Okay, der Titel der Rezension ist etwas zu weit hergeholt, aber ich habe BOMBEMSPAß mit dem Titel, auch wenn er durchaus seine Schwächen hat. In den 3D Modellen blitzen Linien hervor (weiß oder schwarz), Animationen in Zwischensequenzen könnten besser aussehen, das ganze Spiel könnte flüssiger laufen, aber *** drauf! Das Ding gehört nicht zu einer überholten Serie wie Final Fantasy, vielleicht verzeiht man deshalb so einigen Schnitzer nicht, aber gerade weil es ein eigenständiger Titel ist sollte man einen Blick riskieren und wird, wenn man nicht ganz so verbohrt oder HD-verwöhnt ist, wie Gamer der Neuzeit nunmal, dann kann man hier ein ganz nettes RPG finden.
Die Story ist relativ schnell erzählt. Die Dragoneers, eine Art Ritter, beschützen die Drachen der Welt, welche eben diese im Gleichgewicht halten. Eines Tages als wieder eine Zeremonie für die neuen Dragoneers abgehalten werden soll taucht ein schwarzer Drache auf und das Unheil beginnt. Mehr muss man auch nicht sagen, weil die Geschichte immer relativ unspektakulär bleibt und mindestens so trashig präsentiert wird wie sie klingt. Soll heißen: Viele der Szenen wirken unfreiwillig komisch, was aber an manch einer Animation der Figuren liegt als am Inhalt.
Der Spieler übernimmt die Rolle von Valen Kesslar - ja das ist wirklich ein Mann, auch wenn er überhaupt nicht so aussieht - kann aber, je nachdem wer mitgeht - per einfachem Tastendruck die aktive Figur in der Party wechseln. Ganz klassisch läuft man also durch Städte oder die Welt und wenn man einen der sichtbaren Gegner berührt wechselt das Geschehen in die Kampfmodus und ein JRPG-typischer, rundenbasierter Kampf beginnt. Hier hat man versucht einige Neuerungen einzubringen die durchaus nett erscheinen. Alles was man macht formt die jeweilige Figur nämlich. Benutzt eine Figur den Feuerzauber, so stuft er mit jedem Nutzen weiter auf. Blockt eine Figur, so gilt es in einer Art Judgment Ring (Shadow Hearts) einen rotierenden Cursor über eine bestimmte Zeit an markierten Punkte zu halten. Je nachdem wie viele der Punkte man markiert hat wird die Defensive besser und für jede genutzte Abwehr, egal wie viele Punkte man in diesem Glücksrad erwischt, steigt der Wert der Abwehr. Der "tricky part" dabei ist jedoch: Erwischt man einmal nicht einen der gehighlighteten Punkte auf dem Rad, so werden alle bisher markierten entfernt und man darf - soweit noch Zeit über ist - nochmal beginnen. Selbst während man im Feld unterwegs ist kann man Fähigkeiten der einzelnen Figuren nutzen, wie etwa schnelleres Rennen, was auch extra durch den Nutzen aufgestuft wird. Man ist sozusagen sehr frei was das Formen der einzelnen Figuren angeht.
Ein kleiner Clou ist die Tatsache selbst bestimmen zu könne in welcher Reihenfolge die Figuren angreifen. Das richtet sich ganz nach der Reihenfolge in der die Befehle eingegeben wurden und nicht nach dem Statuswert der Schnelligkeit. Leider wird das ganze nicht so taktisch wie es hätte werden können, aber man kann Heilungen zum Beispiel sehr gut planen. Vorsicht ist jedoch gerade bei Heilzaubern geboten, denn die Magiepunkte kommen alle aus einem Pool. Es gibt also nur eine Magieleiste für alle Figuren und diese baut sich nicht in klassischen MP auf, sondern in ca 10 einzelne Container. Jeder dieser Container wird nach und nach durch Aktionen, wie das Besiegen von Gegnern, gefüllt. Stärkere Zauber verlangen manchmal mehr als einen dieser Container.
