Zugegeben, THQ und Entwickler Yukes haben im Vorfeld die Klappe ganz schön weit aufgerissen. Neues Erlebnis usw. wurde da behauptet. Dass sich WWE 12 in gewisser Weise doch von seinen SD vs. RAW Vorgängern unterscheidet, ist zwar offensichtlich, jedoch wurde auch einiges an Potential aufgrund des zwanghaften Jahresthythmus der Spielereihe einfach nicht genutzt - wohl aus Zeitmangel.
Die Präsentation wirkt nun TV-lastiger, indem es oft Schwenks nah ran und weit weg gibt. Sieht prinzipiell gut aus, aber insbesondere bei Teamkämpfen ist die Präsentation etwas fragwürdig, wenn der Team-Kollege des Teams das vorne rechts steht, sehr oft den eigenen Spieler der sich möglicherweise auf selber Höhe im Ring befindet, einfach verdeckt wird. Das nervt mich extrem, da man oft nicht alles von der Action sieht. Wieso die Kamera sich nicht dreht und man stets den Blick auf die eigene Spielfigur behält, ist mir ein Rätsel. Es gibt auch Situationen, in denen man außerhalb des Rings rumläuft, und man den kompletten Ring vor der Nase hat und seine Spielfigur und die Action die dort stattfindet, einfach nicht verfolgen kann.
Grafisch ginge natürlich noch mehr und es bleibt die Hoffnung, da man nun die alte Playstation 2 Unterstützung gestrichen hat, dass da zumindest zukünftig noch mehr passiert. Die Grafik wirkt gewohnt gut, man erkennt die Figuren, die Arenen... unansehnlich ist anders, auch wenn hier und da mal etwas grobere Texturen sichtbar sind und es in Ladesequenzen im Road To Wrestlemania Modus zu Rucklern kommt, während die Kamera durch die Publikumsmassen schwenken.
Soundtechnisch wirkt es dieses Jahr leider wieder etwas zu frontlastig. Wo ist die Räumlichkeit der Fans geblieben? Das war im 2011er Teil besser gemischt. Auch die Müdigkeit des Publikums das nie ausrastet oder im Chor irgendwas ruft, habe ich noch nicht feststellen können.
Die Kommentatoren machen einen guten Job, was letztlich zur Authentizität als "gespielte TV" sehr zuträglich ist.
Spielmodi gibt es reichlich, aber leider dort auch nichts neues wirklich neues.
Road to Wrestlemania ist zwar fürs einmalige Durchspielen ganz nett, aber dann schon wieder zu linear und beschränkt inszeniert. Da gibt es Situationen, die einfach aus kreativer Sicht total unlogisch sind.
Zb. kann ich einen Gegner nicht pinnen obwohl es ein one fall Match ist - und zwar deshalb nicht, weil der besagte Gegner in der Fortschreitung der Story bzw. des Matches eine gewichtige Rolle spielt. So spielt man also Match für Match mit teils Fokussierung auf einen Quicktime 1 Button Event, um ne Cutscene auszulösen die teils ebenso sinnlos erscheint. Erst fertigt man alle Gegner ab, die liegen benommen im Ring, löst die Cutscene aus und in eben jener wird gezeigt wie der vorher aufs übelste verprügelte Gegner einen plötzlich niedermäht und die Teamkollegen die vorher ebenfalls dem eigenen spielerischen Können zum Opfer fielen, sind in den Cutscenes nicht mehr an den Stellen befindlich...
Diese grobe Unzulänglichkeit nimmt dem ganzen RTWM Modus die Glaubwürdigkeit. Ich hab ja nichts gegen gescriptete Events, aber dann sollten sie schlüssig sein und vor allem sollte man den Spieler nicht zwingen auf eine bestimmte Weise spielen zu müssen, um erfolgreich zu sein. Wie schön waren noch die Zeiten eines Karrieremodus aus WWF No Mercy, bei dem sich Erfolge, Niederlagen und sogar der Erfolg im Royal Rumble unterschiedlich auswirkte, jenachdem wieviele Gegner man eliminierte.
All das findet sich in diesem Modus nicht, er läuft stur linear ab und daher ist die Story wenig überraschend. Spielraum etwas zu beeinflussen, gibt es nicht, einzig im Universe Modus kann ich so spielen wie ich will.
Wenn man dem Spieler schon vorgibt, wie er zu spielen hat, dass er immer zu gewinnen hat, und das man die eigenen spielerischen Leistungen auf Kosten einer festgelegten Animation quasi ad absurdum führt, ist der Schwachpunkt schlechthin.
Erst recht, wenn man in 1 vs. 3 Matches steckt, sich dem Gegner entledigen will, aber weder Finisher noch Pin oder Aufgabe funktionieren. Man deaktiviert also einfach ein paar Funktionen um die Art des Spielens zugunsten der Story zu beeinflussen... so plump hab ich das allerdings in noch keinem Videospiel gesehen. So kommt auch leicht mal Frust auf, wenn man 2 der 3 Teammitglieder dominiert und der dritte sofort nach dem Einwechseln seinen Finisher auspackt.
