Darksiders 2 stockt an vielen Stellen auf: Plötzlich gibt es viel größere und nahtlos verbundene Areale, etliche Gegner, die sich tummeln, verborgene Truhen und sogar die Ausrüstung kann diesmal etwas differenzierter ausgewählt und ausgebaut werden. Allerdings gibt es nicht nur Sonnenschein zu vermelden:
Ein seelenloser Sensenmann
Wer sich die Fortsetzung des geladenen Grantigseins oder der rüden Rücksichtslosigkeit eines War erhofft hatte, wird enttäuscht. Die wenigen Gelegenheiten zur Zeichnung von Charakterzügen werden getrost verschlafen oder einfach schlecht umgesetzt. Ungestüm ist auch Death von Zeit zu Zeit, aber weder so smart, wie man ihn sich wünscht, noch so überlegen erhaben, wie zumindest ich es erwartet hätte. Trotz des freudigen Wiedersehens mit einigen alten Bekannten und einiger wirklich interessanter, neuer Charaktere aus dem Darksiders-Universum, leiden auch die Zwischensequenzen arg unter dieser Farblosigkeit des Protagonisten.
Immer feste druff
Der Kampf scheint mir hingegen dynamischer und vielseitiger geworden zu sein, was gerade an den vielen Kombinationsmöglichkeiten zwischen erster und Zweitwaffe liegen dürfte. Die Abwechslung hierbei ist wirklich eine Stärke des Spiels und eines der Highlights. Weiterhin enttäuschend bleibt leider der Fernkampf, denn die Schusswaffe ist noch immer nur als Kampfinitiationsstimulanz zu gebrauchen, da selbst kleine Gegner sich davon nicht immer gleich beeindrucken lassen.
Phänomenales Panorama
Wirklich hübsch ist die Welt geworden. Viele der Details und einfallsreichen optischen Gimmicks machen die Spielwelt zur Augenweide und die Ritte auf Despair zur netten Abwechslung. Was sich geändert hat, ist, dass nun auch viele kleine palastähnliche Passagen über die Welt verteilt sind, die mehr oder weniger eigene "Schlösschen" sind und in denen es allerhand zu entdecken gibt. Sollte man also die in der Storyline stets gebotene Eile nicht unbedingt zu wörtlich nehmen, hat man allerhand zu erkunden, manchmal fast ein wenig zu viel, wenn sich wiedereinmal noch eine Kletterpartie an noch einen Mechanismus reiht...
Ausrüstung
Je nachdem, wie man seinen Death möchte, eher arkan oder draufgängerisch, es findet sich immer die richtige Waffe/Zweitwaffe/Rüstung. Allerdings ist an dieser Stelle auch gleich zu sagen, dass die einzelnen Waffentypen, Rüstungsvarianten und Entwicklungsmöglichkeiten recht überschaubar bleiben und sich rasch erschöpfen. Sicherlich kann man lange Zeit damit verbringen, eine bestimmte Waffe aufzuwerten, allerdings findet man ständig Neues und bei einer Waffe zu bleiben, fällt schwer. Das Hauptproblem ist m.E., dass die Ausrüstungsgegenstände schlicht inflationär gefunden werden und dann nur selten wirklich tolle oder alleinstellende Features mitbringen. Persönlich erinnerte es mich an die gefühlten 50000 Gegenstände aus Two Worlds, die auch alle immer irgendwie nur leicht unterschiedlich, aber nie wirklich besonders und toll waren.
Ein knochenkahler Klettermax
Schön ist auch die Erweiterung des Bewegungsstils im Sinne von Prince of Persia. An Wänden entlangschlittern oder herabgleiten ist ebenso neu, wie die vielseitige Verwendung von allerhand Golems. Death wirkt agiler als War und die Steuerung macht eigentlich auch in keiner Perspektive wirklichen Ärger, wobei sich meine Erfahrungen auf das Xbox 360 Gamepad am PC beschränken.
Es bleibt zu sagen, dass die Fortsetzung durchaus geglückt, aber nicht immer glücklich ist. Zur Story will ich nichts schreiben, da ich nicht noch mehr vorwegnehmen möchte. Die Handlung bleibt jedenfalls noch immer spannend, wenn auch nicht so aufschlussreich wie gewünscht, hinsichtlich des ersten Teils jedenfalls. Unter der schon benannten Farblosigkeit der Figuren leidet aber auch der letztendliche Gesamteindruck und die heftige Tragweite der teils überraschenden Ereignisse wird leider in meinen Augen kaum so transportiert, wie sie es verdiente.