In seiner Erstauflage im August 2007 erschienen, ist "Bratislava entdecken" einer von recht wenigen Reiseführern für die Hauptstadt der Slowakischen Republik. Als 283seitiges Softcover, das dennoch bequem in jede Gesäßtasche passt, ist es unbestritten das umfangreichste Reisehandbuch, das derzeit auf dem Markt ist!
Gleichwohl der im März 2008 erschienene "Falter City Walk Bratislava: Gehen, sehen und genießen. 5 Routen durch die Hauptstadt der Slowakei. Geschichte, Kultur, Sightseeing, Essen und Trinken" von Irene Hanappi aktueller und auch preisgünstiger ist, habe ich mich aus mehreren Gründen zum Kauf von "Bratislava entdecken" entschieden. Mit dem Autor Gunnar Strunz und seinem "Königsberg entdecken" hatte ich bereits bei den Reiseplanungen und auch vor Ort in Kaliningrad sehr gute Erfahrungen gemacht. Neben dem Hauptteil zur Bratislava bietet das Buch auch reichliche Informationen über die Umgebung, wie die Kleinen Karpaten, das Donautiefland und weitere Städtchen und Ortschaften.
Der Hauptgrund für den Kauf war für timediver® jedoch, dass die Geschichte der Stadt, die deutsch Pressburg und ungarisch Pozsony genannt wird, den breitesten Raum einnimmt. Auch die Zeit des sogenannten "Tiso-Staates" (1939-1945), als Bratislava die Haupstadt eines kleriko-faschistischen Satellitenstaates Hitlers war, wird nicht ausgespart. Auch die 5000jährige Geschichte der Region wurde in großem Maße Rechnung getragen. Besonders illustrativ sind die zahlreichen historischen Landkarten.
Vor Ort haben sich die zahlreichen Karten und Lagepläne als hilfreich erwiesen. Die Altstadt Bratislavas ist zwar recht klein, weist jedoch zahlreiche Sehenswürdigkeiten, allen voran der Dóm sv. Martin, der zwischen 1583 bis 1830 als Krönungsstätte der ungarischen Könige und Königinnen diente. Besonders interessant ist, warum der Bischof von Tours und spätere St. Martin gerade hier verehrt wird. Ein Bronzeplastik in der nach ihm benannten Kathedrale stellt ihn (anachronistisch) in der Uniform eines ungarischen Husaren dar, der seinen halben Mantel ein Bettler schenkt. Der Überlieferung nach soll der spätere Heilige im Jahr 317 in Sabaria, dem späteren, ungarischen Szombathély zur Welt gekommen sein. Die Geschichte der Stadt ist zudem mit einer Reihe von Persönlichkeiten verknüft, wie Elisabeth von Ungarn (Alsbeta Durínska), die 1207 als Tochter des ungarischen Königs II. András auf der Burg geboren wurde. Auch der Universalgelehrte Wolfgang Kempelen wurde 1734 hier geboren, der jüdische Gelehrte Chatam Sofer und der Musiker Johann Nepomuk Hummel lebten und wirkten in der Stadt. Auch der Komponist Ernö von Dohnányi, der Grossvater des früheren Hamburger Oberbürgermeisters Klaus von Dohnanyi wurde 1788 in Pozsony geboren.
Zwei kleine - infolge des natürlichen Zeitablaufes unvermeidbare Inaktualitäten - sind jedoch zu nennen. Die einstige "Brezalauspurc" (S. 127 ff.) und das alte Rathaus, Stará radnica sind wegen andauernder Restaurierungsarbeiten für Besucher geschlossen. (Das kleine Burgmuseum, die ältesten Baurelikte aus dem 9. Jahrhundert und das nach Kaiser Sigismund (1368-1437) benannte Burgtor können jedoch besichtigt werden). Die als sehenswert beschriebene Innere der Salvator-Apotheke (S. 87) konnte nicht betreten werden, da sie offenbar leerstehend dem Zerfall preisgegeben wurde.
Besonders hervorzuheben ist noch die Vielzahl von Schwarz-weiß-, als auch Farbfotos. Zu Bratislava und den anderen beschriebenen Ortschaften gibt es jeweils allgemeine Informationen, Hotel-, Restaurant- & Kulturtipps, sowie die örtlichen Museen. Ein fünfseitiger Sprachführer, Literaturempfehlungen, ein Orts- und ein Sach- und Personenregister bilden den Abschluss, eines wohl konkurrenzlosen "Historischen Reisehandbuches", das mit 5 Amazonsternen zu bewerten ist.