliche Bildungssystem der USA (am Beispiel der Success Academy in Harlem). Außerdem hat Tunde an einer Serie von Kurzfilmen gearbeitet, die, wie er sagt, vielleicht sogar irgendwann mal gezeigt werden soll – vielleicht jedoch auch nicht. Und dann hat er natürlich in dem für einen Oscar nominierten Kinofilm „Rachels Hochzeit“ mitgespielt. Gerard hingegen hat auf eigene Faust Musik gemacht und war als Produzent für die New Yorker Band Midnight Masses aktiv. Jaleel hat in der Phase zwischen den Alben das Schlagzeug ausnahmsweise links liegen lassen; stattdessen hat er mal wieder Gitarre gespielt, schließlich war das sein erstes Instrument. Außerdem spielte in der Blues- und Gospel-Combo Reverend Vince Anderson & His Love Choir (nicht nur ein großartiger Name, sondern auch „eines der besten Konzerte, das ich jemals gegeben habe“, wie Jaleel berichtet). Darüber hinaus konnte man bei ihm auch weiterhin sein Bier bestellen, denn er ist nach wie vor regelmäßig in der legendären Bar Max Fish in der Lower East Side hinterm Tresen anzutreffen.

Dave Sitek hat zwischenzeitlich unter dem Namen Maximum Balloon sein Soloalbum veröffentlicht (auf DGC/Interscope); zu den Albumgästen zählten in diesem Fall Freunde wie Karen O, Theophilus London und David Byrne. Zudem hat er mit diversen anderen Künstlern gearbeitet und deren Alben produziert – unter anderem war er mit den Yeah Yeah Yeahs, Wale und Holly Miranda im Studio. Vor gar nicht lange Zeit wurde bekannt, dass er darüber hinaus für das nächste Album von Jane’s Addiction als Bassist und Produzent in Aktion treten wird. Kyp hat sein Soloalbum unter dem Namen Rain Machine veröffentlicht und ein paar kürzere Tourneen absolviert – eine davon mit Jolie Holland, einer befreundeten Singer-Songwriterin aus San Francisco. Auch wenn man annehmen würde, dass die Mitglieder von TVOTR nach einer längeren Aufnahme- und Tourphase erst mal die Nase voll haben und man sie mit weiteren Gigs und Sessions jagen kann (und teilweise trifft das ja durchaus zu), sah Kyp das ganz anders: „Ich habe das Gefühl, dass ich jedes Mal als Musiker daran wachse, wenn ich diesen Zyklus mitmache: an einem Album mitarbeite, es live auf Tour präsentiere und mit verschiedenen Musikern spiele und dadurch rein menschlich in neue Situationen komme. All diese Erfahrungen prägen mich und beeinflussen mein Verständnis davon, was Musik sein kann.“

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

Das neue Album von TV On The Radio, das wie gesagt „Nine Types Of Light“ (Interscope) heißt und am 15.04.2011 erscheint, klingt nicht nur opulent und massiv und großartig, nein, es klingt zugleich auch anders als die Vorgänger. Konnte man auf den vorangegangenen Alben noch häufig Anflüge von (Welt-)schmerz, Elend oder ganz allgemein gesagt „dystopische Züge“ raushören, findet man auf dem neuen Longplayer quasi ausschließlich Songs, auf denen Tunde Adebimpe und Kyp Malone über ihre Sehnsüchte und die Liebe singen. Das ist neu, und der Grund ist folgender: „Ich mag nun mal Liebeslieder“, so Tunde. „Es gibt also keine besonders krassen News aus meinem Privatleben, die das jetzt irgendwie ausgelöst hätten. Ich mag einfach den Aufbau von Liebesliedern, die Poesie.“ Kyp ergänzt, dass das neue Album zwar durchaus „positiver“ oder „optimistischer“ klingen mag, allerdings gab es dahingehend keinerlei Vorgaben oder im Vorfeld abgesteckte Ziele. „Wir haben das früher mal ausprobiert, so mit großen Konzepten zu arbeiten, aber weit sind wir damit nicht gekommen. Organisch wachsen kann das alles eher, weil wir einfach Zeit miteinander verbringen, zusammen sind und uns permanent austauschen.“

