Seine aus meiner Sicht letzten voll zufriedenstellenden Aufnahmen machte T-Bone Walker in der zweiten Hälfte der 50er, die dann gesammelt im Jahre 1960 von Atlantic Records als "T Bone Blues" veröffentlicht wurden. In diesem Sinne handelt es sich bei "T-Bone Blues" um seine erste LP: Meines Wissens wurden die Stücke erstmalig im LP Format veröffentlicht und nicht, wie bei den Aufnahmen bis dahin, als 78er.
T-Bone Blues" hält für den Zuhörer einige schöne Überraschungen bereit. Zum einen das Line-up. Hier tummeln sich große Namen, ich nenne mal Barney Kessel, Lloyd Glenn, Earl Palmer und Ransom Knowling. Dann wäre da die Sache mit der Chicago Session von 1955. Mit der Hilfe von Jimmy Rogers an der Gitarre, Junior Wells an der Harp, und vermutlich Willie Dixon und Francis Clay, nimmt Walker mit "Play on little Girl" seinen ersten waschechten Chicagoblues auf. Und, bei dieser Gelegenheit, auch gleich eine nur dürftig abgewandelte Version von Rogers` "Walking by Myself", umgetitelt in Why not". Zum Gelingen der Scheibe trägt neben dieser unerwarteten stilistischen Vielfalt die kluge Materialauswahl bei: Ahmet und Nesuhi Ertegun mischen klug Klassiker (T-Bone Blues, Stormy you-know-what, Evenin) mit frischem neuen Material - darunter "T-Bone Shuffle", das inzwischen seine zweithäufigste gecoverte Nummer sein dürfte, und ein Ticken zu viele Instrumentals. Aus ebendiesen, jedes für sich genommen perfekt gespielt, lebendig und absolut hörenswert, sticht "Two Bones and a Pick" hervor: hier "duelliert" sich der Meister über dem unwiderstehlich treibenden Rhythmus von Ray Johnson, Joe Comfort und Earl Palmer mit seinem Ziehsohn R.S. Rankin, Plas Johnson und Barney Kessel. Kessel schießt dabei mit seinem nur auf den Basssaiten gespielten Solo den Vogel ab.
Gegenüber der ursprünglichen LP wartet die CD mit 3 Bonustracks auf, von denen sich "You don't know what you're doing" mit R.S. Rankin als erstaunlich überzeugendem R&B Sänger hervorhebt.
Früher hielt ich "T-Bone Blues" in Anbetracht der heißgeliebten Imperial Recordings immer für überschätzt. Bei erneutem Hören muss ich diese Meinung aber revidieren. "T-Bone Blues" ist eine echte Perle in perfekter Soundqualität und für den T-Bone Walker Fan absolut unverzichtbar. 5 Sterne für dieses Meisterwerk.