So in etwa könnte man Saints Row 2 untertiteln.
Das Spiel macht einfach Spaß, allerdings sollte man unbedingt darauf achten, sich die Uncut-Version zuzulegen, da teilweise so heftig und unsinnig geschnitten wurde, dass manche Missionen extrem umständlich zu absolvieren sind und andere paradoxerweise sogar mehr Gewalt erfodern, als ohne Schnitte nötig wäre. Das aber nur am Rande. Ich möchte hier wieder auf die einzelnen Punkte des Spiels eingehen:
Grafik
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Mein erster Eindruck war: "Meine Güte, sieht das alt aus!". GTA IV- und Mafia II-verwöhnt wie ich war, konnte ich mich zunächst nicht an der doch etwas blassen und steril wirkenden Darstellung der Umgebung erfreuen. Hier wäre sicherlich deutlich mehr möglich gewesen, noch dazu weil es trotz der im Vergleich relativ schlechten grafischen Präsentation immer mal wieder zu Rucklern und stockendem Spiel kommt (letzteres besonders, wenn man es mit Explosionen etc. übertreibt ;)). Nach ein bis zwei Stunden Spielzeit ist die Grafik allerdings Nebensache, da einen die Story bzw. die Erzählweise so sehr fesselt, dass man über das deutliche Manko der Grafik hinwegsieht.
Sound
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Die Soundeffekte sind gut. Nicht überragend realistisch oder basslastig. Sie passen einfach. Was man allerdings durchaus als "sehr gut" bezeichnen kann, ist der Soundtrack, der sich - analog zu GTA IV - über verschiedene Radiosender beim Fahren anhören lässt. Mit einem Kampfhubschrauber Polizisten verfolgen und dabei "The Final Countdown" von Europe hören? Kein Problem! Mit einem Rennmotorrad vor rivalisierenden Bandenmitgliedern flüchten, während die Spielfigur zu "Take On Me" von Aha singt (Kein Scherz: der Hauptdarsteller singt gelegentlich die Songs mit, die im Radio laufen!)? Ebenfalls machbar. Mit einem Löschzug Passanten nassspritzen wenn gleichzeitig Reggae zum gemütlichen Chillen einlädt? Sicher doch! Eine Playlist mit Lieblingssongs zusammenstellen und diese statt den vorgegebenen Radiosendern laufen lassen? Auch möglich, allerdings nur mit den Liedern, die mit dem Spiel kommen. Eigene Musik kann nicht eingebunden werden. Wem das auf Dauer zu ablenkend ist, schaltet das Radio einfach ab und konzentriert sich auf das Spiel.
Steuerung/Gameplay
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Hier gibts nicht viel zu sagen, sofern man andere 3rd-Person-Sandbox-Spiele gespielt hat. Die Steuerung ist fast identisch zu GTA oder RDR. Es gibt verschiedene Controller-Sets, die man auswählen kann, aber kompliziert ist keine davon. Leider fehlt ein Deckungssystem, sodass man auf höheren Schwierigkeitsgraden vorsichtiger als bei anderen Spielen dieser Art agieren muss. Für mich besonders positiv im Vergleich zu GTA IV war, dass die Kamera nicht permanent hinter das Fahrzeug zurückschwingt. Gerade bei Verfolgungsjagden war das ein Frustpunkt, denn wer will schon gerne beim Fahren noch alle paar Sekunden die Kamera neu ausrichten, damit man sieht, was man über den Haufen fährt? ;)
Ein weiterer Punkt, der das Spiel allerdings schon wieder fast zu einfach macht (zumindest auf leichten Schwierigkeitsgraden), ist die Gesundheitsregeneration. Musste man bei GTA IV noch nach Medi-Packs Ausschau halten und nach längeren Kämpfen Burger und Hot Dogs vereinnahmen, regeneriert sich die Gesundheit des Helden vollständig von selbst, sofern man einige Sekunden ohne Treffer verweilt. So gibt es allerdings auch weniger Frustmomente, wozu auch die fair verteilten Autosaves beitragen. Man muss hier nicht jede Mission nach dem Ableben wieder komplett von vorne beginnen, sondern kann ab dem letzten erreichten Checkpoint innerhalb der Mission weitermachen.