Auch wenn „Nine Types Of Light“ auf den ersten Blick also wie ein Album wirkt, das größtenteils aus Liebesliedern besteht, liegt die exakte Bedeutung der Songtexte oftmals doch noch etwas tiefer. Auf „You“ singt Tunde zum Beispiel folgende Worte im Refrain – „you’re the only one I have ever loved.“ Seine Stimme klingt dabei dermaßen ehrlich und aufrichtig, dass man ihm diese grenzenlose und unerreichte Liebe sofort abnimmt. Doch der Schein trügt, wie Tunde erklärt: „In dem Song geht es um dieses Gefühl, das sich manchmal einstellt, wenn man einem anderen Menschen seine Liebe zeigen will, aber dann doch nur auf diese wunderschön klingenden Floskeln zurückgreift: ‘You’re the only one I have ever loved’? Die einzige? Sicher? Eigentlich ganz schön grausam, einem anderen Menschen diese Zeile an den Kopf zu werfen – denn mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich dabei um eine Lüge.“

„Nine Types Of Light“ ist bereits das vierte Album von TV On The Radio. Allerdings sollte man es vielleicht besser als „das vierte richtige Studioalbum“ der Band bezeichnen; schon vor diesen vier Alben hatten sie eine EP veröffentlicht – „Young Liars“ – sowie eine handgemachte CD mit 18 Tracks namens „OK Calculator“ (Thom Yorke und Co. lassen natürlich grüßen), die gemeinhin eher als Demotape eingestuft wird (was in erster Linie am gewählten Vertriebsweg liegen dürfte: „Vertrieben“ wurde „OK Calculator“ nämlich nur, indem die CDs unter irgendwelchen Sofakissen in diversen New Yorker Cafés deponiert wurden – einfach so zum Mitnehmen). Nachdem ihr offizielles Debüt „Desperate Youth, Blood Thirsty Babes“ ihnen auf Anhieb den Shortlist Prize beschert hatte, war „Return To Cookie Mountain“ (2006) ein dermaßen großer Wurf, dass sich hier mal alle einig waren: Das Feedback war rund um den Globus überwältigend, TVOTR schlagartig in aller Munde. Der US-Rolling Stone nannte die LP die „vielleicht eigentümlich-schönste, psychedelischste und anspruchsvollste Scheibe des Jahres“, wobei auch die New York Times in den Lobgesang einstimmte: „Sie klingt experimenteller und doch eingängiger, introspektiver und doch zuversichtlicher, wahlweise düsterer oder lustiger, und insgesamt einfach sehr viel satter was Sound und Tiefgang betrifft. ‘Return To Cookie Mountain’ ist ganz klar eine der besten Platten des Jahres.“

„Nine Types Of Light“ ist nun also der Nachfolger des grandiosen „Dear Science“-Albums aus dem Jahr 2008, mit dem TVOTR der absolute Durchbruch gelang: Album des Jahres bei etlichen Medien (unter anderem dem Rolling Stone, Spin, Pitchfork, Entertainment Weekly und MTV), und die Tour zur Veröffentlichung dieses dritten Albums bescherte der Band ein ganzes Jahr lang ausverkaufte Shows in aller Welt. Spätestens da waren sie buchstäblich ÜBERALL – und doch wurden TV On The Radio noch immer als „Brooklyn-Band“ eingestuft. Was ja grundsätzlich nichts Schlechtes ist. Denn die Gruppe – bestehend aus Tunde Adebimpe, Kyp Malone, Dave Sitek, Jaleel Bunton und Gerard Smith – kommt in der Tat aus dem schönen Brooklyn.

