Es handelt sich um ein Profi-Aufnahmegerät. Man kann ein Mikrofonpaar über XLR (balanced) unten anschließen. Im Gegensatz zu einigen anderen Hand-Digitalrekordern ist das Gehäuse ganz hervorragend verarbeitet, die Tasten haben einen klaren Druckpunkt; um Geräusche während der Aufnahme zu vermeiden, liegt eine Fernbedienung bei, die den aktivierten Aufnahmemodus via LED anzeigt. Die wichtigen Tasten sind optisch klar (kontrastreich) und sehr gut verarbeitet. Bei vergleichbaren Geräten (z.B. Zoom h4n) wird hier leider gespart, so dass der Symbolaufdruck sich nach kurzer intensiver Benutzung abnutzt, was der Bedienung abträglich ist). Mit Tasten wurde nicht gespart: zum Glück, denn die meisten Einstellungen lassen sich so über das Gehäuse erreichen und man muss nicht 100 Jahre in verwinkelten Menüführungen herumsuchen. Dies betrifft vor allem die Schalter auf der Rückseite (Gain-Sensibilität, Phantomspeisung, Limiter, Speaker/Monitor). Die Anordnung ist durchdacht, von Leuten konzipiert, die wissen, was sie bei einer Feldaufnahme brauchen.
Parallel zum Lithium-Ionen-Akku (5,5 h) kann man AA-Mignons (1,5 h) einsetzen; die Benutzung beider wird empfohlen. Dies hat neben der Langlebigkeit der Zellen den Sinn, dass man während laufender Aufnahme Akku oder Batterien wechseln kann. Schöne Idee! Aber dass das 5V-Netzteil nur separat erwerbbar ist, scheint mir unnötig knauserig. Ein Set von separat erwerbbarem Akku+Netzteil+Ladegerät wäre hoch wünschenswert. Solches - Standard für jedes Profi-Foto- oder Videogerät - wird von Tascam nicht hergestellt. Warum nur? Schade.
Beides, die Konzeption der Tasten, die beiden Akkufächer, machen das Gehäuse etwas mächtig. In eine durchschnittliche Jackentasche stecken kann man das Gerät nicht; für solche Geheimdienstanwendungen wird man wohl ein anderes suchen müssen (Zoom h2 o.ä.) Ich war froh, etwas in der Hand zu halten. Das Gerät fühlt sich saugut an. Für kleine Hände könnte es vielleicht zu wuchtig sein. Positive Nebenwirkung: Das Display ist gut lesbar. Auch das Jog Dial-Rad braucht Platz: auch hier kann man sagen, zum Glück (ich mag die kleinen Fummelräder nicht, bei denen man ständig versehentlich 2-3 Positionen zu weit dreht). Leider quietscht es ein wenig.
Die Qualität der internen Kondensatormikrofone ist für Rekorder dieser Klasse herausragend, wenn Sie freilich nicht an die Qualität separater Edel-Stäbchen von AKG oder Neumann heranreicht. Wie auch? Dafür kann man solche Mics ja auch anschließen. Die Aufnahme ist rauscharm und sauber, die beiden Mics sitzen in den Kapseln im üblichen 90°-Winkel. Auf eine mögliche Verstellbarkeit (wie bei den Zoom-Modellen, bis 120°) wurde verzichtet. (Inwieweit diese in der Praxis genutzt wird und wozu, fragt sich ja.) Das Eingangssignal ist beim Tascam auch bei hoher Gain-Einstellung vergleichsweise niedrig, dafür sauber. Man muss sich - außer bei viel Klick- und Poppschall - schon anstellen, um den Eingangspegel zu übersteuern. Die Philosophie ist klar: Ein sauberes leises Signal kann ich weiterverarbeiten, ein dreckiges lautes wird mir beim Editing meine vergeudete Lebenszeit vor Augen führen. Auch diese Entscheidung ist gut, da man beim direkten Monitoring oft zur Wahl übertriebener Pegel neigt (hängt je vom benutzten Kopfhörer ab).
Geräte mit einem vergleichbaren Funktionsumfang tendieren zu langsamem Start, was den akustischen Schnappschuss verderben kann. Das System des Tascam startet innerhalb von 4 Sekunden und ist dann voll da, eine ziemlich gute Zeit. Die USB-Verbindung ist schnell - bei anderen Rekordern (extrem brutal Zoom h2: noch 'n Kaffee, bis die Daten kopiert sind...) kann man warten.
Die Dokumentation zeugt von jahrzehntelanger Erfahrung; die sehr gut gestalteten Handbücher sind für Einsteiger wie Profis gleichermaßen durch durchdachte Verweise und Indexierung benutzbar. Ich habe (in den letzten 20 Jahren) nie ein Gerät von Tascam gekauft, das mich in dieser Hinsicht enttäuscht hätte. Auch in anderer Hinsicht nicht: Echt alte japanische Ingenieurskunst. Es ist nicht genau das Ideal-Gerät, das ich mir wünschen würde (Taschenmesser und Rasierapparat sollten schon auch integriert sein!), aber es kommt ihm verdammt nahe.
Eine Tasche ist dabei, die ist aber, wie bei anderen Rekordern, im Grunde nur zum Schutz und Transport da. Hier wäre eine gute, stabile Gürteltasche für den Praxiseinsatz wünschenswert.
Nachtrag: Das Quietschen des Jog Dial-Rads hat nach einer Woche aufgehört. Bei der Aufnahme mit externen Mikrofonen ist das Netzteil zu empfehlen; die Phantomspeisung frisst die Kapazität eingelegter Batterien oder Akkus sehr (sehr) schnell auf. Der beigegebene Windschutz sitzt zu labil am Gerät. Hier ist die Anschaffung eines professionellen Windjammers anzuraten. Die oben erwähnte Startzeit des Geräts ist von der eingesetzten Speicherkarte abhängig. Bei einer 32 GB-Karte (class 6) braucht das Gerät 13-14 Sekunden zum starten: Für den Schnelleinsatz sind also Karten mit kleineren Kapazitäten vorzuziehen.
Der mitgelieferte Schaumstoffwindschutz sitzt instabil. Wenn nötig, empfieht sich hier ein brauchbarer Windjammer vom Drittanbieter (sind etwas teuer).