Etwas altbacken, aber nicht ganz so schlecht kommt auch das Ausrüsten vor. Magie wird im Stil von FInal Fantasy 7 ausgerüstet, heißt hier nur nicht Materie, bzw. Materia. Magie kann zu jeder Zeit ausgerüstet werden und unterscheidet sich in normale Magie und Drachenmagie, die zusammen mit den Waffen benutzt werden kann. Waffen und Rüstungen sind auf gewisse Level limitiert, schwere Schwerter können zum Beispiel erst ab Level 15 oder 20 ausgerüstet werden. Ist einmal nicht das nötige Geld vorhanden, so kann man jedes Item auch selbst herstellen. Das Sammeln von Gegenständen, also Zutaten, und das Horten von alten Ausrüstungsgegenständen ist hier zwingend nötig.
Leider wird alles etwas in die Länge gezogen, was gerade für die Kämpfe gilt. Ich persönlich finde die Dauer für einen Kampf zwar durchaus noch okay, aber die Inszenierung hätte etwas fetziger sein können. Vom Prinzip her stehen alle nur herum und wackeln etwas. Ganz so schlimm, wie das nun klingt, ist es nicht, aber das umschreibt es ganz gut, denke ich. Richtig unnötig in die Länge gezogen wirken Kämpfe dann, wenn man gezwungen ist aufzuleveln, also seine Figuren stärker zu machen. Das passiert mitunter sehr schnell, denn oft geht man von einem einfachen Gebiet in den dazugehörigen Dungeon (Kerker, Vulkan, ...) und promt schlagen die Gegner zehnmal so stark zu. Bis Zauber und andere Eigenschaften wirklich nützlich sind vergeht auch etwas Zeit, aber im Schnitt verdient man seine Erfahrungspunkte und die höheren Level sehr zügig.
Die Präsentation krankt etwas, wie schon kurz angeschnitten. Grafisch ist der Titel okay, etwas Tearing ist zu bemängeln und manchmal blitzen unschöne Kanten in 3D-Objekten auf. Dennoch kann sich das Teil für ein portables Spiel sehen lassen und gerade die Modelle der Hauptfiguren und Drachen sind schön anzusehen. Da gesellt sich eine sehr gute Synchro dazu, auch wenn man sich fragt ob eine gewisse Dame jetzt zum Beispiel so einen russischen Akzent benötigt hat. Die Sprache wird aber nie inÄs Lächerliche gezogen. Die Musik kann sich ebenfalls sehen lassen. Die Titelmelodie von Bach und auch sonst sehr viel Inspiration von Bach - wirklich gut. Selbst die Kampfmusik, auch wenn nicht wirklich als fetzig zu bezeichnen, wird nie langweilig.
Als Topping bietet Dragoneer's Aria auch noch einen Multiplayermodus an, bei dem man via WiFi mit mehreren Spielern - ich glaube es waren 2 - 4 - losziehen kann. Hier übernimmt jeder eine Figur, aber der Modus wurde von mir nicht gespielt.
Dragoneer's Aria ist gewiss kein wirklich polierter Diamant, aber einer, den man sich durchaus gerne anschaut. Einige kleine Schnitzer sind zu verbuchen, aber wie ich finde macht die Tatsache dass es sich hier um ein eigenständiges Spiel abseits vom Square Hype handelt das wieder gut. Nicht zuletzt habe ich viel Freude mit den doch sehr sympathischen Figuren, auch wenn die Männer regelrecht zu weibisch aussehen. Selbst das optisch so dumm wirkendende Naivchen ist gut umgesetzt und keine hohle Nuss. Die ganzen negativen Stimmen kann ich also nicht ganz nachvollziehen und bin regelrecht dazu verleitet zu sagen: Gebt dem Teil ne Chance, denn es ist durchaus spielenswert. ...was ich hiermit auch getan habe. Für mich gewiss kein Fehlkauf!