Allerdings braucht man hin und wieder ja doch einen Tapetenwechsel: „Nine Types Of Light“ haben TV On The Radio in Los Angeles aufgenommen; ein absolutes Novum, nachdem sie all ihre vorherigen Aufnahmen in Brooklyn gemacht hatten. 2010 zog Dave Sitek, umtriebiger Produzent, Multiinstrumentalist und Gelegenheitsbeatboxer der Band, jedoch in die Engelsstadt an der Westküste, weil er Lust auf Veränderung hatte. So entstand „Nine Types Of Light“ schließlich in seinem eigenen Studio. Allerdings liefen die Aufnahmen außerhalb der gewohnten (Kiez-)Grenzen von Greenpoint und Williamsburg gar nicht so traumhaft ab, wie man das vielleicht erwarten würde; was jedoch keinesfalls an irgendeiner Form von „L.A.-Hass“ lag, wie ihn manch anderer New Yorker vielleicht an den Tag legen mag. „Genau genommen finde ich Los Angeles sogar richtig großartig“, sagt Jaleel. „Doch wenn es da so etwas wie ein Künstlerviertel gibt, eine Gegend, in die man sich zurückziehen und dort kreativ sein kann, dann waren wir im exakten Gegenteil davon.“

„Das war in so einem hochmodernen Einkaufszentrum ganz in der Nähe vom Rodeo Drive, und das Modern Institute of Plastic Surgery war auch nur ein paar Blöcke entfernt“, berichtet Tunde weiterhin. „Auf unserem Stockwerk waren die ganze Zeit über irgendwelche Bauarbeiter am Werk. Das war nicht einfach nur hart und erbärmlich – sagen wir eher so: Wenn ich als Hausierer arbeiten würde, wäre das der Ort, an dem ich mir spontan die Pulsadern aufschlitzen würde.“

„Nine Types Of Light“ wurde innerhalb von rund drei Monaten geschrieben und aufgenommen, womit dieses Mal alles etwas schneller lief als bei den Vorgängern.

Auch wenn das eigentlich klar sein sollte: TV On The Radio schreiben keine klassischen Popsongs. Sie bewegen sich abseits der üblichen Strukturen: Sie schlagen vielmehr zwei bis drei Haken pro Song und verbinden ganz unterschiedliche Ansätze in einem Track. Verzerrte Gitarrensounds, mäandernde oder im Hall ertränkte Bassläufe – die Songs von TVOTR zeichnen sich durch eine unterschwellige Energie aus, die jeden Moment zu explodieren droht, und dieser Druck, diese Spannung sorgt dafür, dass ihr Sound dermaßen unter die Haut geht. Inzwischen ist dieses explosive Potenzial wohl zu ihrem Markenzeichen geworden, besonders in Kombination mit Tundes gelassenem Gesang. Zugegeben, manche der neuen Songs sind einfacher gestrickt als man das von ihnen kennt. „Will Do“ beginnt mit einem Windspiel, bis das bekannte Brummen und Surren einsetzt, während Tunde über seine unbeherrschbaren Gefühle für eine Frau singt, die diese Liebe nicht erwidern will. „Ich würde schon sagen, dass die Songs auf der neuen Platte irgendwie einfacher aufgebaut sind“, sagt er selbst. „Doch könnte das auch daran liegen, dass wir einfach besser geworden sind als Musiker.“

Zu den weiteren Tracks von „Nine Types Of Light“ zählen das eher in Richtung Postrock und dabei vor allem nach vorne gehende „No Future“ (hier steuert Kyp den Gesang bei) oder auch das von Achtziger-Rap beeinflusste „Caffeinated Consciousness“, das fast schon ein wenig an die Gruppe Big Audio Dynamite erinnert. Und dann gibt es noch zwei Stücke, „All Falls Down“ und „The Troubles“, die zusätzlich auf der Deluxe-Edition des Albums enthalten sind.

