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THEORETISCH PHANTASTISCH: Eine Einführung in Tzvetan Todorovs Theorie der phantastischen Literatur
 
 
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THEORETISCH PHANTASTISCH: Eine Einführung in Tzvetan Todorovs Theorie der phantastischen Literatur [Broschiert]

Simon Spiegel
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 204 Seiten
  • Verlag: P.Machinery M. Haitel; Auflage: 1. (November 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 394253312X
  • ISBN-13: 978-3942533126
  • Größe und/oder Gewicht: 16,8 x 16,8 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 260.057 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Simon Spiegel
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Simon Spiegels Arbeiten zur Science Fiction und Phantastik sind nicht nur analytisch durchdringend und originell, sondern vor allem auch eminent lesbar und frei von dem Zwang, sich in akademischem Kauderwelsch beweisen zu müssen.« – Dr. Franz Rottensteiner, Herausgeber Quarber Merkur »Simon Spiegels Einführung in Tzvetan Todorovs Phantastiktheorie wird den studentischen Lesern sicher auch über die Beschäftigung mit Todorov hinaus hilfreich sein: Als Einführung in den Strukturalismus und als Erhellung der grundsätzlichen methodischen Probleme, welche das Stichwort ›Phantastik‹ aufwirft.« – Prof. Dr. Monika Schmitz-Emans

Kurzbeschreibung

Tzvetan Todorovs 1970 erstmals erschienene Einführung in die fantastische Literatur ist noch heute der Text, an dem keiner vorbeikommt, der sich eingehender mit Phantastik beschäftigt. Allerdings hat Todorovs Buch in der Vergangenheit vor allem im deutschen Sprachraum immer wieder für Missverständnisse gesorgt. Denn was Todorov beschreibt, scheint auf den ersten Blick nur wenig mit dem gemein zu haben, was ein Laie normalerweise unter ›Phantastik‹ versteht. In »Theoretisch phantastisch« unternimmt Simon Spiegel den Versuch, Todorovs Theorie in leicht verständlicher Art und Weise zu erklären – auch und gerade für Leser ohne literaturwissenschaftliche Vorbildung. Nach dem ersten Teil, in dem Todorovs Phantastik-Konzept dargelegt wird, werden im zweiten Teil sieben Beispiele – darunter auch zwei Filme – ausführlich analysiert.

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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
In der Tat phantastisch 2. Dezember 2010
Von Caddy
Format:Broschiert
In der Einleitung zu "Theoretisch phantastisch" formuliert Simon Spiegel das Ziel, Todorovs Einführung in die fantastische Literatur für literaturwissenschaftliche Laien verständlich aufzubereiten. Dies gelingt ihm sowohl auf inhaltlicher als auch auf stilistischer Ebene, da Spiegel weitgehend auf den üblichen Fachjargon verzichtet und stattdessen in klarer Sprache in Todorovs Phantastik-Theorie einführt.

Zu Beginn seiner Einführung bettet Spiegel Todorovs Studie in ihren thematischen und historischen Kontext ein, indem er kurz und prägnant auf die Aufgaben und Ziele der Literaturwissenschaft, die wissenschaftliche Theoriebildung und insbesondere (und auch etwas ausführlicher) auf den Strukturalismus als literaturwissenschaftliche Strömung eingeht. Über die Frage, was denn eigentlich eine Gattung sei, leitet Spiegel direkt zu Todorovs Gattungsmodell über.

Anschließend widmet sich Spiegel allen Facetten der Phantastik-Definition Todorovs. Hierbei orientiert er sich weder in der Reihenfolge noch im Umfang an Todorov, sondern setzt seine Schwerpunkte so, dass die Aspekte, die in der heutigen Phantastikforschung umfangreicher behandelt werden, auch mehr Platz innerhalb des Buches einnehmen. Die Themen, die in der Forschung eher irrelevant sind, schneidet Spiegel hingegen nur kurz an.

Doch Spiegel belässt es nicht nur bei einer Erläuterung der Inhalte dieses Standardwerks der Erforschung phantastischer Literatur, sondern spricht auch klar die Grenzen von Todorovs Modell an und bietet gegebenenfalls Ergänzungen (, die klar als solche gekennzeichnet werden). Weiterhin weitet Spiegel durchaus überzeugend die Phantastik-Theorie auch auf filmische Werke aus.

