Bereits die Ägypter bedienten sich der Elektrizität von Fischen, um schmerzhafte Erscheinungen der Gicht zu lindern, in dem sie ihre Patienten auf einen Zitterrochen stellten, bis Füße und Beine taub waren. Abgesehen davon, dass Zitterrochen in unseren Breitengraden recht rar sind, ist die Elektrotherapie heutzutage glücklicherweise fortgeschrittener. Wie fortgeschritten sie auf dem Gebiet der transkutanen elektrischen Nervenstimulation in der Schmerztherapie - kurz TENS - ist, zeigt die dritte überarbeitete und erweiterte Auflage des gleichnamigen Buches. Hier lässt der Herausgeber Raymund Pothmann zehn verschiedene Autoren aus der Fachmedizin zu den Neuerungen in diesem Bereich zu Wort - und Bild - kommen.
Im ersten Teil, den „Grundlagen", wird sowohl die Schmerzentstehung als auch die Wirkweise der Schmerzhemmung durch niederfrequente, hochfrequente und wechselfrequente TENS erklärt. In der darauf folgenden Gerätekunde erhält der Leser eine kurze Erklärung der technischen Grundlagen und der mittlerweile recht reichhaltigen Auswahl an Stimulationsparametern. Zur besseren Orientierung auf dem großen Markt der TENS-Anbieter gibt es zudem im Anschluss eine tabellarische Übersicht der im zurückliegenden Jahr auf allen größeren Schmerzkongressen ausgestellten Geräte, in der sowohl Geräteeigenschaften als auch der Service der zehn vorgestellten Anbieter verglichen werden.
Im folgenden Kapitel „Indikationen" geht es um spezifische Schmerzsyndrome wie vertebragene Schmerzen, Gelenkschmerzen, Neuralgien und Deafferentierungsschmerzen, Stumpf- und Phantomschmerz, vaskuläre Effekte sowie Migräne, Kopf- und Zahnschmerzen. Jedes dieser Kapitel beschreibt die jeweilige Pathogenese und Therapiebeispiele mit zum Teil konkreten Anwendungsbeispielen in Form von Texten und Abbildungen oder Fotografien. Auch eventuell auftretende Therapieprobleme und deren Lösung werden hier besprochen.
Unter den „Speziellen Aspekten" werden im dritten Teil des Buches die Möglichkeiten des TENS-Einsatzes bei postoperativen Schmerzen und Krebsschmerzen behandelt, sowie die Anwendungsfelder in Zahnmedizin, Pädiatrie, Gynäkologie und Geburtshilfe und der Einsatz der TENS in Verbindung mit Akupunktur bei speziellen Krankheitsbildern.
Außerdem werden Weiterentwicklungen des TENS vorgestellt wie die punktförmige transkutane elektrische Nervenstimulation (PuTENS), die Elektro-Stimulations-Akupunktur (ESA) und die transkutane elektrische Muskelstimulation (TEMS).
Abgerundet wird das Kapitel durch Grenzen und mögliche Nebenwirkungen dieser Therapieform.
Der letzte Teil des Buches wendet sich unter dem Begriff „Organisation" der Anwendung der TENS in Schmerzpraxis und Schmerzambulanz zu, wobei der Autor dieses Kapitels unter anderem auf das Vorgehen in der Praxis eingeht und Anregungen zur Dauer-Betreuung und Reaktion auf Therapieresistenz sowie zu Ausschlusskriterien für die TENS-Therapie gibt.
Fazit: Eine übersichtliche Zusammenfassung der Anwendungsmöglichkeiten des „Zitterrochen-Nachfolgers".