„Nine Types Of Light“ mag auf den ersten Blick nach einer seltsamen Wahl für einen Albumtitel klingen. Vielleicht eine Anspielung auf irgendein obskures Naturgesetz, irgendwas mit Lichtbrechung oder so. Oder eine umfassende Theorie über Film- und Fototechniken. Jedoch bezieht sich der Albumtitel auf nichts Konkretes, wie die Band berichtet. Keine versteckten Anspielungen, keine kryptischen Bedeutungen: „Es ist einfach nur so eine Sache, die mir irgendwie nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte“, berichtet Tunde. „Ich fand das halt interessant, dass dieser Satz, in dem es nur um neun Arten von Licht geht, zwangsläufig Milliarden von anderen Arten ausschließt. Ich mag diese Beliebigkeit, diese gewisse Unschärfe daran.“ In anderen Worten: Man sollte Tunde besser nicht dazu auffordern, die neun Lichtarten aufzuzählen, auf die er sich mit dem Titel bezieht...

Es gibt da so einen klassischen Zyklus, eine Vorgehensweise, nach der so gut wie alle Bands operieren. Im Zentrum stehen dabei die Albumveröffentlichungen: Erst wird die Platte aufgenommen, dann veröffentlicht, und dann kommt die Tour zum Album, schließlich will man das Ganze ja auch live präsentieren. Für eine Band mit einer loyalen und zugleich stetig wachsenden Fangemeinde wie TVOTR kann dieser Zyklus schon mal zwei Jahre dauern, was ziemlich lang ist, wenn man bedenkt, wie viel (kreative) Energie das alles kostet. Man kann dabei ganz schön ausbrennen – und genau so kam es dann auch nach „Dear Science“. „Als wir das letzte Konzert zum letzten Album gespielt hatten, wollte ich alles machen – nur nichts, was mit Musik zu hat“, so Tunde. „Das ganze war eine dermaßen heftige und intensive Zeit gewesen, womit ich jetzt gar nicht sagen will, dass es unglaublich gut oder schlecht war – es war einfach nur heftig. Intensiv. Ich hab danach sehr viel geschrieben und gezeichnet.“ Gerard Smith über seine Erfahrungen: „Indem wir nach so einem Zyklus eine Pause einlegen, können wir uns auf all die anderen Dinge konzentrieren, die wir auch noch machen wollen. Wir konnten so ein wenig Druck ablassen und dann konzentriert wieder an die Arbeit gehen. Schließlich wollen wir nie an den Punkt kommen, an dem sich diese Band wie Arbeit, wie ein Job anfühlt.“

So groß- und einzigartig TV On The Radio auch sind – und so sehr sie dafür in aller Welt gefeiert werden –, reicht diese Band dann doch noch nicht aus, um den kreativen Durst der fünf Mitglieder zu stillen. Folglich haben sie die Zeit zwischen den Albumveröffentlichungen immer wieder genutzt, um andere Projekte zu verfolgen: Tunde und Gerard haben den Soundtrack für den Film „The Lottery“ geschrieben, einen Dokumentarfilm über das öffentliche Bildungssystem der USA (am Beispiel der Success Academy in Harlem). Außerdem hat Tunde an einer Serie von Kurzfilmen gearbeitet, die, wie er sagt, vielleicht sogar irgendwann mal gezeigt werden soll – vielleicht jedoch auch nicht. Und dann hat er natürlich in dem für einen Oscar nominierten Kinofilm „Rachels Hochzeit“ mitgespielt. Gerard hingegen hat auf eigene Faust Musik gemacht und war als Produzent für die New Yorker Band Midnight Masses aktiv. Jaleel hat in der Phase zwischen den Alben das Schlagzeug ausnahmsweise links liegen lassen; stattdessen hat er mal wieder Gitarre gespielt, schließlich war das sein erstes Instrument. Außerdem spielte in der Blues- und Gospel-Combo Reverend Vince Anderson & His Love Choir (nicht nur ein großartiger Name, sondern auch „eines der besten Konzerte, das ich jemals gegeben habe“, wie Jaleel berichtet). Darüber hinaus konnte man bei ihm auch weiterhin sein Bier bestellen, denn er ist nach wie vor regelmäßig in der legendären Bar Max Fish in der Lower East Side hinterm Tresen anzutreffen.