Bereits im ersten Teil des Buches illustriert Spiegel die theoretischen Darlegungen durchgehend mit Beispielen literarischer und filmischer Natur. Der zweite Teil widmet sich nun vollständig der Anwendung des Modells: Anhand des Modells analysiert und in Todorovs Gattungseinteilung eingeordnet werden die fünf literarischen Werke "The Turn of the Screw" von Henry James, "The Black Cat" und "The Tell-Tale Heart" von Edgar Allan Poe, "Die Verwandlung" von Franz Kafka, "Doktor Faustus" von Thomas Mann sowie die beiden Filme "The Blair Witch Project" und "El laberinto del fauno" bzw. "Pan's Labyrinth". Hierbei werden die Möglichkeiten und die Grenzen der Theorie Todorovs noch einmal sehr gelungen verdeutlicht. Allen Analysen vorangestellt ist eine kurze Inhaltsangabe des behandelten Werks, wodurch eine vorherige Lektüre (bzw. im Falle der Filme eine vorherige Sichtung) nicht zwingend erforderlich (nach meinem Dafürhalten aber sehr zu empfehlen) ist.

Abgerundet wird das Buch durch eine umfangreiche Bibliographie und Filmographie, die zu einer weiterführenden Beschäftigung mit der Phantastikforschung einladen. Lobenswert ist auch die Aktualität der beiden Werk-Übersichten. Hervorzuheben ist des Weiteren das Layout des Buches, das durch seine Randspalten viel Platz für Anmerkungen lässt.

Selbstverständlich ist kein Werk objektiv interpretierbar, so sehr der Strukturalismus auf dieses Ideal auch hinarbeitet. Und so kann es sein, dass ein Leser des Werks "Theoretisch phantastisch" mit Spiegels Einordnung innerhalb des Anwendungsteils nicht immer einverstanden ist. "Pan's Labyrinth" wird von Spiegel beispielsweise als "phantastisch-wunderbar" gesehen, während meine persönliche Interpretation eher zum Ergebnis eines "reinen phantastischen" bzw. sogar eher "phantastisch-unheimlichen" Films kommt. Jedoch ist Spiegels Argumentation vollkommen plausibel und in keinem Fall "falsch". An solchen Stellen, an denen die Meinung des Autors und die des Lesers nicht deckungsgleich sind, fällt besonders positiv auf, wie konsequent Spiegel Aussagen Todorovs, seine eigene Beurteilung sowie den aktuellen Forschungsstand voneinander abgrenzt.

Insgesamt ist Spiegels "Theoretisch phantastisch" ein durch und durch gelungenes Werk, das nicht nur als Einführung, sondern auch als kritische Würdigung, Weiterführung und Anwendung der "Einführung in die fantastische Literatur" von Tzvetan Todorov nützlich sein kann. Durch die umfassende Bibliographie bietet das Buch auch noch "über den Schluss hinaus" einen vielversprechenden Einblick in die Phantastikforschung.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Wer sich theoretisch mit der Phantastik befasst, stolpert einerseits zwangsläufig über Tzvetan Todorovs Theorie der Phantastik, andererseits hört man auch aus berufenem Expertenmund immer wieder: "Müssen wir uns denn wirklich noch mit Todorov befassen?" Ja, muss man noch; das, und warum das, zeigt Simon Spiegels neuestes Buch, das einen schönen neuen Zugang zu dem bekannten und bekanntlich schwer verdaulichen Theoretiker eröffnet.

Man muss sich bei einer literaturwissenschaftlich orientierten Sichtweise auf die Phantastik in der Tat mit Todorov befassen, denn vor allem die Herangehensweise ist wichtig, um die literaturwissenschaftliche Diskussion zu verstehen. (Oder nein, muss man nicht unbedingt, Uwe Dursts Theorie der phantastischen Literatur, LitVerlag 2010, ist aktueller, umfangreicher und besser - aber genauso schwer zu verstehen.) Zum Glück kann man sich Todorov jetzt aber viel einfacher nähern, denn der Wissenschaftler und Journalist Simon Spiegel (http://www.simifilm.ch) hat eine exzellente Einführung in Todorovs Werk geschrieben, das die Originallektüre zwar nicht ersetzt, aber sie auch für den Fachfremden so aufschlüsselt, dass man Todorov nun folgen und ihn angemessen im Theoriekanon verorten kann: Simon Spiegel.

