So, hab das Spiel gestern gekauft und bin mittlerweile durch. Ja, Sie haben richtig gelesen: Ich bin durch. Bis zum Abspann habe ich knapp sechs Stunden gebraucht.
Aber mal von vorne. Ich hab den Roman Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky gelesen, bevor ich überhaupt wusste, dass eine Computerspieladaption dazu geplant war. Ich war vom Roman begeistert, von der dichten Atmosphäre über die nachvollziehbaren Kleinigkeiten (Pilztee!) bis zu dieser postapokalyptischen Welt, die grausam und hart ist, die einen aber nicht mehr loslässt. Als ich dann vom Computerspiel erfuhr, war für mich schon damals klar, dass das ein Pflichtkauf wird.
Ich besitze einen Intel Core 2 Quad Q 6700 à 3GHz, 4 GB DDR2 RAM, Vista(32), GeForce 9800 GTX (512 MB) mit der 196.21 Version und spiele mit ner Auflösung von 1680x1050, hoher Qualität (einfachen Oberflächenschatten, genauem Bump-Mapping, weichen Schatten, aber ohne analytische Kantenglättung), DX9(!), AF4X Texturfilterung, und ohne dass es ruckelt oder lange zu laden braucht.
Bei der Installation muss man mit dem Internet verbunden sein, weil diese über den Steam-Account läuft. Das ganze ging recht schnell: Installation + Aktivierung in Steam vielleicht 10 Minuten. Danach downloaded er automatisch, bringt DirectX auf den neuesten Stand (was bei mir nicht ging, weil ich Service Pack 2 nicht installiert hab) und dann kann man auch schon loslegen. Beim Starten des Spiels kam übrigens der Hinweis, dass mein Treiber veraltet sei (obwohl ich glaube, dass der 196.21er der Aktuelle ist) und dass das Spiel möglicherweise instabil läuft - davon war allerdings die ganze Spielzeit über nichts zu merken, es lief einwandfrei.
Nun zum Spiel selbst: Die Geschichte spielt im Jahre 2033 (wer hätte es gedacht!) nachdem zwei Jahrzehnte vorher ein schrecklicher Krieg, die Welt verwüstete, die Oberfläche unbewohnbar machte und nicht nur Moskau in eine Geisterstadt verwandelte. Der Held der Geschichte ist, wie im Buch, Artjom, der zwar noch vor der atomaren Stunde Null geboren wurde, aber seither sein ganzes Leben in der Station "Exhibition" innerhalb der Moskauer Metro verbrachte. Und hier setzt jetzt auch die Story an. Denn Artjoms Heimatstation wird von einer neuen Bedrohung, nämlich den "Schwarzen" (die heißen wirklich so) heimgesucht. Der erfahrene Kämpfer "Hunter" macht sich auf den Weg, den Ursprung dieser Bedrohung zu ermitteln und bittet Artjom, zur Polis zu reisen und diese zu warnen, wenn er nicht innerhalb von zwei Tagen zurückkommen sollte. Wie zu erwarten kommt Hunter nicht zurück und Artjom macht sich auf den Weg.
So viel zur Story. Metro-Leser werden Artjoms Weggefährten (wie Bourbon und Khan) wiedererkennen, was zumindest bei mir ein Gefühl von Vertrautheit auslöste, werden aber auch erkennen, dass die Story teilweise andere Wege geht, als im Buch.
Was im Spiel sofort auffällt ist die unglaublich dichte Atmosphäre: Die undurchdringliche Dunkelheit, die viel zu schwache Taschenlampe, die man immer wieder aufladen muss (was nicht so nervig ist, wie ich zunächst dachte), um ihren Strahl wenigstens ein bisschen heller und stärker zu machen, die unbestimmbaren Geräusche, die Stimmen, die von überall und von nirgendwo herzukommen scheinen, die Visionen, die Artjom heimsuchen und nicht zuletzt die Tunnels selbst, in denen man sich nie sicher fühlen kann.
Die Atmosphäre führt dazu, dass man stets Aufmerksam ist, immer auf der Hut, auf alles achtet und trotzdem steht dann ein Gegner plötzlich direkt vor dem Gesicht, weil man die Spalte in der Wand oder das Loch in der Decke nicht gesehen hat, aus dem der Mutant herausgehuscht ist.
Zur Atmosphäre trägt aber auch das Leben in den Stationen bei, in denen sich die Überlebenden dicht auf dicht drängen. In winzigen Zimmer auf Stockbetten schlafen, Schweine mästen und Pilze züchten. Die Stationen erscheinen nicht tot und leblos sondern sprudeln durch die Detaillverliebtheit der Entwickler mit Leben. Es ist einfach stimmig, durch diese letzten Bastionen menschlichen Miteinanders zu streifen, dem Stimmengewirr der Leute am Feuer zu lauschen oder sich die Postkarten an den Wänden, die von einer besser Welt zeugen, anzuschauen.
Ich hab bei mir die Sprache zunächst auf Russisch gestellt und Deutsche Untertitel aktiviert, weil ich dachte, dass das ganze noch etwas authentischer Wirken würde, was es auch tut. Das Problem ist, dass es nur Untertitel zu den "wichtigen" Konversationen gibt. Man erfährt also nicht, warum das Mädchen jetzt seine Mutter anbettelt oder was ein vorbeigehender Bekannter Artjom zuruft. Einerseits passen die Stimmen recht gut zu dem Setting, andereseits geht aber auch Atmosphäre verloren, weil man einfach nur die Hälfte versteht.
Das Kampfsystem hat mir persönlich gut gefallen. Die Action ist knackig, artet aber nicht in einer kofplosen Ballerorgie aus: Nicht nur der chronische Munitionmangel erfordet Taktik, sondern das ganze Setting: Stolperfallen, die durch Geräusche auf einen Aufmerksam machen, oder herabschwenkende Holzbalken, die einem das Leben sofort ausknipsen. Es empfiehlt sich auch im Dunkeln zu operieren und gegebenenfalls Lichtquellen auszuschalten, dabei immer auf Deckung bedacht, da einen sonst sehr schnell das Zeitliche segnet. Auch die Waffenwahl ist entscheidend, kommmen die Gegner nur aus einer Richtung kann man ruhig auf die Schrotflinte zurückgreifen, wuseln sie aber um einen herum brauch man definitiv etwas schnelleres. Zudem stellt sich die Frage, welche Munition man einsetzt. Nutzt man die stärkere Vorkriegsmunition, die gleichzeitig auch als Währung gilt, oder verwendet man die schwache "Metro-Munition" und spart sich die Gute um bessere Waffen zu kaufen.
Und obwohl man mit Bedacht in die Kämpfe geht, kommt man stellenweise aus dem Ballern auch garnicht mehr raus, weil dort so viele Gegner auf einen geschleudert werden, dass man sich fast schon wie in einem Hack'n'Slay fühlt, während man seine letzten Patronen auf die Gegner abfeuert und hofft, dass der umkippende Feind jetzt der letzte war.
Ich wurde in meiner Hoffnung bestätigt, dass das Computerspiel Metro 2033 dem Buch gerecht wird und die klaustrophobisch, düstere Atmosphäre einfängt. Ich habe genau die aussichtslose, dunkle Welt bekommen, die ich wollte und bin begeistert.
Einen Punkt Abzug gibt's allerdings für das ungenügende Preis/Leistungsverhältnis mit einer lächerlich kurzen Spieldauer von sechs bis maximal sieben Stunden.