Dave Sitek hat zwischenzeitlich unter dem Namen Maximum Balloon sein Soloalbum veröffentlicht (auf DGC/Interscope); zu den Albumgästen zählten in diesem Fall Freunde wie Karen O, Theophilus London und David Byrne. Zudem hat er mit diversen anderen Künstlern gearbeitet und deren Alben produziert – unter anderem war er mit den Yeah Yeah Yeahs, Wale und Holly Miranda im Studio. Vor gar nicht lange Zeit wurde bekannt, dass er darüber hinaus für das nächste Album von Jane’s Addiction als Bassist und Produzent in Aktion treten wird. Kyp hat sein Soloalbum unter dem Namen Rain Machine veröffentlicht und ein paar kürzere Tourneen absolviert – eine davon mit Jolie Holland, einer befreundeten Singer-Songwriterin aus San Francisco. Auch wenn man annehmen würde, dass die Mitglieder von TVOTR nach einer längeren Aufnahme- und Tourphase erst mal die Nase voll haben und man sie mit weiteren Gigs und Sessions jagen kann (und teilweise trifft das ja durchaus zu), sah Kyp das ganz anders: „Ich habe das Gefühl, dass ich jedes Mal als Musiker daran wachse, wenn ich diesen Zyklus mitmache: an einem Album mitarbeite, es live auf Tour präsentiere und mit verschiedenen Musikern spiele und dadurch rein menschlich in neue Situationen komme. All diese Erfahrungen prägen mich und beeinflussen mein Verständnis davon, was Musik sein kann.“

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

Das neue Album von TV On The Radio, das wie gesagt „Nine Types Of Light“ (Interscope) heißt und am 15.04.2011 erscheint, klingt nicht nur opulent und massiv und großartig, nein, es klingt zugleich auch anders als die Vorgänger. Konnte man auf den vorangegangenen Alben noch häufig Anflüge von (Welt-)schmerz, Elend oder ganz allgemein gesagt „dystopische Züge“ raushören, findet man auf dem neuen Longplayer quasi ausschließlich Songs, auf denen Tunde Adebimpe und Kyp Malone über ihre Sehnsüchte und die Liebe singen. Das ist neu, und der Grund ist folgender: „Ich mag nun mal Liebeslieder“, so Tunde. „Es gibt also keine besonders krassen News aus meinem Privatleben, die das jetzt irgendwie ausgelöst hätten. Ich mag einfach den Aufbau von Liebesliedern, die Poesie.“ Kyp ergänzt, dass das neue Album zwar durchaus „positiver“ oder „optimistischer“ klingen mag, allerdings gab es dahingehend keinerlei Vorgaben oder im Vorfeld abgesteckte Ziele. „Wir haben das früher mal ausprobiert, so mit großen Konzepten zu arbeiten, aber weit sind wir damit nicht gekommen. Organisch wachsen kann das alles eher, weil wir einfach Zeit miteinander verbringen, zusammen sind und uns permanent austauschen.“

Auch wenn „Nine Types Of Light“ auf den ersten Blick also wie ein Album wirkt, das größtenteils aus Liebesliedern besteht, liegt die exakte Bedeutung der Songtexte oftmals doch noch etwas tiefer. Auf „You“ singt Tunde zum Beispiel folgende Worte im Refrain – „you’re the only one I have ever loved.“ Seine Stimme klingt dabei dermaßen ehrlich und aufrichtig, dass man ihm diese grenzenlose und unerreichte Liebe sofort abnimmt. Doch der Schein trügt, wie Tunde erklärt: „In dem Song geht es um dieses Gefühl, das sich manchmal einstellt, wenn man einem anderen Menschen seine Liebe zeigen will, aber dann doch nur auf diese wunderschön klingenden Floskeln zurückgreift: ‘You’re the only one I have ever loved’? Die einzige? Sicher? Eigentlich ganz schön grausam, einem anderen Menschen diese Zeile an den Kopf zu werfen – denn mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich dabei um eine Lüge.“