Dies behaupte ich auch auf die Gefahr hin, dass Todorov-Fans bzw. Vertreter der strukturalistischen Denkschule das ganz anders sehen mögen, denn Spiegel geht sehr kritisch mit Todorov um (Tzvetan Todorov: Einführung in die fantastische Literatur, Ullstein 1972; nur noch antiquarisch auf Deutsch erhältlich, aber problemlos in Englisch, Französisch zu erwerben). Vielleicht ist kritisch aber auch das falsche Wort, denn Spiegel zeigt die durchaus vorhandenen positiven, weil erkenntnisfördernden Seiten von Todorovs Theorie der Phantastik auf, und ordnet sie dann, methodisch sauber, in das Gesamtgefüge der möglichen Literaturbetrachtungen ein; eine Einordnung, bei der Todorov dann aber manche Feder lässt, denn Spiegel kann schlüssig zeigen, dass die Theorie der Phantastik einen ziemlich engen Geltungsbereich hat und ganz viele Fragen, die sich dem Publikum phantastischer Werke stellen, gar nicht beantworten kann (aber auch nicht beantworten will).

Todorov ist Strukturalist, was heißt, dass er sein Untersuchungsgebiet anhand struktureller Merkmale und gänzlich innerhalb des Untersuchungsgebiets verbleibend betrachtet: Es zählt das Buch/der Film als solcher, sonst nix. Die phantastische Literatur hat so besehen beispielsweise keinen Bezug zur Realität. Das ist etwas ganz anderes als das, was mich interessierten würde, nämlich, in welchem Verhältnis zur Realität die Phantastik steht, und was man aus ihr lernen kann. Für den Strukturalisten gibt es auch keine gute oder schlechte Literatur, nur Literatur mit bestimmten Merkmalen - der Struktur -, die eine Zuordnung erlauben. Der Strukturalist enthält sich damit jeglicher Interpretation - was darin begründet ist, dass Interpretationen nicht objektivierbar sind, und damit einen nicht unproblematischen wissenschaftlichen Charakter haben. Das ist auch alles wissenschaftlich sehr sauber, wenn man es durchhalten kann.

Das kann man auch alles bei Todorov selbst lesen, aber es hilft ungemein, wie Spiegel das herausarbeitet. Und damit gleichzeitig herausarbeitet, dass selbst Todorov große Schwierigkeiten hat, dem hohen Anspruch gerecht zu werden. Dauernd kommt es nämlich doch zu Vergleichen oder Beziehungen von Literatur und Realität sowie zu wertenden Einlassungen. Das dürfte auch kaum zu vermeiden sein, denn - das steht so nicht bei Spiegel, aber ich empfinde es so - ein wirklich sortenreiner Strukturalismus, stellt nichts weiter als die Konstruktion von Schubladen dar. Schubladen aber eignen sich nur zum Verstauen von Dingen, wir wollen jedoch mit der Phantastik umgehen (lernen).

Was an der Phantastik interessiert, ist doch beispielsweise die alte Frage: Was will der Autor damit sagen/erreichen? Oder es geht darum, warum die Science Fiction in den Vierzigern und Fünfzigern boomte, warum sie in den Sechzigern und Siebzigern so kritisch wurde und wieso die Fantasy gerade jetzt ein Allzeithoch zu haben scheint. Oder eben, welche Bücher und Filme gut sind. Oder was die Faszination der Phantastik ausmacht. Das interessiert aber aus strukturalistischer Sicht alles nicht beziehungsweise es ist ein Tabu, denn hier wird es interpretatorisch, und interpretieren darf der Strukturalist nicht.

