Dieses Buch hab ich im Buchladen an zwei Stellen aufgeklappt, geschmunzelt und es sofort zur Kasse getragen. Es beleuchtet (endlich) mal auch die andere Seite.
So entrüstet ich als Kunde bin, wenn sich in Läden, im Restaurant, beim Arzt, bei einer Hotline und und und die Leute blöd verhalten und mal wieder von Service keine Spur ist, so sehr bin ich mir seit jeher bewusst: Tauschen möchte ich mit allen, die ständig Kundenverkehr haben, keinesfalls. Denn auch als Kunde ist mir klar, dass es anstrengend ist, dass sich manche Leute wirklich unmöglich verhalten ... und dass auch ich als Kunde manchmal nerve.
Dieses Buch befasst sich mit all den offensichtlichen Nervereien und Unverschämtheiten, aber auch mit den vielen kleineren, ständig präsenten Prüfungen, die auf Händler, Handwerker und Dienstleister so niederprasseln.
Auch wenn Sie sich für einen vorbildlichen Kunden halten und bei vielen Beispielen sicherlich den Kopf schütteln, bin ich fast sicher, dass Sie sich - wie ich - auch bei einigen Dingen wiedererkennen, die Ihnen gar nicht als nervig bewusst waren.
Ich beispielsweise sage auch oft vor dem Einsteigen in ein Taxi "Sind Sie frei?", habe im Computerladen schon gesagt "Naja, so Standardanschlüsse halt!" und beim Arzt schon verkündet, dass ich schon im Internet recherchiert habe, was ich haben könnte. ;-)
Inhalt: Vorwort: Vom Segen der Verbraucherkritik, "Ich Kunde, du Service-Fuzzi": Unhöflichkeit, "Möchten Sie unsere Kundenkarte testen?": Der Fluch der Wiederholung, "Das kostet dann wohl nichts!": Jeden Tag derselbe Spruch, "Krieg ich das billiger?": Ungeiler Geiz, "Ihr Kollege hat aber gesagt!": Der König lügt, "Wozu wollen Sie das wissen?": Grenzenloses Misstrauen, "SIE sind doch hier der Fachmann!": Überzogene Ansprüche, "Oder, nee, doch lieber anders": Unentschlossenheit, "Nur mal kurz": Drängeln einerseits und Trödeln andererseits, "Aber im Internet steht das so": Halb- und Besserwisser, "Wissen Sie, was ich meine?": Kunden ohne jeden Schimmer, "Ach so, sorry": Gedankenlosigkeiten, "Und was ich auch noch erzählen wollte": Überflüssiges Gerede, Glibsch und Glibber: Ekelhaftigkeiten, "Sie hören noch von mir!": Drohungen und leere Versprechen, "Wissen Sie eigentlich, wer ich bin?": Wichtige Menschen, "Vielen Dank!": Kunde sein und trotzdem nicht nerven, Schlusswort: Was macht die Gewerkschaft im Paradies?
Das Buch wird Ihnen gefallen, wenn Sie selbst ständigen Kundenkontakt haben. Und es ist etwas für Sie, wenn Sie ein engagierter Kunde sind, der einerseits auf Service beharrt, aber andererseits auch gerne mal unmittelbarer erlebt, was das Gegenüber den lieben langen Tag so mitmacht. Vor allen Dingen aber ist es etwas für Sie, wenn Sie auch ein guter Kunde sein möchten. Denn davon haben wir alle was.
Übrigens: Es ist unverblümt und teilweise polemisch geschrieben, was die Autorin am Ende auch explizit anspricht. Mich hat das nicht gestört, im Gegenteil, ich fand es amüsant zu lesen.