„Nine Types Of Light“ ist bereits das vierte Album von TV On The Radio. Allerdings sollte man es vielleicht besser als „das vierte richtige Studioalbum“ der Band bezeichnen; schon vor diesen vier Alben hatten sie eine EP veröffentlicht – „Young Liars“ – sowie eine handgemachte CD mit 18 Tracks namens „OK Calculator“ (Thom Yorke und Co. lassen natürlich grüßen), die gemeinhin eher als Demotape eingestuft wird (was in erster Linie am gewählten Vertriebsweg liegen dürfte: „Vertrieben“ wurde „OK Calculator“ nämlich nur, indem die CDs unter irgendwelchen Sofakissen in diversen New Yorker Cafés deponiert wurden – einfach so zum Mitnehmen). Nachdem ihr offizielles Debüt „Desperate Youth, Blood Thirsty Babes“ ihnen auf Anhieb den Shortlist Prize beschert hatte, war „Return To Cookie Mountain“ (2006) ein dermaßen großer Wurf, dass sich hier mal alle einig waren: Das Feedback war rund um den Globus überwältigend, TVOTR schlagartig in aller Munde. Der US-Rolling Stone nannte die LP die „vielleicht eigentümlich-schönste, psychedelischste und anspruchsvollste Scheibe des Jahres“, wobei auch die New York Times in den Lobgesang einstimmte: „Sie klingt experimenteller und doch eingängiger, introspektiver und doch zuversichtlicher, wahlweise düsterer oder lustiger, und insgesamt einfach sehr viel satter was Sound und Tiefgang betrifft. ‘Return To Cookie Mountain’ ist ganz klar eine der besten Platten des Jahres.“

„Nine Types Of Light“ ist nun also der Nachfolger des grandiosen „Dear Science“-Albums aus dem Jahr 2008, mit dem TVOTR der absolute Durchbruch gelang: Album des Jahres bei etlichen Medien (unter anderem dem Rolling Stone, Spin, Pitchfork, Entertainment Weekly und MTV), und die Tour zur Veröffentlichung dieses dritten Albums bescherte der Band ein ganzes Jahr lang ausverkaufte Shows in aller Welt. Spätestens da waren sie buchstäblich ÜBERALL – und doch wurden TV On The Radio noch immer als „Brooklyn-Band“ eingestuft. Was ja grundsätzlich nichts Schlechtes ist. Denn die Gruppe – bestehend aus Tunde Adebimpe, Kyp Malone, Dave Sitek, Jaleel Bunton und Gerard Smith – kommt in der Tat aus dem schönen Brooklyn.

Allerdings braucht man hin und wieder ja doch einen Tapetenwechsel: „Nine Types Of Light“ haben TV On The Radio in Los Angeles aufgenommen; ein absolutes Novum, nachdem sie all ihre vorherigen Aufnahmen in Brooklyn gemacht hatten. 2010 zog Dave Sitek, umtriebiger Produzent, Multiinstrumentalist und Gelegenheitsbeatboxer der Band, jedoch in die Engelsstadt an der Westküste, weil er Lust auf Veränderung hatte. So entstand „Nine Types Of Light“ schließlich in seinem eigenen Studio. Allerdings liefen die Aufnahmen außerhalb der gewohnten (Kiez-)Grenzen von Greenpoint und Williamsburg gar nicht so traumhaft ab, wie man das vielleicht erwarten würde; was jedoch keinesfalls an irgendeiner Form von „L.A.-Hass“ lag, wie ihn manch anderer New Yorker vielleicht an den Tag legen mag. „Genau genommen finde ich Los Angeles sogar richtig großartig“, sagt Jaleel. „Doch wenn es da so etwas wie ein Künstlerviertel gibt, eine Gegend, in die man sich zurückziehen und dort kreativ sein kann, dann waren wir im exakten Gegenteil davon.“

„Das war in so einem hochmodernen Einkaufszentrum ganz in der Nähe vom Rodeo Drive, und das Modern Institute of Plastic Surgery war auch nur ein paar Blöcke entfernt“, berichtet Tunde weiterhin. „Auf unserem Stockwerk waren die ganze Zeit über irgendwelche Bauarbeiter am Werk. Das war nicht einfach nur hart und erbärmlich – sagen wir eher so: Wenn ich als Hausierer arbeiten würde, wäre das der Ort, an dem ich mir spontan die Pulsadern aufschlitzen würde.“

„Nine Types Of Light“ wurde innerhalb von rund drei Monaten geschrieben und aufgenommen, womit dieses Mal alles etwas schneller lief als bei den Vorgängern.

