Während der Vorgänger "Kessen" inhaltlich im mittelalterlichen Japan angesiedelt war, beschäftigt sich nun "Kessen 2" mit Koeis populärer "Romance Of The Three Kingdoms"-Saga, welche ja auch die "Dynasty Warriors"-Spiele zum Thema haben. Bei "Kessen 2" geht es nun um die drei Grossmächte Wu, Wei und Shu, welche in einem fiktiven China um die endgültige Vorherrschaft kämpfen. Dies ist nicht historisch akkurat, vielmehr handelt es sich bei Kessens China um eine Fantasy-Welt, in der Magie eine wichtige Rolle spielt. Im Spiel übernehmen sie zunächst die Rolle von Lui Bei, einem aufstrebenden General der Shu-Armee, der es sich zum Ziel gemacht hat, ein vom Frieden beherrschtes China zu schaffen. Seine Gegenspieler sind Sun Quan von der Wu-Truppe sowie der tyrannische Herrscher Cao Cao (Wei). So erlebt der Spieler ein aufwändig angelegtes Epos um Liebe, Intrigen und Krieg, welches klassischen Historien-Schinken in nichts nachsteht. Die Story wird erzählt in zahllosen Filmen (sowohl in Render-als auch in Echtzeitgrafik), die das eigentliche Spiel regelmäßig unterbrechen, jedoch nie störend wirken. Vielmehr muss "Kessen 2" sowieso neben dem Strategie-Aspekt als audiovisuelle Erfahrung verstanden werden: Der Sound dröhnt im wuchtigen ProLogic-Format aus den Boxen und sämtliche Filme sind in erhabenster Qualität. Die Präsentation stimmt also; wie sieht es jedoch mit dem eigentlichen Gameplay aus? Nun, jeder Spieler, der ein leicht zu erlernendes und dennoch herausfordenes Strategie-Spiel sucht, ist mit "Kessen 2" bestens bedient. Während "Kessen" gerade in der Planungsphase noch unnötig kompliziert war, bietet "Kessen 2" klar verständliche Taktiken und übersichtlichere Schlachten. Man stelle sich den Spielablauf so vor: Vor jeder Schlacht wird zunächst mit seinen verbündeten Offizieren ein politischer Rat gehalten, in dem man über die weitere Vorgehensweise zur Entwicklung seiner Armee entscheiden darf. So muss man sich z.B. überlegen, ob man vielleicht in eine neue Waffe (Kanonen, Katapulte, uvm.) investiert, neue Truppen rekrutiert oder doch lieber einem feindlichen Offizier einen Brief mit Gift (hehe) zukommen läßt. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass es keine "richtigen" oder "falschen" Entscheidungen gibt, trotzdem beeinflussen sie ganz klar den weiteren Verlauf des Spiels. Ist dies geschehen, kann man sich nun der konkreten Schlachtplanung zuwenden. Hier wird zunächst die Position des Feindes begutachtet, um dann die passende Taktik zu finden. Auch hier werden dem Spieler einige grundlegend verschiedene Möglichkeiten angeboten, zwischen denen es zu wählen gilt. Will man den Feind in ein Minenfeld laufen lassen oder lieber einen Hinterhalt vorbereiten? Solche und viele weitere Möglichkeiten müssen abgewogen werden. Und auch hier gilt: Jede Taktik kann zum Erfolg führen; keine ist wirklich "falsch". Danach geht es dann schliesslich aufs Schlachtfeld, auf dem man seine Einheiten und Generäle einzeln befehligen kann. Ist man in eine Konfrontation mit einer feindlichen Einheit eingetreten, kann man Spezialmanöver anwenden. Diese reichen von einer Duellherausforderung an einen feindlichen Offizier bis hin zum Einsatz spektakulärer Zaubersprüche. Diese phantastisch dargestellten Spells bieten mächtige Attacken wie das Beschwören einer Feuerwand und das Erzeugen eines Erdbebens. Erwähnenswert sind auch die neuen Seeschlachten, bei denen direkt auf Bord der Schiffe gekämpft wird, sowie die strategisch immens anspruchsvollen Burgbelagerungen. Am Ende einer gewonnenen Schlacht werden Erfahrungspunkte für die eigenen Einheiten vergeben, die auf diese Weise aufgestuft werden können. Zum Beispiel wird so mit der Zeit aus einer einfachen Bogenschützen-Truppe eine gefährliche Meute von Armbrust-Scharfschützen. Das Spiel bietet pro Durchlauf zwischen 11 und 15 Schlachten, deren Länge sich zwischen 20 und 100 Minuten bewegt (Abspeichern jederzeit möglich!). Hat man das Spiel mit Lui Bei und seiner Shu-Armee durchgespielt, bekommt man die Möglichkeit mit Cao Cao anzutreten und die Geschichte aus einer anderen Perspektive zu erleben. Schafft man es dann auch noch, das Spiel mit Cao Cao zu lösen, winkt schliesslich der anspruchsvolle Fortgeschrittenen-Modus, bei dem Strategen dann wirklich aufs äußerste gefordet werden. FAZIT: Abgesehen von der Tatsache, dass es sich bei "Kessen 2" um ein bombastisch präsentiertes und klasse spielbares Schlachten-Gemälde handelt, bieten die vielen politischen und taktischen Varianten mehr Grund als genug, um das Spiel auch auf lange Sicht immer wieder gerne einzulegen. Ich habe das Spiel bereits auf beiden Wegen durchgespielt und meine Begeisterung ist ungebrochen. Übrigens: Wer vom "Romance Of The Three Kingdoms"-Zyklus nicht genug bekommen kann, dem sei der Playstation2-Titel "Dynasty Warriors 3" dringendst ans Herz gelegt...Danke für die Aufmerksamkeit!