Generell fällt bei WWE 12 auf, das (mir zumindest) viel zu viele der Moves voll automatisiert sind. Jedes Mal wenn man denkt, "hier möchte ich jetzt aber mal selber eingreifen können" wird einem die Arbeit durch gescriptete Events abgenommen oder man hat gar keine Möglichkeit einzugreifen, wie zb. in der Situation während der Gegner einen aufs Ringseil wuchtet. Wieso kann ich da nicht mal schlagen in die Bauchgegend oder Nieren? Ich kann nur per Glücksprinzip versuchen zu kontern, was sich aber sehr schwierig gestaltet.
Es fehlt einfach die Dynamik im Spielablauf. Da die Konterpunkte immer die gleichen sind und nicht in mehreren Stufen der Move Ausführung gekontert werden kann, sieht man sich irgendwie an den Konter Geplenkeln satt. Das Spiel macht Spaß, klar - es bietet wahnsinnig viele Möglichkeiten, vor allem weil man seine eigenen Matchregeln festlegen kann, aber mehr Dynamik und weniger vorgefertigte "quasi Filmchen" wären doch mal ein Schritt in die Richtung die ich mir wünschen würde.
Die Finisher laufen voll automatisch und sehen immer gleich aus. Verschiedene Intensitäten oder geringfügige andere Bewegungen gibt es leider nicht.
Die Steuerung wirkt indes aber etwas komisch, ich habe immer noch nicht so ganz raus, wie ich quick, strong grapples usw. mache. ich bin es gewohnt das ganze mit dem rechten Analogstick zu steuern und das fühlte sich einfach harmonischer an. Jetzt wieder auf Buttons umzuwechseln fühlt sich fremd an, es geht, aber flüssig spielbar ist es für mich noch nicht.
Das liegt aber auch daran, dass die Steuerung und all ihre FAcetten in den jeweiligen Situationen sauschlecht dokumentiert ist.
Gab es in SD vs. Raw 2010 und 2011 einen Trainingsmodus, indem man verschiedene Situationen proben konnte, beschränkt sich das WWE 12 Angebot diesbezügl. auf ein sehr rudimentär gestaltetes Tutorial das nur die gröbsten Sachen behandelt. Und vom Handbuch möchte ich gar nich reden... wäre da nicht der Online Axxess aufgedruckt, hätte man das auch weglassen können. Wirklich weiterhelfen tut das nämlich nicht.
Und doch lohnt sich der Kauf von WWE 12.
Nicht nur, daß man es endlich geschafft hat ein wirklich umfangreiches Superstar Aufgebot ins Spiel zu packen, auch die Editoren für Superstars, Ring, Logos, Einzug, Videos usw. sind wahnsinnig gut, auch wenn sich im Vergleich zum Vorgänger nicht so viel in diesen Teilen getan hat.
Das beste ist jedoch, dass man über Xbox Live die Sachen mit anderen teilen kann. Was die Community dort bereitstellt an fehlenden Wrestlern und Arenen ist schon der Wahnsinn. So kann man den Universe Modus faktisch umbauen und zb. die WCW oder WWF Attitude Ära wieder aufleben lassen. Für die Community Inhalte wird aber zwingend ein XBox Live Gold Abo benötigt.
Die KI ist in diesem Jahr endlich mal fordernd. Selbst auf normaler Einstellung ist die CPU sehr aggressiv und man hat schon wirklich dran zu arbeiten den Sieg zu erringen. Hier wird einem der Sieg endlich nicht mehr geschenkt und die Schwierigkeit ist jetzt nicht mehr nur ein Unterschied in der Konterfrequenz.
WWE 12 hat einige Schwächen, keine Frage, aber dennoch bekommt man hier sehr viel geboten fürs Geld. Besonders im lokalen Multiplayer ist das Spiel immer wieder ein Hammer.
Über Xbox Live gibt es derzeit aber massive Probleme. Immer wieder sind die Server nicht erreichbar, was ich schon ziemlich frech finde. Onlinefunktionen bewerben und 1 Monat nach Veröffentlichung die Probleme immer noch nicht in den Griff kriegen, ist schon ne schwache Leistung.
Wieso sich hier über angeblich so schlehcte Grafik beschwert wird, verstehe ich nicht. ein Multiplattformtitel hat noch nie eine Plattform bis zum letzten Fitzelchen ausgereizt.
In jedem Fall wirken die Predator Technologie und die Unterbrechung von Moves und die wirklich gut agierende KI wirklich weiterentwickelt.
Natürlich ist immer Luft nach oben, dazu müsste man aber erstmal vom Jahresrhythmus abrücken und das WWE Spiel auf ein gänzlich anderes System umstellen.
Wie wärs mit einem Basisspiel, bei dem man sich neue Matcharten und das aktuelle Roster per DLC laden kann? dann hätten die Entwickler auch wieder Zeit an Innovationen zu feilen...