Auch wenn das eigentlich klar sein sollte: TV On The Radio schreiben keine klassischen Popsongs. Sie bewegen sich abseits der üblichen Strukturen: Sie schlagen vielmehr zwei bis drei Haken pro Song und verbinden ganz unterschiedliche Ansätze in einem Track. Verzerrte Gitarrensounds, mäandernde oder im Hall ertränkte Bassläufe – die Songs von TVOTR zeichnen sich durch eine unterschwellige Energie aus, die jeden Moment zu explodieren droht, und dieser Druck, diese Spannung sorgt dafür, dass ihr Sound dermaßen unter die Haut geht. Inzwischen ist dieses explosive Potenzial wohl zu ihrem Markenzeichen geworden, besonders in Kombination mit Tundes gelassenem Gesang. Zugegeben, manche der neuen Songs sind einfacher gestrickt als man das von ihnen kennt. „Will Do“ beginnt mit einem Windspiel, bis das bekannte Brummen und Surren einsetzt, während Tunde über seine unbeherrschbaren Gefühle für eine Frau singt, die diese Liebe nicht erwidern will. „Ich würde schon sagen, dass die Songs auf der neuen Platte irgendwie einfacher aufgebaut sind“, sagt er selbst. „Doch könnte das auch daran liegen, dass wir einfach besser geworden sind als Musiker.“

Zu den weiteren Tracks von „Nine Types Of Light“ zählen das eher in Richtung Postrock und dabei vor allem nach vorne gehende „No Future“ (hier steuert Kyp den Gesang bei) oder auch das von Achtziger-Rap beeinflusste „Caffeinated Consciousness“, das fast schon ein wenig an die Gruppe Big Audio Dynamite erinnert. Und dann gibt es noch zwei Stücke, „All Falls Down“ und „The Troubles“, die zusätzlich auf der Deluxe-Edition des Albums enthalten sind.

„Nine Types Of Light“ mag auf den ersten Blick nach einer seltsamen Wahl für einen Albumtitel klingen. Vielleicht eine Anspielung auf irgendein obskures Naturgesetz, irgendwas mit Lichtbrechung oder so. Oder eine umfassende Theorie über Film- und Fototechniken. Jedoch bezieht sich der Albumtitel auf nichts Konkretes, wie die Band berichtet. Keine versteckten Anspielungen, keine kryptischen Bedeutungen: „Es ist einfach nur so eine Sache, die mir irgendwie nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte“, berichtet Tunde. „Ich fand das halt interessant, dass dieser Satz, in dem es nur um neun Arten von Licht geht, zwangsläufig Milliarden von anderen Arten ausschließt. Ich mag diese Beliebigkeit, diese gewisse Unschärfe daran.“ In anderen Worten: Man sollte Tunde besser nicht dazu auffordern, die neun Lichtarten aufzuzählen, auf die er sich mit dem Titel bezieht...

Es gibt da so einen klassischen Zyklus, eine Vorgehensweise, nach der so gut wie alle Bands operieren. Im Zentrum stehen dabei die Albumveröffentlichungen: Erst wird die Platte aufgenommen, dann veröffentlicht, und dann kommt die Tour zum Album, schließlich will man das Ganze ja auch live präsentieren. Für eine Band mit einer loyalen und zugleich stetig wachsenden Fangemeinde wie TVOTR kann dieser Zyklus schon mal zwei Jahre dauern, was ziemlich lang ist, wenn man bedenkt, wie viel (kreative) Energie das alles kostet. Man kann dabei ganz schön ausbrennen – und genau so kam es dann auch nach „Dear Science“. „Als wir das letzte Konzert zum letzten Album gespielt hatten, wollte ich alles machen – nur nichts, was mit Musik zu hat“, so Tunde. „Das ganze war eine dermaßen heftige und intensive Zeit gewesen, womit ich jetzt gar nicht sagen will, dass es unglaublich gut oder schlecht war – es war einfach nur heftig. Intensiv. Ich hab danach sehr viel geschrieben und gezeichnet.“ Gerard Smith über seine Erfahrungen: „Indem wir nach so einem Zyklus eine Pause einlegen, können wir uns auf all die anderen Dinge konzentrieren, die wir auch noch machen wollen. Wir konnten so ein wenig Druck ablassen und dann konzentriert wieder an die Arbeit gehen. Schließlich wollen wir nie an den Punkt kommen, an dem sich diese Band wie Arbeit, wie ein Job anfühlt.“