Beinahe hätte ich vergessen, dass man den eigenen Charakter recht umfangreich selbst zusammenbasteln kann - und das auch noch im Spiel (natürlich gegen Bezahlung beim plastischen Chirurgen ;)). Die Charaktererstellung erinnert ein wenig an Fallout 3/New Vegas. Egal ob Haarfarbe, Augenbrauenneigungswinkel oder Gangart - hier kann man sich wunderbar austoben. Für ein Action-Spiel beinahe schon exzessiv. Der selbst geschaffene Charakter taucht dann selbstverständlich auch genau so in allen Zwischensequenzen auf, was deutlich zur Atmosphäre beiträgt.
Das Spiel selbst besteht aus verschiedenen Missionen, die den Haupthandlungssträngen zugeordnet sind. 3 "Konkurrenz-Banden" wollen beseitigt werden, bevor man sich mit seinen "3rd Street Saints" daran macht, die Stadt von einem mächtigen Konzern zurückzuerobern.
Um die Missionen spielen zu können, muss man sich "Respekt" verdienen. Dies wiederum geschieht durch Minispiele, die in der frei begehbaren Spielwelt verteilt sind. Vom banalen Wettrennen bis zum Auftragsmord und vom Taxifahren bis zum blinden Zerstörungslauf durch die Stadt ist alles dabei. Die Minispiele sind kurzweilig und dauern nie länger als ein paar Minuten.
Die Story selbst wird in spannenden und mit schwarzem Humor gespickten Zwischensequenzen erzählt, die mich sehr stark an "Der blutige Pfad Gottes 2" erinnert haben. Bei mir trug wahrscheinlich noch der Fakt dazu bei, dass ich meinem Charakter einen extremen britischen Akzent verpasst hatte. Dazu kamen noch die "Forgive Me For My Sins"- und "SAINTS"-Tattoos auf Oberkörper und Rücken. In Verbindung mit einem offenen Sakko und schwarzen Seidenhosen sieht das interessant aus ;)
So mitgefiebert habe ich selbst bei Mafia 2 und GTA IV nicht. Zumindest nicht so schnell. Bei SR2 war man nach einer kurzen Einspielzeit unrettbar gefesselt. Bei den genannten anderen Spielen war dies erst gegen Ende der Story der Fall.
Nachteil: SR2 hat man nach 20-25 Stunden durchgespielt. Allerdings gibt es auch "danach" noch viel zu tun, z.B. alle Minispiele meistern, alle versteckten CDs finden oder alle in der Stadt versteckten Stunts absolvieren. Wem das nicht genügt, der darf sich im vorbildlich umgesetzten Multiplayerteil vergnügen.
Hierzu sei aber gesagt, dass Cut- und Uncut-Versionen (also deutsche und alle anderen) miteinander nicht kompatibel sind. Spieler einer geschnittenen Version können also nicht mit Uncut-Spielern zusammen spielen und umgekehrt. Das ist den teils sehr heftigen Schnitten geschuldet und hierüber sollte man sich klar sein, wenn man sich für eine Version entscheidet.
Kommen wir zum
Fazit
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SR2 bietet eine große Spielwelt mit teils abgedrehten Charakteren, einer Actionreichen und blutigen Atmosphäre und jeder Menge schwarzem Humor im Stil von "Der blutige Pfad Gottes 2". Wer sich an der relativ altbackenen Grafik stört, darf gerne einen Stern abziehen. Und wer GTA IV mochte, allerdings gerne etwas mehr Action gehabt hätte, ist hier goldrichtig.