Nachdem Spiegel das sehr schön herausgearbeitet hat, kann er auch deutlich machen, was hinter den - na ja, ich sage mal eigenwillig -, was hinter den eigenwilligen Kategorien der Phantastik bei Todorov steckt. Die reine Phantastik macht Todorov ja beispielsweise daran fest, dass sie ein Schwebezustand sei, in dem unentscheidbar ist, ob Geschehnisse natürliche oder übernatürliche Ursachen haben. Eine so verstandene Phantastik trifft natürlich auf sehr enge Grenzen und hat insbesondere mit aktueller phantastischer Kunst nicht viel zu tun. Aber auch das arbeitet Spiegel sehr schön heraus, wenn er auf den eingeschränkten, von Todorov zugrundegelegten Kanon verweist, und dass die Gültigkeit von Todorovs Überlegungen in besonderem Maße zeit- und werkabhängig ist. (Was die Auswahl im Übrigen auch zu einer sehr subjektiven Angelegenheit macht; nee, dat wird vorne und hinten nix mit der Objektivität, Leute.)

Die größte Stärke für den interessierten Laien ist aber Spiegels Dechiffrierung der literaturwissenschaftlichen Sprechweisen und Codes von Todorov und einschlägigen anderen Autoren. In "Theoretisch Phantastisch" wird alles auf eine klare Sprache heruntergebrochen; eine Ausdrucksweise, die ich persönlich für die einzig wahre halte, während der sonstige Wissenschaftssprech, gerade in den Kulturwissenschaften, für mich mehr mit standesdünkelhaften Ausgrenzungsversuchen zu tun hat als mit den Erfordernissen einer schwierig zu umschreibenden Materie. Ein Beweis, dass das geht, ist Spiegels Buch. Das kann manchmal, gerade auf den ersten Seiten, wenn man sich noch hineinliest, ein bisschen herablassend wirken, ist aber keinesfalls so gemeint. Spiegel zeigt damit viel eher, dass er sein Publikum ernst nimmt und verstanden werden will. Für mich ist der Stil jedenfalls beispielhaft, und ich werde versuchen, mich selbst noch mehr in diese Richtung zu entwickeln.

Übrigens ist Theoretisch Phantastisch auch sehr schön ausgestattet, mit übersichtlichem Layout, hilfreichen Marginalien und dezenter Bebilderung. Besonders hervorzuheben sind die schönen Zeichnungen von molosovsky (etwa das Titelbild), Porträts in dem gleichen Stil, wie sie auch seine Website schmücken: http://molochronik.antville.org/.
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1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert|Von Amazon bestätigter Kauf
Angesichts der umfangreichen Kommentare der anderen Rezensenten zum Inhalt muss dieser hier nicht noch einmal paraphrasiert werden. Spiegels Einführung in Todorovs Theorie des Phantastischen ist in einiger Hinsicht vorbildlich klar formuliert. Eigentlich wäre es nett, wenn der Verlag diesen Band als Anfang einer Reihe "Einführung in Klassiker der Erzähltheorie" verstehen würde.

Einen eigentlich kleinen, hier aber doch bemerkenswerten Haken hat Spiegels Darstellung jedoch: An entscheidender Stelle nimmt er es mit der Terminologie nicht so genau. Gerade in einem Werk über ein Genre setzt er "Genre" explizit mit "Gattung" gleich. Immerhin: er macht das explizit. Falsch bleibt es trotzdem - vor allem, weil begriffliche Differenzen ja auch den Sinn für inhaltliche Unterschiede markieren.

Flagrant wird die Differenz allein beim Blick auf Poes Erzählwerk: Da gibt es mehrere Gattungen: die Lyrik, die Kurzgeschichte, den Roman ("Arthur Gordon Pym"), den Essay. Allein in der Kurzgeschichte finden sich aber mit markanten Unterschieden verschiedene Genres. Pionier war Poe mit dem Genre der Kriminalgeschichte. Und einflussreich auf jeden Fall mit dem Genre der phantastischen Geschichten. Der "puloined letter" ist definitiv nicht dem Genre des Phantastischen zuzurechnen, der "Fall des Hauses Usher" ist keine Kriminalgeschichte. Es sind beides Vertreter der Gattung Kurzgeschichte, aber die aber verschiedenen Genres zugehören. Gerade, wenn man ein Buch über ein Genre schreibt, hätte man so viel begriffliche Präzision schon erwarten können. Und das hätte auch interessierte Laien nicht überfordert.

Ansonsten, wie gesagt, ein ganz wunderbares Buch, dem viele Leser zu wünschen sind.
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