So groß- und einzigartig TV On The Radio auch sind – und so sehr sie dafür in aller Welt gefeiert werden –, reicht diese Band dann doch noch nicht aus, um den kreativen Durst der fünf Mitglieder zu stillen. Folglich haben sie die Zeit zwischen den Albumveröffentlichungen immer wieder genutzt, um andere Projekte zu verfolgen: Tunde und Gerard haben den Soundtrack für den Film „The Lottery“ geschrieben, einen Dokumentarfilm über das öffentliche Bildungssystem der USA (am Beispiel der Success Academy in Harlem). Außerdem hat Tunde an einer Serie von Kurzfilmen gearbeitet, die, wie er sagt, vielleicht sogar irgendwann mal gezeigt werden soll – vielleicht jedoch auch nicht. Und dann hat er natürlich in dem für einen Oscar nominierten Kinofilm „Rachels Hochzeit“ mitgespielt. Gerard hingegen hat auf eigene Faust Musik gemacht und war als Produzent für die New Yorker Band Midnight Masses aktiv. Jaleel hat in der Phase zwischen den Alben das Schlagzeug ausnahmsweise links liegen lassen; stattdessen hat er mal wieder Gitarre gespielt, schließlich war das sein erstes Instrument. Außerdem spielte in der Blues- und Gospel-Combo Reverend Vince Anderson & His Love Choir (nicht nur ein großartiger Name, sondern auch „eines der besten Konzerte, das ich jemals gegeben habe“, wie Jaleel berichtet). Darüber hinaus konnte man bei ihm auch weiterhin sein Bier bestellen, denn er ist nach wie vor regelmäßig in der legendären Bar Max Fish in der Lower East Side hinterm Tresen anzutreffen.

Dave Sitek hat zwischenzeitlich unter dem Namen Maximum Balloon sein Soloalbum veröffentlicht (auf DGC/Interscope); zu den Albumgästen zählten in diesem Fall Freunde wie Karen O, Theophilus London und David Byrne. Zudem hat er mit diversen anderen Künstlern gearbeitet und deren Alben produziert – unter anderem war er mit den Yeah Yeah Yeahs, Wale und Holly Miranda im Studio. Vor gar nicht lange Zeit wurde bekannt, dass er darüber hinaus für das nächste Album von Jane’s Addiction als Bassist und Produzent in Aktion treten wird. Kyp hat sein Soloalbum unter dem Namen Rain Machine veröffentlicht und ein paar kürzere Tourneen absolviert – eine davon mit Jolie Holland, einer befreundeten Singer-Songwriterin aus San Francisco. Auch wenn man annehmen würde, dass die Mitglieder von TVOTR nach einer längeren Aufnahme- und Tourphase erst mal die Nase voll haben und man sie mit weiteren Gigs und Sessions jagen kann (und teilweise trifft das ja durchaus zu), sah Kyp das ganz anders: „Ich habe das Gefühl, dass ich jedes Mal als Musiker daran wachse, wenn ich diesen Zyklus mitmache: an einem Album mitarbeite, es live auf Tour präsentiere und mit verschiedenen Musikern spiele und dadurch rein menschlich in neue Situationen komme. All diese Erfahrungen prägen mich und beeinflussen mein Verständnis davon, was Musik sein kann.“

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