Beim Titel war der Autor ein wenig vorsichtig. Es heißt nicht "Die 100 besten Filme" sondern nur "100 Filmklassiker". Aber das ist wohl Verdeckung der wahren Absicht. Natürlich geht es hier um eine Liste der besten Filme des 20. Jahrhunderts. Denn wenn man sich schon die Zahl Hundert für die Dokumentation des künstlerischen Schaffens eines ganzen Jahrhunderts aussucht, so stellt sich natürlich vor allem das Problem mit der Auswahl.
Umso besser ist es dann, wenn sich diese Auswahl für den Leser als gelungen erweist. Tatsächlich entspricht diese Liste jedenfalls fast völlig meinem Filmgeschmack. Allenfalls "Der Große Diktator" von Chaplin hätte ich ergänzt, wobei der Regisseur bereits durch andere Filme vertreten ist. Ähnlich ist es bei Antonioni, von dem statt "Blow Up" hier das mit bisher unbekannte "L'Aventura" aufgeführt ist. Und den "Maltheser Falken" aufzunehmen, das wäre wohl ein wenig zuviel Schwerpunkt für den Hauptdarsteller Bogart gewesen. "Lohn der Angst" blieb mit dagegen immer fremd, ich weiß allerdings, dass ich damit wohl in der Minderheit bin. Allenfalls kann man hier bei der Auswahl kritisieren, dass bestimmte Genres nicht gerade ausführlich bedacht wurden, wie die Komödie oder der Tanzfilm. Schwerpunkt sind halt die großen Dramen, die auch bei den Oscars im Zentrum des Interesses stehen.
So ist hier übrigens auch gleich neben jedem Filmtitel die Anzahl der Oscars vermerkt. Dazu gibt es dann für jeden Film einen kurzen Text, der die Entstehung des Films beschreibt, die wichtigsten Beteiligten aufführt, und den Film allgemein beschreibt. Nicht ganz unähnlich - und auch nicht viel länger - als es die guten der Rezensenten auf Amazon hier manchmal tun, wenn sie einen Film mögen. Der Höhepunkt der beiden Bände sind hier aber sicher die vielen Standphotos aus den Filmen, die hier wiedergegeben sind. Eine weitere Möglichkeit, bei einer Auswahl Kompetenz zu beweisen, denn für viele Filme sind hier auch eindrucksvolle Schlüsselmomente dokumentiert.
Nein, viel Neues erfährt der Filmfan in diesen Bänden nicht. Aber es macht Freude, eigene Einschätzungen von den Autoren geteilt zu sehen und an viele schöne Stunden im Kino und vor der Glotze erinnert zu werden. Und nicht zuletzt machen die beiden Bände Lust darauf, viele der alten Klassiker demnächst mal wieder zu sehen.